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17.06.2011

17:48 Uhr

Deutsche Bank

Griechenland-Umschuldung kostet 200 Milliarden Euro

Die Deutsche Bank hat die Kosten für eine Umschuldung Griechenlands auf etwa 200 Milliarden Euro beziffert. Scharfe Kritik gab es derweil für die Rolle der EZB in der Griechenland-Krise.

Nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer könnte das Griechenland-Problem mit 200 Milliarden Euro gelöst werden. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer könnte das Griechenland-Problem mit 200 Milliarden Euro gelöst werden.

BremenEine Umschuldung Griechenlands würde nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer etwa 200 Milliarden Euro kosten. „Griechenland hat 340 Milliarden Euro Schulden. 170 Milliarden Euro davon könnten den Gläubigern abgekauft werden“, sagte Mayer dem „Weser-Kurier“ (Samstag). Sie bekämen dafür Anleihen des Europäischen Rettungsfonds ESFS im Verhältnis zwei zu 1. „Dann müssten noch 20 bis 30 Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um das griechische Bankensystem abzuwickeln oder zu stabilisieren“, erläuterte Mayer. „Das bedeutet: Mit rund 200 Milliarden Euro ist das Problem glatt gestellt“, ergänzte er.

Wie könnte eine Verlängerung griechischer Staatsanleihen aussehen?

Wann sollten die Laufzeiten verlängert werden?

Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.

Wie sehen die Sicherheiten aus?

Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.

Was ist wichtiger - Garantien oder Zinsen?

Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.

Für die Griechen bedeute das, dass sie über einen Zeitraum von zehn Jahren keine neuen Schulden machen dürften, in dem sich das Land umstrukturieren könnte, um wieder wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu werden. „Bei jedem Erfolg der griechischen Volkswirtschaft wird die Schuld reduziert. Und wenn die Griechen bei den aufgekauften 170 Milliarden Euro sind, wären sie wieder marktfähig und könnten selbst Geld aufnehmen“, sagte Mayer weiter. Dann wären keine Inspektoren nötig, die der Regierung in Athen Vorschriften machten. „Es wäre wie bei einem Privatmann, der seine Kreditkarte verliert: Er muss sehen, dass die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen. Und zwar völlig souverän.“

Der Chefvolkswirt des größten deutschen Bankhauses kritisierte auch das Vorgehen der Europäischen Zentralbank. „Die EZB sollte sich auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist: Preisstabilität. Sie sollte sich aus der Finanzierung von Staaten heraushalten und auch aufhören, den Regierungen Ratschläge zu erteilen.“

Von

dpa

Kommentare (19)

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FREIDENKER

17.06.2011, 18:01 Uhr

Die Ursache unseres weltweiten Schuldenproblemes liegt in der vermeintlich staatlichen US- Zentralbank
"Federal Reserve System", kurz FED.

"Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. Sie enerviert mich und läßt mich um die Sicherheit meines Landes zittern. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie.
Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methoden in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Aktiengesellschaften sind inthronisiert worden, und eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben ihre Herrschaft zu verlängern, indem sie die Vorurteile des Volkes ausspielt, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist."

Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, fünf Monate vor seiner Ermordung am 14. April 1865.

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HELLAS

17.06.2011, 18:04 Uhr

Ist gar nicht so teuer! Geht doch.

Profit

17.06.2011, 18:05 Uhr

Endlich mal ein vernünftiger Beitrag. Endlich mal klare Zahlen. Endlich mal einer, der sagt, daß Giechenland aus dem Euro raus muß. Endlich mal einer, der sagt, daß die Griechen einen Vormund brauchen. Macht endlich Schluß mit dem Gesülze. Kein deutsches Geld mehr für nichts. Griechenland braucht ein klares Strukturierungsprogramm, das von ausländischen Profis durchgeführt wird. Nur dann gibt es Geld. Wenn die Griechen das nicht wollen, muß Schluß sein mit deutschen Geldspritzen. Die EZB ist ein Chaoshaufen. Und jetzt noch ein Lira-Präsident. Kann ja heiter werden.

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