Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2016

11:33 Uhr

Der Wolf im Schafspelz

Serbien wählt ein neues Parlament

Serbiens Ministerpräsident Alexander Vucic war ursprünglich ein ultranationalistischer Hardliner, nun fährt er seit längerem einen EU-freundlichen Kurs. Gleichzeitig pflegt er die traditionelle Beziehung zu Moskau.

Serbiens Ministerpräsident führt Verhandlungen mit der EU bei gleichzeitigem Bekenntnis zur „traditionellen Freundschaftsbeziehung“ mit Moskau. dpa

Alexander Vucic bei seiner Wahlkampagne

Serbiens Ministerpräsident führt Verhandlungen mit der EU bei gleichzeitigem Bekenntnis zur „traditionellen Freundschaftsbeziehung“ mit Moskau.

BelgradBei der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien am Sonntag bewirbt sich der seit April 2014 amtierende Alexander Vucic um vier weitere Jahre als Regierungschef. Die Wahlen hat er zur Mitte der Legislaturperiode mit der Begründung angesetzt, dass das Land in seinem Annäherungskurs an die Europäische Union mehr Stabilität benötige.

Nur so könne es mehr ausländische Investoren anlocken und die von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) geforderten Auflagen umsetzen. Der 46-jährige Vucic fährt mit seiner konservativ-wirtschaftsliberalen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) seit längerem einen EU-freundlichen Kurs. Dabei ist er ursprünglich ein ultranationalistischer Hardliner.

Der ehemalige Mitarbeiter des 2006 tot in seiner Gefängniszelle des Haager Jugoslawien-Tribunals aufgefundenen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic war lange Zeit ein Schützling des ebenfalls in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagten Ultranationalisten Vojislav Seselj. Dessen Serbischer Radikaler Partei (SRS) trat Vucic 1993 bei und machte dort rasch Karriere.

UN-Gericht urteilt im Genozid-Prozess: Serbien beging in Kroatien keinen Völkermord

UN-Gericht urteilt im Genozid-Prozess

Serbien beging in Kroatien keinen Völkermord

Mehr als 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien hat der Internationale Gerichtshof Serbien vom Vorwurf des Völkermords freigesprochen. Das höchste UN-Gericht urteilte auch über die Gegenklage gegen Kroatien.

Der 61-jährige Seselj ist nach seinem überraschenden Freispruch in Den Haag vor drei Wochen zurück in der Politik. Der Befürworter eines Projekts „Großserbien“ kann Umfragen zufolge damit rechnen, dass seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringt und erstmals nach den Wahlen von 2012 und 2014 wieder ins Parlament einzieht. Der SRS und dem ebenfalls EU-feindlichen, rechtspopulistischen Bündnis Demokratische Partei Serbiens (DSS) werden zusammen zwischen zehn und 15 Prozent der Stimmen zugetraut.

Der Vucic-Partei sagen die Umfragen um die 50 Prozent, ihrem derzeitigen Koalitionspartner, der Sozialistischen Partei (SPS) von Außenminister Ivica Dacic, etwa zwölf Prozent voraus. Ebenfalls der EU zugeneigt ist die bis 2012 regierende liberale Demokratische Partei (DS). Ebenso wie das Bündnis um die Sozialdemokratische Partei (SDS) des langjährigen Staatspräsidenten Boris Tadic kämpft sie bei etwa fünf Prozent um den Einzug ins Parlament.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×