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15.01.2013

14:04 Uhr

Deutschland und Frankreich

Eine unglückliche Liebe

VonTanja Kuchenbecker

Die Deutschen lieben Frankreich – und denken an Paris, Wein und gute Küche. Den Franzosen dagegen fällt bei Deutschland nicht die Bierbraukunst, sondern erst mal Merkel ein – und einiges weit unangenehmeres.

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Reuters

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

ParisNicht Bier oder Sauerkraut verbinden Franzosen zuerst mit Deutschland, sondern Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin ist im Nachbarland berühmter als deutsches Bier. Auf die Frage, was ihnen spontan zuerst zu Deutschland einfalle, antworten die meisten Franzosen: Merkel. Das ergab eine repräsentative Umfrage über das Deutschlandbild der Franzosen und das Frankreichbild der Deutschen, die das Meinungsforschungsinstitut Ifop im Auftrag der Deutschen Botschaft in Paris zum 50. Jahrestag des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages durchführte.

Das Bild ist immer noch mit Vorurteilen belastet. Neben Angela Merkel (29 Prozent) gefolgt vom Bier, fällt den Franzosen Berlin, die Autoindustrie, die deutsche Strenge, Hitler und der Krieg ein. Die Deutschen denken dagegen an Paris (56 Prozent), gefolgt vom Eiffelturm, Wein, Baguette und französische Küche.

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

Wachstum

Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

Schulden

Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

Industrie

Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

Arbeitskosten

Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Die Umfrage zeigte aber auch, dass sich die Nachbarn sympathisch finden. Dabei erklärten 85 Prozent der Franzosen und 87 Prozent der Deutschen, dass sie ein gutes Bild vom jeweils anderen haben. In Frankreich gebe es sogar „eine Tendenz zur Verbesserung“, betonte Jérôme Fourquet vom Ifop-Institut. Allerdings sehen die Nachbarn den jeweils anderen aus ganz unterschiedlichen Gründen positiv. Bei den Deutschen überwiegt die „Sympathie“ für die Franzosen, bei den Franzosen der „Respekt“ für die Deutschen.

Dieser Unterschied ist auch für die gesamte Wahrnehmung des anderen Landes richtungsweisend. Denn die Deutschen sehen in Frankreich vor allem immer noch den Lebensstil, die Franzosen dagegen in Deutschland die Leistung. Die Deutschen denken bei Frankreich deshalb an Reisen oder Gastronomie, die Franzosen heben die politische und wirtschaftliche Stärke Deutschlands hervor.

Kommentare (21)

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DominusVobiscum

15.01.2013, 14:27 Uhr

Wir wollen hoffen dass die Zeit wo Deutschland und Frankreich eine für sie günstige Entscheidung im voraus vereinbarten und erst dann den anderen EU-Mitgliedern einfach zum Unterschreiben diktiert haben, endlich und für immer vorbei ist.
Dieses Verhalten ist auch der Hauptgrund für die heutige Krise, weil durch die getroffenen Entscheidungen die schwächere Wirtschaften der EU ungeschützt geblieben sind, was zum Kannibalismus innerhalb der EU geführt hat. Daher Leistungsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite, Jugendarbeitslosigkeit, Auswanderung und leider auch Selbstmorde in den schwächeren EU-Ländern.

Glaskugel

15.01.2013, 15:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

H.Hilt

15.01.2013, 15:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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