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31.10.2013

15:20 Uhr

Deutsch-Französische Brigade

Französisches Regiment in Deutschland wird aufgelöst

Die Deutsch-Französische Brigade muss künftig ohne das 110. Infanterieregiment in Donaueschingen auskommen. Das Regiment wird im kommenden Jahr aufgelöst. Für die Region in Baden-Württemberg ist das ein schwerer Schlag.

Soldaten vor der deutsch-französischen Kaserne in Donaueschingen. dpa

Soldaten vor der deutsch-französischen Kaserne in Donaueschingen.

ParisDer letzte rein französische Kampfverband auf deutschem Boden steht vor dem Aus. Die Regierung in Paris kündigte am Donnerstag die Auflösung des traditionsreichen 110. Infanterieregiments in Donaueschingen an. Die zur Deutsch-Französischen Brigade gehörenden Soldaten werden demnach bereits im kommenden Jahr in die Heimat zurückkehren.

Betroffen von dem Abzug sind nach Angaben einer Sprecherin 827 Soldaten und 150 Zivilangestellte. Um die Stärke der Deutsch-Französischen Brigade beizubehalten, sollen ihr in Frankreich stationierte Soldaten unterstellt werden. Die Zukunft der Brigade sei sicher, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Paris. Der Großverband gilt als wichtiges Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Er wurde 1987 von Helmut Kohl und François Mitterrand ins Leben gerufen und umfasst knapp 4800 Soldaten.

Die Einsätze der Bundeswehr

Türkei

Auf Bitten der türkischen Regierung beteiligen sich 304 Soldaten der Bundeswehr an der Nato-Operation „Active Fence“ im Grenzgebiet zu Syrien.

Afghanistan/Usbekistan

4135 Soldaten sind Teil der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf mit Schwerpunkt im Norden Afghanistans. Zudem ist ein Soldat als Vertreter der Bundeswehr bei der Mission der Vereinten Nationen (Unama).

Kosovo

754 Soldaten sollen als Teil der von der Nato geführten internationalen KFOR-Truppe die Unabhängigkeit des Kosovos sichern.

Horn von Afrika

Im Rahmen der EU-Mission Atalanta schützen 327 Marinesoldaten am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor somalischen Piraten.

Libanon

163 Marinesoldaten sind im Unifil-Einsatz zur Absicherung der Küstengewässer. Sie sollen vor allem Waffenschmuggel verhindern.

Mittelmeerraum

Die Nato-Mission „Active Endeavour“ (OAE) dient der Überwachung und Terrorismusabwehr im Mittelmeer. Das Mandat endet am 31. Dezember 2013. Aktuelle Zahlen zum Einsatz von Soldaten gibt es derzeit nicht.

Südsudan

15 Soldaten sind Teil der internationalen Unmiss-Mission für Friedenssicherung und den Aufbau des neuen Staates Südsudan.

Sudan

Die internationale Unamid-Mission in Darfur überwacht den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und Rebellen. 13 deutsche Soldaten sind beteiligt.

Uganda

Zwölf Militärberater sind Teil der EU-Ausbildungsmission (EUTM) zur Stabilisierung Somalias.

Deutschland

41 Angehörige hat der Sanitätsdienst mit Basis in Deutschland für internationale flugmedizinische Notfalleinsätze (STRATAIRMEDEVAC).

Demokratische Republik Kongo

Drei Berater unterstützen im Rahmen des EU-Einsatzes (Eusec RD Congo) die Reform des Sicherheitssektors.

Die deutsche Bundesregierung äußerte Bedauern über den Abzug der Franzosen aus Donaueschingen, konnte ihn nach eigenen Angaben aber nicht verhindern. „Die Entscheidung, das 110. Infanterieregiment aufzulösen, folgt haushaltspolitischen Zwängen in Frankreich“, kommentierte der amtierende Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). „Standortentscheidungen erfolgen in nationaler souveräner Verantwortung.“

Über eine Optimierung der Deutsch-Französischen Brigade gibt es derzeit Gespräche zwischen Berlin und Paris. „Die Weiterentwicklung der Deutsch-Französischen Brigade hinsichtlich Wirksamkeit und Einsatzperspektive ist und bleibt gemeinsames Anliegen beider Nationen und auch weiterhin Gegenstand des fortgesetzten Austausches“, teilte de Maizière mit. Aus Paris hieß es, Frankreich werde künftig genauso viele Militärs in Deutschland stationiert haben wie Deutschland in Frankreich. Dies seien rund 500.

Für Donaueschingen ist die Entscheidung ein schwerer Schlag. Das deutsche und französische Militär sei für die 21 000 Einwohner zählende Stadt im Schwarzwald sowie für die Region ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor, sagte Bürgermeister Bernhard Kaiser, als die Spekulationen über den Abzug der Soldaten aufkamen. Kaiser hatte die Bundesregierung aufgefordert, sich für den Erhalt der Brigade und des Standorts Donaueschingen einzusetzen. Das Regiment war dort seit 1964 stationiert und seit 1989 der Deutsch-Französischen Brigade unterstellt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Numismatiker

31.10.2013, 16:00 Uhr

Schön, wieder 827 Besatzer weniger.

Die Stadt Donaueschingen sollte sich lieber um produzierendes Gewerbe bemühen, als an fremden Soldaten als "Wirtschafts"faktor festzuhalten.

Account gelöscht!

31.10.2013, 16:24 Uhr

Ach, dann sind also die deutschen Soldaten die in Frankreich stationiert sind ebenfalls Besatzer?

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