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16.12.2016

12:06 Uhr

Der tiefe Fall des „Cavaliere“

Berlusconi bangt um sein Medienimperium

Fußballclub weg, politisch vom Thron gestoßen und jetzt auch noch ein Angriff auf sein Medienunternehmen. Italiens Ex-Ministerpräsident Berlusconi kämpft an allen Fronten um sein Erbe. Doch er hat ein Ass im Ärmel.

Derzeitig steht es nicht gut um den Politiker und Unternehmer. AFP; Files; Francois Guillot

Silvio Berlusconi

Derzeitig steht es nicht gut um den Politiker und Unternehmer.

RomDie neue Regierung in Italien war gerade installiert, da kam der Angriff aus dem Ausland. So zumindest nahm man das in Italien wahr: Der französische Medienriese Vivendi kaufte sich beim italienischen Fernsehunternehmen Mediaset ein - obwohl die Italiener lautstark dagegen protestiert hatten. Wirtschaftsminister Carlo Calenda bezeichnete das Vorgehen als „feindliche Übernahme“ und versprach eine genaue Beobachtung durch die Regierung. Weil Mediaset zum Großteil Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört, hat der Fall damit eine politische Dimension. Und er erzählt viel vom schleichenden Niedergang des ehemaligen „Cavaliere“.

Gesundheitlich ging es in diesem Jahr für den Mailänder Milliardär bergab. Im Juni musste sich der 80-Jährige einer Herz-OP unterziehen. Später sagte er: „Mit der Operation ist das Bewusstsein gekommen, dass ich ein Mann von 80 Jahren bin.“ Lange trat er nicht öffentlich auf, bis er zu der Kampagne für das Verfassungsreferendum im Dezember wieder überall seine Kommentare abgab.

Auch im Sportgeschäft gab es bessere Zeiten: Seinen geliebten Fußballclub AC Mailand hat Berlusconi an ein Konsortium chinesischer Investoren verkauft. Und politisch dümpelt seine Partei Forza Italia in Umfragen um die zehn Prozent herum. Diese Woche beantragte die Mailänder Staatsanwaltschaft auch noch die Eröffnung eines Prozesses wegen Zeugenbestechung gegen Berlusconi - dabei geht es um Frauen seiner ausschweifenden Partys, denen er Millionen gezahlt haben soll, um nicht gegen ihn vor Gericht auszusagen.

Sechs Schlüsselfiguren in der neuen italienischen Regierung

Angelino Alfano

Der 46-Jährige wechselt vom Innen- ins Außenministerium. Er ist Vorsitzender der 2013 gegründeten Mitte-Rechts-Partei Nuovo Centrodestra (NCD). Eine seiner Aufgaben wird sein, die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag der EU in Rom im März und den G7-Gipfel unter italienischer Präsidentschaft Ende Mai vorzubereiten.

Anna Finocchiaro

Die 60-jährige ist erfahrenes Mitglied der sozialdemokratischen Regierungspartei PD und neue Ministerin für parlamentarische Angelegenheiten. Sie wird in den kommenden Monaten damit beschäftigt sein, das Wahlrecht für Abgeordnetenhaus und Senat anzugleichen - eine Voraussetzung für Neuwahlen.

Marco Minniti

Der 60-jährige erbt das Innenministerium von Alfano. Für ihn hält vor allem die Flüchtlingskrise Herausforderungen bereit. In diesem Jahr sind bereits mehr als 173 000 Menschen an Italiens Küsten angekommen.

Maria Elena Boschi

Die 35-jährige war in Renzis Kabinett als Reformministerin mit der Verfassungsänderung befasst, die im Referendum am 4. Dezember vom Volk abgelehnt wurde. Sie wird nun Staatssekretärin im Regierungspalast und bekommt damit eine einflussreiche Position an der Seite des Ministerpräsidenten.

Pier Carlo Padoan

Der 66-jährige Ökonom bleibt auf seinem Posten als Finanzminister. Der Experte gilt in der Finanz- und Bankenkrise sowie im Dialog mit der EU-Kommission als unentbehrlich. Padoan arbeitete in der Vergangenheit unter anderem für den Internationalen Währungsfonds.

Roberta Pinotti

Sie bleibt Ministerin der Verteidigung. Für Italien sind derzeit 6750 Soldaten in internationalen Missionen im Einsatz, von ihnen sind 1400 im Irak, 1100 im Libanon und 950 in Afghanistan stationiert. 850 von ihnen überwachen das Mittelmeer und sind an Rettungseinsätzen beteiligt.

Mit dem Einstieg von Vivendi bei Mediaset droht ihm nun auch die unternehmerische Machtamputation. Die Franzosen erreichten am Mittwoch die Marke von 20 Prozent der Anteile. Man werde nicht zulassen, dass irgendjemand „unsere Unternehmerrolle beschneidet“, ließ Berlusconi wissen. Seine Unternehmensgruppe Fininvest, zu der Mediaset gehört, erstattete Anzeige wegen Marktmanipulation.

Vivendi-Vorsitzender Vincent Bolloré ist eine nicht minder schillernde Figur als Berlusconi. So geriet der schwerreiche Unternehmer vor Jahren in die Schlagzeilen, als der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Privatjet des Geschäftsmannes nach Malta flog, um auf dessen Jacht auszuspannen.

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