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18.01.2005

08:20 Uhr

Deutsche Mittelständler produzieren erfolgreich für lokalen Markt

Boom am Kap lässt Investoren kalt

VonWolfgang Drechsler

„Unter Anlegern für Südafrika zu werben, ist bisweilen ein hartes Stück Arbeit“ sagt ein Manager im General-Motors-Werk bei Port Elizabeth. „Einige erwarten hier tiefstes Afrika, aber dann sehen sie dies“, schmunzelt er und deutet auf den modernen Maschinenpark. In der Tat wird Südafrika oft mit einem Kontinent gleichgesetzt, der seit Jahren stagniert. Seit dem Ende der Apartheid vor elf Jahren haben Auslandsunternehmen im Schnitt pro Jahr nur 2,2 Mrd. $ investiert.

KAPSTADT. Dabei hat die Regierung zugleich eine Reihe von Reformen durchgezogen: Die früher von hohen Zoll- und Tarifschranken abgeschottete Wirtschaft hat sich nach innen wie außen dem Wettbewerb geöffnet – viele Unternehmen wurden dabei effizienter. Gleichzeitig verschoben sich die Exportmärkte: Zwar bleibt Europa der größte Handelspartner, doch ist Südafrika nun auch in Asien und Afrika ein gefragter Partner.

Zudem ist eine schwarze Mittelschicht entstanden. Inzwischen stellen Schwarze fast 40 Prozent der einkommensstärksten Haushalte. Davon profitiert vor allem die Konsumgüterbranche: Hersteller und Händler von Möbeln, Elektronik, Kleidung, Haushaltswaren oder Autos verzeichnen Rekordverkäufe, was wiederum die Johannesburger Börse (JSE) auf ein historisches Hoch katapultiert hat. 19 Millionen der 46 Millionen Südafrikaner haben ein Handy.

Wer als deutscher Mittelständler am Kap investieren will, ist gut beraten, zuvorderst für den lokalen Markt zu produzieren, rät die Deutsche Handelskammer in Johannesburg. Der Vertrauensindex der südafrikanischen Geschäftswelt ist denn auch auf dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren geklettert. Dank seiner strikten Fiskalpolitik steht Südafrika bei Rating-Agenturen hoch im Kurs: Erst vergangene Woche wurden die Schulden des Landes von Marktführer Standard & Poor´s besser eingestuft.

Allerdings hat dieser Erfolg den Druck auf die Wirtschaft erhöht: Wegen des starken Zustroms kurzfristiger Anlagegelder (hot money), die sofort wieder abgezogen werden können, und der weltweit hohen Nachfrage nach Südafrikas Metallen wurde der Rand kräftig aufgewertet. Zum Dollar ist er seit Dezember 2001 um 90 Prozent gestiegen, zum Euro fast 40 Prozent.

Der starke Rand wurde zum Härtetest für die Exporteure, auch für die hier ansässigen 450 deutschen Unternehmen. „Die einst günstigen Personalkosten haben sich durch den Anstieg des Rands in nur drei Jahren verdoppelt“ sagt der niedersächsische Textilunternehmer Claas Daun, der seit 15 Jahren am Kap aktiv ist und mehr Südafrikaner als jedes andere deutsche Unternehmen beschäftigt. Mittlerweile, so Daun, seien die Löhne am Kap auf das Niveau von Portugal geklettert. Noch vor drei Jahren waren sie mit Tschechien vergleichbar.

Daun ist in Südafrika vor allem in Nischenmärkten aktiv. So beliefert er die Autohersteller am Kap mit Leder für deren Sitze sowie mit Formteilen und Airbags. Dauns Beispiel macht Schule bei anderen Mittelständlern. Einer davon ist die Möbelgruppe Steinhoff, die inzwischen an der Johannesburger Börse (JSE) notiert ist. Gemeinsam produzieren Daun und Steinhoff heute rund 80 Prozent aller in Südafrika verkauften Betten. Erst im November brachte Daun die Hälfte seiner südafrikanischen Beteiligungen an die JSE. Seitdem hat sich der Kurs verdoppelt.

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