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18.12.2014

13:26 Uhr

Deutsche und Briten

Kriegs-Fußballspiel von 1914 nachgestellt

Das Ereignis aus der „Weihnachtswaffenruhe“ nimmt einen legendären Status ein – 100 Jahre später haben Spieler ein Kriegs-Fußballspiel deutscher und britischer Soldaten im Jahr 1914 nachgestellt.

Die Mannschaften wurden von Schauspielern in deutschen und britischen Uniformen aus dem Ersten Weltkrieg aufs Spielfeld geführt. AFP

Die Mannschaften wurden von Schauspielern in deutschen und britischen Uniformen aus dem Ersten Weltkrieg aufs Spielfeld geführt.

AldershotIn Erinnerung an ein Fußballspiel deutscher und britischer Soldaten während der „Weihnachtswaffenruhe“ 1914 haben Spieler beider Nationen die Partie 100 Jahre später nachgestellt. Das Freundschaftsspiel im britischen Aldershot gewann die Mannschaft aus Großbritannien am Mittwochabend mit 1:0. Zu der Partie kamen rund 2500 Zuschauer, darunter viele Soldaten, aber auch Gäste wie der britische Fußball-Weltmeister Bobby Charlton.

„Wir haben das Spiel verloren“, sagte der deutsche Kicker Milad Omarkhiel. Das sei aber bei einer solchen Begegnung „nicht so wichtig“. Viel wichtiger sei die „freundliche“ Atmosphäre und die „historische“ Dimension des Ereignisses.

„An diese Zeit zurückzudenken und uns nun anderthalb Stunden im gemeinsamen Erinnern auf dem Platz stehen zu sehen, das ist etwas ganz Besonderes“, sagte der britische Verteidiger Kev Haley. Nach dem Spiel waren beide Teams zu einem kameradschaftlichen Umtrunk geladen.

Beide Mannschaften traten in moderner Fußballkleidung an, wurden jedoch von Schauspielern in deutschen und britischen Uniformen aus dem Ersten Weltkrieg aufs Spielfeld geführt. Vor dem Anpfiff gab es zwei Schweigeminuten, gefolgt vom Auftritt einer Opernsängerin, die, wie angeblich seinerzeit die Soldaten beider Länder, das deutsche Weihnachtslied „Stille Nacht“ sang.

Fakten zum Ersten Weltkrieg

Wer war der "Rote Baron"?

Wegen der roten Farbe seiner Flugzeuge wurde Manfred von Richthofen, der legendäre Kampfflieger des kaiserlichen Deutschland, so genannt. Nach 80 Luftsiegen wurde er im April 1918 über Frankreich abgeschossen.

Welche Rolle spielten Panzer?

Der britische Marineminister Winston Churchill hatte sich schon früh für gepanzerte Kampfwagen starkgemacht. In Nordfrankreich versetzten hunderte britische "Tanks" ab 1916 die Deutschen in Angst und Schrecken, waren aber noch nicht kriegsentscheidend. Deutschland produzierte bis Kriegsende nur etwa 20 frontreife Panzer.

Warum gilt der Krieg als Weltkrieg?

Europa war der Hauptkriegsschauplatz. Aber die geografische Dimension des Krieges umfasste Regionen und Länder aller Kontinente. Nebenschauplätze waren die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik, der Nahe Osten, der Kaukasus und die Weltmeere.

Wie viele Länder waren beteiligt?

Direkt und indirekt etwa 40, einschließlich der britischen Empire-Gebiete. Trotz Kriegerklärungen schickten vor allem einige mittelamerikanische Staaten keine Truppen. Andere Länder wie Spanien, die Schweiz und Argentinien blieben neutral.

Welches Land überfiel Deutschland zuerst?

Das neutrale Luxemburg wurde am 2. August 1914 von deutschen Truppen besetzt. Die junge Großherzogin Maria-Adelheid galt als deutschfreundlich, was sie nach Kriegsende den Thron kostete.

Welche Gebiete musste Deutschland 1918 abtreten?

Sämtliche Kolonien sowie etwa 13 Prozent des vorherigen Gebiets mussten abgetreten werden. Dazu zählten Elsass-Lothringen (an Frankreich), Westpreußen, die Provinz Posen und Teile Schlesiens (an Polen), die Kreise Eupen und Malmedy (an Belgien) sowie das Saargebiet, Danzig und das Memelland (unter Verwaltung des Völkerbunds).

Welches Land hatte besonders hohe Menschenverluste?

Serbien, dem Österreich-Ungarn eine Mitschuld an der Ermordung seines Kronprinzen gab, verlor - gemessen an seiner Bevölkerung - mehr Menschen als jedes andere Land. 1,1 Millionen Tote machten 24 Prozent der damaligen Bewohner aus.

Leben noch Teilnehmer des Ersten Weltkrieges?

Nein. Der letzte Veteran, der Brite Claude Stanley Choules, starb mit 110 Jahren im Mai 2011 in einem Pflegeheim in Australien. Bereits im Januar 2008 war bei Köln der letzte deutsche Kriegsteilnehmer gestorben. Der pensionierte Richter Erich Kästner wurde 107 Jahre.

Warum wurden Schützengräben angelegt?

Als der deutsche Vormarsch stagnierte, schaufelten die Soldaten beider Seiten an der 750 Kilometer langen Westfront ein gestaffeltes Graben- und Tunnelsystem. Damit sollte zunächst die Front gehalten werden, um später wieder in die Offensive gehen zu können. Die bis zu zehn Meter tiefen Unterstände boten allerdings keinen sicheren Schutz vor Artilleriefeuer.

Wo wurde erstmals Giftgas eingesetzt?

Bei der belgischen Stadt Ypern, am 22. April 1915 von deutschen Truppen gegen französische Stellungen. Mindestens 1200 alliierte Soldaten kamen durch das Luftwege und Lungen verätzende Chlorgas um.

Was verband den Kaiser und Lenin?

Die ideologischen Todfeinde wollten den Krieg im Osten beenden. In einer Geheimaktion schleuste Deutschland den russischen Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin im April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Petrograd (heute St. Petersburg). Nach der bolschewistischen Revolution schloss er im März 1918 Frieden mit Deutschland.

Wer kannte "keine Parteien mehr"?

Kaiser Wilhelm II. beschwor am 4. August 1914 im Reichstag den Zusammenhalt der Nation. "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." Auch weite Teile der SPD stimmten dem Burgfrieden zu, weil sie das Vaterland bedroht sahen.

Das Originalspiel im Schlamm der Frontlinie nahe des belgischen Saint-Yvon soll während einer „Weihnachtswaffenruhe“ im Dezember 1914 stattgefunden haben, die zu einem Symbol der Menschlichkeit während des Krieges wurde, im dem schließlich Konfliktes mit 16 Millionen Menschen zu Tode kamen. Vergangene Woche hatte Uefa-Präsident Michel Platini an dem Ort ein Denkmal eingeweiht, das an die historische Partie erinnert. Laut den Aufzeichnungen des deutschen Soldaten Kurt Zehmisch gewannen die Deutschen damals mit 3:2.

Auch wenn manche Experten bezweifeln, dass das Spiel tatsächlich so stattfand, ist die Fußballpartie von 1914 in Großbritannien von Legenden umrankt. Der Supermarktriese Sainsbury's setzte die Überlieferung zu Werbezwecken ein, die Royal Shakespeare Company führe ein Theaterstück darüber auf und die englische Premier League hielt ein Gedenkturnier mit jungen Spielern aus vier am Krieg beteiligten Ländern ab.

Von

afp

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