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05.01.2011

11:54 Uhr

Deutschland-Besuch

Chinas Charme-Offensive soll Ängste vertreiben

VonGero Brandenburg, Finn Mayer-Kuckuk

Chinas Vize-Premier Li Keqiang ist auf Europareise und versucht, Ängste über die wirtschaftliche Allmacht seines Landes zu zerstreuen. Spanien verspricht er Hilfe auf dem Finanzmarkt, Deutschland sieht er als gewichtigen Kooperationspartner. Doch hinter der Charme-Offensive steckt Kalkül. Am Donnerstag trifft Li Keqiang zu einem dreitägigen Besuch in Deutschland ein.

Li Keqiang: Sein Staatsbesuch in Europa wird zur Werbetour für China Reuters

Li Keqiang: Sein Staatsbesuch in Europa wird zur Werbetour für China

DÜSSELDORF. China umgarnt mit einer Charme-Offensive Politiker und Investoren. In einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" wirbt der chinesische Vize-Premier Li Keqiang für neue Investitionen aus Deutschland und bemüht sich besonders um Hochtechnologie-Firmen zur Erschließung neuer Märkte. Die chinesische und die deutsche Wirtschaft seien "in hohem Maß komplementär".



Das eröffne neue Chancen, allerdings auch für chinesische Unternehmen. Li fordert, dass auch die Bedingungen für Investitionen und Existenzgründungen chinesischer Unternehmen in Deutschland verbessert werden müssten. Besondere Anreize will China nach den Worten Lis für Hochtechnologie-Unternehmen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Energie und Materialwirtschaft schaffen. Insgesamt müsse das Investitionspotential besser ausgeschöpft werden, sagt der Vize-Premier. Dabei sichert er zu, dass China seine Wirtschaftsgesetze und die Investitionspolitik verbessern, "geistiges Eigentum schützen und ein stabiles, ordnungsgemäßes, transparentes und berechenbares Marktumfeld schaffen" werde. Alle in China registrierten Unternehmen würden wie inländische Firmen behandelt.

Gleichzeit bemüht sich Li, der als potenzieller Nachfolger von Regierungschef Wen Jiabao gilt, Ängste über die wirtschaftliche Allmacht seines Landes zu zerstreuen. So schreibt er: "China bleibt nach wie vor das größte Entwicklungsland der Welt." Von den 1,3 Milliarden Chinesen seinen "700 Millionen Bauern mit einem Jahreseinkommen von nur 800 bis 900 US-Dollar". Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der Globalisierung werde China an der Öffnungsstrategie festhalten, "die von gegenseitigem Nutzen geprägt ist". Deutschland, schreibt er, "sei als große Technologie-Exportnation ein gewichtiger Kooperationspartner". In seinem Beitrag kündigt Li zudem erneut an, dass sich China weiter an der Stabilisierung des Euros beteiligen werde. Man werde "Pakete zur Finanzstabilisierung" aufkaufen.

China hat in den vergangenen Jahren massiv ausländische Staatsanleihen aufgekauft und ist auch aus diesem Grund immer einflussreicher geworden. Peking hatte 2010 Jahr bereits den kriselnden EU-Staaten Griechenland und Portugal finanziellen Beistand zugesagt. Hinter der Europafreundlichkeit der Chinesen steckt freilich Kalkül - und Eigeninteresse. Chinas kommunistische Führung will politisches Kapital aus der europäischen Schuldenkrise schlagen. Dabei ist eine Stabilisierung der Euro-Zone samt einem starken Euro durchaus im Interesse des Exportweltmeisters China.

Kommentare (3)

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flyingfridge

05.01.2011, 14:47 Uhr

"Hinter der Europafreundlichkeit der Chinesen steckt freilich Kalkül."

Mal wieder so ein Chinesen-Rassismus, wie man ihn ständig in Deutschen Medien lesen und hören kann. Chinesen können ja bekanntlich nicht freundlich sein, also muss Kalkül dahinter stecken. ich hätte noch einen besseren Vorschlag, wie man den Satz formulieren könnte:

"Hinter der Europafreundlichkeit der Chinesen steckt freilich der Wunsch, unsere ideen zu klauen und unsere Hunde zu essen."

Würde das nicht noch besser alle Vorurteile bedienen?

Margrit Steer

05.01.2011, 19:47 Uhr

Na bei Frau Merkel finden die Chinesen sicher offene Ohren. Denn Merkel liebt ja sozialistische Länder und der Ausverkauf Deutschlands an andere Länder liegt ihr ja sehr.
Der Autor hat Recht, China macht doch nichts aus lauter Menschenfreundlichkeit. Da steckt logischerweise Kalkül dahinter

berlo j.

05.01.2011, 22:14 Uhr

Da steckt logischerweise Kalkül dahinter

Was soll auch daran falsch sein!
Jeder und jedes Land versucht seine Ziel zu erreichen. Der Chinese auf diese, und der Deutsche auf eine andere Art! Keiner Hilft umsonst... Es steckt immer ein wirtschaftliche interesse dahinter, und das gilt für alle Länder!

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