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02.03.2006

12:07 Uhr

Der politische Gastkommentar

Gastkommentar: Totaler Ölboykott

VonMichael O'Hanlon (Senior Fellow der Brookings Institution in Washington)

Obwohl es im Atomstreit mit Iran noch Hoffnung auf einen tragfähigen Kompromiss und eine diplomatische Lösung gibt, sieht es so aus, als ob das Land schon bald damit beginnen wird, Nuklearwaffen zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft eine ernsthafte Strategie entwickelt, um diesem Szenario begegnen zu können.

Sanktionen werden nicht ausreichen. Man sollte Iran vielmehr einen derart hohen Preis für sein Atomprogramm zahlen lassen, der andere Staaten mit möglicherweise gleichen Ambitionen abschreckt, Gleiches zu tun. Und der Preis muss so hoch sein, dass Irans Bevölkerung begreift, dass sie unter der falschen Entscheidung ihrer eigenen Regierung zu leiden hat. Besser wäre es natürlich, wenn das Regime in Teheran von sich aus einen anderen Weg einschlagen würde.

Es ist wichtig, stets darauf hinzuweisen, warum eine iranische Atombombe ein solches Dilemma wäre. Einige werden die Meinung vertreten, dass die fünf permanenten Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats die Bombe besitzen und dass Südasien in der letzten Dekade den nuklearen Weg beschritten hat. Und vor allem muss vermutet werden, dass auch Nordkorea diese Richtung einschlägt und die internationale Gemeinschaft dies weitgehend toleriert, jedenfalls nicht ernsthaft dagegen opponiert. Also warum nicht schlicht tolerieren, dass im Nahen Osten Muslime ein Gegengewicht zur vermuteten israelischen Nuklearkapazität aufbauen wollen?

Es gibt viele Stimmen, die dieser Denkweise widersprechen. So wird angeführt, dass Muslime bereits die Bombe besitzen – in Pakistan und Indien. Deshalb benötige kein anderes Land mit einer großen muslimischen Bevölkerung noch diese Waffe. Aber das realistischere Argument ist ein dreifaches. Erstens: In den beiden letzten Dekaden konkurrierte nur Afghanistan mit Iran bei der Förderung des Terrorismus. Irans Unterstützung der Hisbollah und anderer Gruppen führte nicht nur zur Gewalt gegen Israel und gegen die in Saudi-Arabien stationierten US-Streitkräfte, sondern auch gegen Juden in Lateinamerika. Und nun kommen im Irak die tödlichen Aktionen gegen die Koalitionstruppen und die heimischen Sicherheitskräfte hinzu. Aus alldem kann man durchaus schließen, dass eine Weitergabe von nuklearem Potenzial an Terroristen durch den Iran zumindest nicht unmöglich erscheint.

Zweitens und eher wahrscheinlich: Iran könnte mit der Bombe Israel und die rund um den Persischen Golf stationierten Truppen der USA und anderer westlicher Länder bedrohen. Ferner könnte Iran andere Länder in der Region unter Druck setzen, auf deren Ressourcen Teheran Anspruch erhebt. Zudem weiß man in Teheran, dass Vergeltung gegen eine iranische Aggression sehr viel schwieriger würde, wenn man über eine nukleare Abschreckungskapazität verfügt.

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