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01.08.2013

15:20 Uhr

Details noch unklar

UN-Chemiewaffen-Experten reisen nach Syrien

Immer wieder schrecken Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg auf. Regierung und Rebellen beschuldigen sich gegenseitig. Jetzt schicken die Vereinten Nationen ein Expertenteam.

Ein Panzer patrouilliert durch eine Straße in Homs: UN-Experten wollen drei Vorfälle untersuchen. dpa

Ein Panzer patrouilliert durch eine Straße in Homs: UN-Experten wollen drei Vorfälle untersuchen.

New YorkNach monatelangem Widerstand der syrischen Regierung wird nun doch ein Expertenteam der Vereinten Nationen den Einsatz von Chemiewaffen in dem arabischen Bürgerkriegsland untersuchen. Der Einsatz werde „sobald wie möglich“ beginnen, teilten die UN am Mittwoch (Ortszeit) in New York mit.

Zunächst sollten drei Vorfälle untersucht werden, unter anderem einer in Chan al-Asal nahe Aleppo im Norden des Landes. Die syrische Regierung wirft den Rebellen vor, dort im März unter anderem mit Giftgas zahlreiche Menschen getötet zu haben. Auch am Donnerstag wurden aus Chan al-Asal wieder Kämpfe gemeldet. Bei einem Luftangriff kamen Regimegegnern zufolge am Donnerstag mehrere Menschen ums Leben.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Details des geplanten Experteneinsatzes blieben am Donnerstag zunächst unklar – unter anderem welche beiden anderen Vorfälle neben dem aus Chan al-Asal untersucht werden sollen. Die UN hatten ursprünglich verlangt, weitaus mehr berichtete Vorfälle untersuchen zu dürfen. Dagegen habe sich die syrische Regierung aber gewehrt, hieß es.

Bereits im März hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den schwedischen Giftgasexperten Åke Sellström zum Leiter eines Expertenteams berufen, das kurze Zeit später für den Einsatz bereitstand. Syrien weigerte sich aber im Streit um die Einsatzorte monatelang, die Fachleute ins Land zu lassen. In der vergangenen Woche waren Sellström und die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane dann nach Damaskus gereist und hatten eine Vereinbarung erreicht.

Syriens Präsident Baschar al-Assad sagte am Donnerstag ein baldiges siegreiches Ende des Bürgerkrieges voraus. Von möglichen Friedensverhandlungen war nicht die Rede. In dem seit mehr als zwei Jahren andauernden Bürgerkrieg sind bisher nach UN-Angaben mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Regierung und Aufständische beschuldigen sich gegenseitig, mit den weltweit geächteten Chemiewaffen zu kämpfen.

Von

dpa

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