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03.03.2014

06:14 Uhr

Deutsche Dschihadisten

Die unterschätzte Bedrohung

VonDietmar Neuerer

ExklusivHunderte junge deutsche Islamisten kämpfen in Syrien. Kehren sie nach Deutschland zurück, könnten sie zum unkalkulierbaren Sicherheitsproblem werden. Experten fordern Maßnahmen gegen die „tickenden Zeitbomben“.

Teilnehmer einer Veranstaltung mit einem islamischen Prediger: Die salafistische Szene steht bundesweit im Fokus des Verfassungsschutzes. dpa

Teilnehmer einer Veranstaltung mit einem islamischen Prediger: Die salafistische Szene steht bundesweit im Fokus des Verfassungsschutzes.

BerlinDas Bild ging durch die Medien und demonstriert auf grausame Weise, womit es der deutsche Inlandsgeheimdienst zu tun hat, wenn es darum geht, Anschläge von Islamisten zu verhindern: Ein 24 Jahre alter Mann aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken posiert im Internet mit abgetrennten Köpfen. Der radikale Islamist kämpft in Syrien für einen „Gottesstaat“. Er gehört der „Lohberger Gruppe“ an, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Noch hält sich Mustafa K. angeblich in Syrien auf. Kehrt er wieder nach Deutschland zurück, zählt er zu den vielen „ticken Zeitbomben“, die im Fokus der Sicherheitsbehörden stehen. „Wir haben zu etwa einem Dutzend dieser Personen Erkenntnisse, dass sie sich aktiv am bewaffneten Kampf in Syrien beteiligt haben“, erklärte jüngst der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen. „Damit wächst die Gefahr terroristischer Handlungen auch in Deutschland.“

Der Strom von Dschihadisten aus Deutschland nach Syrien sei unterdessen ungebrochen, die Zahlen stiegen kontinuierlich an. Seit Beginn des Bürgerkriegs seien rund 300 Islamisten dorthin ausgereist, aus der gesamten EU etwa 2000. Es gebe Hinweise, wonach bereits mehr als 20 aus Deutschland stammende Islamisten in den Kämpfen in Syrien getötet worden seien.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Allein 110 der jungen Salafisten, die in Syrien das blutige Handwerk des Krieges lernen, sollen aus Nordrhein-Westfalen stammen. Das Bundesland ist als Rückzugs- und Rekrutierungsraum für die Salafisten offenbar besonders attraktiv. Nach Bonn, Mönchengladbach und Solingen taucht in diesem Zusammenhang immer öfter die Gemeinde Dinslaken auf, aus der auch Mustafa K. stammt. Auch Berlin, Hamburg und Umgebung, Frankfurt und Umgebung sowie in Nürnberg gelten als Schwerpunktregionen, aus denen sich die Syrien-Reisenden auf den Weg machen.

Insgesamt seien bisher etwa 20 bis 30 Islamisten aus dem Bürgerkrieg nach Deutschland zurückgekommen, verlautete aus Sicherheitskreisen. Etwa ein Dutzend von ihnen gelte immer noch als radikal. Sie könnten mit Waffen umgehen und Bomben bauen. „Im Grundsatz kann man diesen Personen Anschläge zutrauen“, hieß es in Sicherheitskreisen. Die Islamisten würden nun observiert, um Gewalttaten zu verhindern. Es gebe Anzeichen, wonach Syrien-Heimkehrer in anderen europäischen Ländern bereits Anschlagspläne geschmiedet hätten. Diese seien jedoch vereitelt worden. Für die Polizeigewerkschaften in Deutschland ist das kein Grund für Entwarnung. Im Gegenteil.

Kommentare (11)

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03.03.2014, 08:29 Uhr

Die Schwierigkeit liegt in der Differenzierung zwischen "Islam" und "Islamismus". Politik und Medien wollen die nicht-fundamentalistischen Muslime nicht verärgern und schonen daher "den Islam", unterstützen islamischen Religionsunterricht und Moscheebauten.

Aber es gibt dann eben auch immer sehr religiöse, auf weltlichem Gebiet oft perspektivlose junge Männer, die dann zu Jihadisten werden oder Sharia fordern.

Die Lösung wäre meiner Meinung nach, dass man in den Schulen statt Religionsunterricht Aufklärung betreibt, und auch Kinder muslimischer Eltern tendentiell zu kritisch denkenden Agnostikern erzieht. Den politischen Willen zu einer solchen Entscheidung sehe ich aber nirgends.

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03.03.2014, 09:07 Uhr

Islam und Bedrohung? Gerade wieder in Nigeria zugeschlagen. In China vermutet man es. Und da fordern unsere Bundespräsidenten die Förderung und Unterstützung des Islams. Hr. Gauck will in Deutschland sogar die Ausbildung dieser Leute.
80 Tote jetzt in Nigeria (Berliner Morgenpost) scheinen ihm zu wenig zu sein!

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03.03.2014, 09:12 Uhr

wo ist das problem? wenn diese liebenswerten gläubigen nach D zurück sind wird H4 beantragt und sie bekommen gleichzeituig eine wohnung eingerichtet.
Anschliessend machen die sich täglich nach dem ausschlafen auf und suchen sich lukrative nebenjobs wobei sie auch viele deutsche nmenschen bereichern werden.

Und michel schaut zu, Politzisten kümmern sich um deutsche rad+autofahrer und alles ist OK.

Warum was ändern was gut läuft?

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