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05.07.2011

14:50 Uhr

Derivatehandel

EU-Parlament will Finanzspekulationen einschränken

Der Markt mit Derivaten, also Termingeschäften auf Kurs- oder Preisentwicklungen, ist bislang nicht reguliert. Das soll nun anders werden: Das EU-Parlament will ungedeckte Leerverkäufe einschränken.

Den Handel mit Derivaten will das EU-Parlament einschränken. Quelle: APN

Den Handel mit Derivaten will das EU-Parlament einschränken.

StraßburgDas EU-Parlament kämpft für eine lückenlose Aufsicht über den Derivatehandel und für die Einschränkung ungedeckter Leerverkäufe. Das Plenum legte am Dienstag in Straßburg seine Position für die weiteren Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten fest. In wichtigen Punkten will das Parlament weiter gehen als die Regierungen.

Der Markt mit Derivaten, also Termingeschäften auf Kurs- oder Preisentwicklungen, ist bislang nicht reguliert. Alleine in diesem Jahr wurden bis zum 30. Juni Derivate außerhalb der Börsen im Volumen von 601 Billionen US-Dollar gehandelt. Geht es nach dem Parlament, dann müssen sämtliche Geschäfte künftig angemeldet werden. Ab einem bestimmten Volumen müssen die Geschäfte auch von sogenannten Clearingstellen bewertet und
abgesichert werden.

„Das Volumen aller Derivate muss bekannt sein“, sagte der CDU-Abgeordnete Werner Langen. „Sonst ist eine frühzeitige Risikoerkennung nicht möglich.“ Die Aufgabe soll von der Europäischen Börsenaufsicht ESMA übernommen werden, fordert das Parlament. Geht es nach den Regierungen, soll die Aufgabe von den nationalen Behörden erledigt werden. Auch bei der Einschränkung von Leerverkäufen will das Parlament weitergehen als mehrere Mitgliedsstaaten. So sollen ungedeckte Leerverkäufe bis zum Ende des jeweiligen Handelstages mit den entsprechenden Wertpapieren unterlegt sein müssen. Ansonsten drohen den Verkäufern empfindliche Strafzahlungen.

Darüber hinaus werden neue Transparenzregeln und Informationspflichten verlangt, damit die Aufsichtsbehörden frühzeitig reagieren können. Auch bei ungedeckten Versicherungen gegen Kreditausfälle von Staatsanleihen (Credit Default Swaps, CDS) sollen die Regeln deutlich verschärft werden - bis zum Verbot reiner Spekulationen mit Kreditausfallversicherungen. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe seit einem Jahr bereits weitgehend verboten. In Großbritannien, aber auch in mehreren Südländern gibt es dagegen Widerstand, und Berlin konnte sich mit seiner Position bislang nicht durchsetzen. Ob dies mit Rückendeckung des Parlaments gelingt, wird sich im Herbst zeigen.

„Wir brauchen im September erste Signale des Rates“, sagte SPD-Finanzexperte Udo Bullmann. Die schärferen Regeln seien einer der wichtigsten Antworten auf die Finanz- und Schuldenkrise. Bleibt der Rat stur, dann droht eine Hängepartie.

Von

dapd

Kommentare (1)

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matt_us

05.07.2011, 15:54 Uhr

Wer mal sehen will, wozu es fuehrt, wenn Credit Default Swap Maerkte nicht regluiert werden, sollte mal hier die Webseiten studieren:

http://eurogate101.com/2011/07/01/marchenstunde-der-banken/

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