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31.01.2011

07:06 Uhr

Deutsche Heimkehrer

Die gefährliche Flucht zum Flughafen

Am Ende fühlten sie sich nicht einmal in ihrer eigenen Wohnung sicher. Die Unruhen in Ägyptens Hauptstadt Kairo haben die Deutschen, die dort arbeiten, in die Flucht getrieben. Durch von Bürgerwehren und Soldaten umstellte Stadtviertel führten ihre gefährlichen Wege zum Flughafen.

Die Urlauber Reinhard M. und Jürgen V. (rechts) werden nach ihrem Rückflug aus Ägypten am Flughafen abgeholt. dpa

Die Urlauber Reinhard M. und Jürgen V. (rechts) werden nach ihrem Rückflug aus Ägypten am Flughafen abgeholt.

HB KAIRO/FRANKFURT. Sein Basketballturnier an einer US-amerikanischen Schule in Kairo musste der zwölfjährige Paul Sauer am Samstag sausen lassen. „So ganz sicher fühlten wir uns zum Schluss nicht mal in der Wohnung“, berichtet der junge Oldenburger, der seit dreieinhalb Jahren mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in der ägyptischen Hauptstadt lebt. Gegen 2.00 Uhr früh am Montag landete Paul mit seiner Familie auf dem Frankfurter Flughafen. „Am Ende war das keine Frage mehr“, sagt Vater Ingo Sauer. „In Kairo war es gefährlich, nicht nur für uns.“

Anette und Ingo Sauer unterrichten an der Deutschen Evangelischen Oberschule, einem von fünf deutschen Gymnasien in der ägyptischen Metropole. „Nicht alle aus dem Kollegium sind am Sonntag auf den Flieger gekommen“, erzählt die 42-jährige Pädagogin. „Wir hoffen, sie schaffen es am Montag.“ Schon die Anfahrt zum Flughafen war für die fünfköpfige Familie ein kleines Abenteuer, ihr eigenes Auto blieb liegen, sie mussten ein Taxi beschaffen. „Wir sind dann durch Stadtviertel gefahren, die oft von ihren Bewohnern umstellt waren“, sagt Ingo Sauer.

„Die ägyptische Zivilgesellschaft formiert sich in diesen Tagen“, fährt der 45 Jahre alte Lehrer fort. „Sie schützen sich vor Plünderern und arbeiten dabei recht friedlich mit der Armee zusammen.“ In den Städten, die Schauplatz von Auseinandersetzungen sind, sei von der Polizei kein Schutz zu erwarten. „Wir waren begeistert, dass sich Kairoer Bürger vor das Ägyptische Museum ihrer Stadt stellten, um es vor Vandalismus zu bewahren“, sagt der Lehrer. Im Wohnviertel der Sauers waren gleichwohl ständig Schüsse zu hören.

Es seien bizarre Situationen entstanden, berichtet das Lehrerpaar. „Samstagnachmittag waren wir noch einkaufen, die Läden hatten offen.“ Gleichzeitig kreuzten Militärfahrzeuge durchs Viertel. „Samstag früh habe ich dann selbst einen Panzer gesehen“, erzählt Paul, der junge Basketballspieler. „Da habe ich schon Schiss bekommen“, gesteht er mutig. Ausgeflogen ist die Familie dann schließlich mit einem Flieger, den unter anderem der Siemens-Konzern für seine Mitarbeiter gechartert hatte.

Rund 100 andere Deutsche, darunter auch Angestellte der Daimler AG, waren mit an Bord der Maschine, die Familie Sauer zurück nach Frankfurt brachte. „Wir wollen alle fünf wieder zurück nach Kairo“, sagt das Oldenburger Lehrerpaar. Sie hoffen auf Stabilität im Land der Pyramiden. „Und wir wollen die Schule für unsere 1.200 Schüler wieder öffnen.“ Seit Donnerstagnachmittag sind die Tore des Gymnasiums geschlossen. „Wir haben rund 1.000 einheimische Schüler“, sagt Anette Sauer. „Auch für sie sollen die Türen wieder aufgehen.“

Kommentare (1)

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Jens Hoffmann

31.01.2011, 09:14 Uhr

ich war mal 2004 auf eigene Faust nach Cairo gereist u. habe diese Stadt 14 Tage allein durchstreift. Die grenzenlose Armut die ich da in den "Außenbezirken" gesehen habe war sehr erschreckend. So etwas habe ich zuvor in anderen Ländern noch nicht gesehen. Es ist erstaunlich das erst jetzt das sehr geduldige Volk dort gegen diese unmöglichen Zustände rebelliert!!!

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