Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2017

14:01 Uhr

Deutsche-Bank-Chef in Davos

Finanzkonzerne waren vor Finanzkrise zu komplex

Viele Banken seien vor der Finanzkrise viel nicht zu groß sondern viel zu komplex gewesen, sagt Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos. Das sei den Geldhäusern zum Verhängnis geworden.

Die Banken seien heute besser geführt als vor der Finanzkrise, sagt der Chef der Deutschen Bank. AP

Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Die Banken seien heute besser geführt als vor der Finanzkrise, sagt der Chef der Deutschen Bank.

Davos/FrankfurtIhre Komplexität und nicht die schiere Größe ist den Finanzkonzernen nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef John Cryan in der letzten Finanzkrise zum Verhängnis geworden. „Es geht nicht um Größe“, sagte Cryan am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dies sei kein Problem bei einem einfachen Kredit- und Spargeschäft. Das Problem sei die Ausweitung auf viele Märkte, Produkte und Kundengruppen gewesen. „Und wir haben uns nicht immer so selbst kontrolliert, wie wir es hätten tun sollen“, räumte er ein. „Es war der Zeitgeist: Der Fokus lag auf Wachstum, auf dem Gewinnen von Marktanteilen, auf grenzüberschreitenden Fusionen, die zwar nicht mehr Wert geschaffen haben, jedoch mehr Komplexität.“

Während der Finanzkrise ab dem Jahr 2008 mussten sich viele namhafte Banken den Vorwurf „too big to fail“ gefallen lassen – also zu groß zu sein, als dass der Steuerzahler sie untergehen lassen könnte. „Ich denke, eine bessere Formulierung war immer: zu kompliziert, um sie zu managen“, sagte Cryan auf einem Podium zur Zukunft der Finanzwirtschaft. Es habe häufig am „gesunden Menschenverstand“ bei der Abschätzung von Risiken gefehlt. Heute seien Banken dagegen besser geführt. „Wir fragen uns, was falsch laufen könnte.“

WEF 2017 in Davos: Vordenker ohne Follower

WEF 2017 in Davos

Premium Vordenker ohne Follower

Die beim World Economic Forum versammelten Manager, Politiker und Wissenschaftler sind den Wutbürgern davongeeilt. Soll der Riss nicht größer werden, brauchen die westlichen Gesellschaften neuen Klebstoff. Ein Essay.

Die Deutsche Bank selbst hatte die Finanzkrise vergleichsweise glimpflich überstanden, war aber im vergangenen Jahr in schweres Fahrwasser geraten, als Sorgen um die Kapitalausstattung den Aktienkurs auf einen historischen Tiefstand fallen ließen. Derzeit baut Cryan das Haus um. „Technologie ist der Schlüssel in den kommenden fünf Jahren“, sagte er in Davos.

Die Produkte an sich veränderten sich kaum – dafür aber die Wege, auf denen der Kunde erreicht werde. Die sogenannten Fintechs – Startups, die die Finanzbranche mit neuen Ideen durcheinander wirbeln – vereinfachten vieles, nagten aber auch am Profit.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×