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15.06.2015

21:31 Uhr

Der Multikulti-Bush

Jeb Bush kandidiert für US-Präsidentschaft

VonAxel Postinett

Er wäre der dritte Bush und würde gegen Clinton2.0 antreten. George W. Bushs jüngerer Bruder Jeb Bush tritt mit seiner Rede in Miami in den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern ein.

Jeb Bush gibt seine Kandidatur zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in Miami bekannt. Reuters

Republican U.S. presidential candidate and former Florida Governor Bush formally announces campaign for the 2016 Republican presidential nomination during kickoff rally in Miami

Jeb Bush gibt seine Kandidatur zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in Miami bekannt.

WashingtonJeb Bush will Präsident der USA werden. Vier Prozent Wachstum sind sein Versprechen, dazu 19 Millionen neue Jobs. Gewerkschaften will er entmachten und Washingtons industrielle Lobby-Industrie zerschlagen. Die Armee wird kräftig ausgebaut und es gibt neue Einwanderungsgesetze. Der neue Bush hat etwas für alle und jeden. Er will Präsident aller Amerikaner sein. Zumindest ist das sein Versprechen.

Sie dürfen nicht fehlen: Gleich fünf gigantische amerikanische Flaggen in Hintergrund stärkten dem Kandidaten bei seiner großen Ankündigung den Rücken. Eigentlich war Montagnachmittag jeder freie Zentimeter in dem umdekorierten Vielzweckraum einer Hochschule in Florida mit dem Star Spangled Banner gespickt. Dazu dröhnend laute Musik. Mexikanische Musik! Auf der Nominierungsparty eines konservativen Präsidentschaftskandidaten! Doch das war das Muss. Aber etwas anderes durfte gerne fehlen: Die früheren Präsidenten Vater George und Bruder George W. Bush waren prominent abwesend im Miami Dade College in Florida. Dort machte Jeb Bush öffentlich, was alle sowieso schon gewusst haben. Er will Präsident der USA werden, der mächtigste Mann der Welt sein.

Minuten vor dem Auftakt der Politshow schunkelt der Saal mit der Musik, die Trompeten schmettern, es ist Fiesta-Stimmung in der Ex-Präsidenten-freien Zone. Sein Familienname hängt dem 62-jährigen wie ein Mühlstein um den Hals. Er ist nach Miami geflohen, um zu beweisen, dass er mehr ist als nur zufällig ein Verwandter zweier Präsidenten, der jetzt auch mal dran sein will.

Konzentriert euch auf mich, schreit schon sein Logo, das am Sonntag enthüllt wurde. "Jeb!" sagt das Banner neben dem Rednerpult ganz schlicht, mit großem Ausrufezeichen, mit dem Zusatz 2016, aber ohne "Bush".

Plötzlich Aufruhr, Jubel braust auf: Clan-Mutter Barbara Bush kommt auf einen Rollator gestützt in den Saal. Sie winkt den Unterstützern kurz zu, setzt sich auf einen weißen Holzklappstuhl mit ihrem Namen. Sie ist politisch unbelastet. Sie ist geduldet. Der nächste Latino-Kracher bläst aus den Lautsprechern.

Miami ist nicht zufällig als Standort für den großen Auftritt gewählt. Es ist weit weg vom politischen Washington, das Jeb Bush schlicht umpflügen will. Da ist Distanz wichtig. Diejenigen, die das Chaos angerichtet haben, sollte man nicht damit beauftragen es zu beseitigen, mahnt er gerne. Das zielt gegen Hillary Clinton, aber auch die Senatoren aus der eigenen Fraktion, die gerne ins Oval Office wollen. „Da sind eine Menge Leute, die reden“, so Bush, „und die sind ziemlich gut damit. Aber wir müssen jetzt mal anfangen, die Dinge zu reparieren.“

Florida ist zugleich das Symbol seiner Unabhängigkeit von der Familie, weit weg von Cowboystiefel und texanischen Ölfeldern. Hier hat er ein Immobilienimperium aufgebaut und hier war er Gouverneur. Miami ist eine multikulturelle Stadt wie kaum eine andere in den USA und das College, in dem er heute spricht, hat nichts zu tun mit den Efeu-beladenen, blasierten Eliteuniversitäten der weißen Oberschicht an der Ostküste. Es ist ein staatliches College, 1960 gegründet und hier wurden schon afroamerikanische Jugendliche und Kinder von Exil-Kubanern aufgenommen, als in anderen Staaten Schwarze noch in den Bussen hinten sitzen mussten.

So mancher kennt Jeb noch aus seiner Zeit als Gouverneur. Da hat er gezeigt, was ein in der Wolle durchgefärbter Republikaner ist. Er hat Steuern gesenkt, privatisiert, was immer möglich war. Er hat die Waffengesetze gelockert und Regulierungen aufgehoben. Das Schulsystem wurde weitgehend privatisiert, die Lehrergewerkschaften zerschlagen. Er sieht es als Erfolg, Kritiker als Desaster.

Kommentare (6)

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Herr Fred Meisenkaiser

16.06.2015, 06:57 Uhr

Glückwunsch!
1. Bush 1.Irakkrieg
2. Bush 2.Irakkrieg
3. Bush Europa? Vielleicht Ukraine? Schließlich hat man dort einige Milliarden für den Putsch investiert. Ein Krieg würde die Kassen der Rüstungskonzerne klingeln lassen. Nach Gründen wird man nicht lange suchen, Schließlich waren die Gründe im Irak auch erlogen! Vorher vielleicht ein Anschlag ala 11.September; dann ist alles zu rechtfertigen.

Herr Teito Klein

16.06.2015, 07:25 Uhr

gJeb Bush for Präsident
----------------
[i]Er wäre der dritte Bush und würde gegen Clinton2.0 antreten.[/b]

Es ist ein Kampf der Clans.
Wer hat die meisten Milliarden.
Es geht nicht um "vox populi", es geh um die Macht des Geldes.
Da sind sich die Kennedys, Bushs, Clintons und Rockefellers einig. Geld regiert die Welt!

Sven NSA Euro

16.06.2015, 07:39 Uhr

Gibt es in Amerika nur noch Kriegstreiber? Obama hat schwer enttäuscht. Der Nächste will auf die Bühne und raselt schon. Der darf sogar Wahlkampf mit Frau Merkel in Berlin führen.
Traurig dass die Menschen diesem Bestreben keinen Einhalt gebieten können.

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