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21.11.2014

11:25 Uhr

„Deutschlandtrend“-Umfrage

Deutsche wollen keine schärferen Sanktionen gegen Russland

Die Deutschen sind gegen weitere Sanktionen gegen Russland. Im aktuellen „Deutschlandtrend“ waren nur 19 Prozent der Befragten für eine Ausweitung. Mehr als ein Viertel plädiert sogar für eine Aufhebung der Sanktionen.

Russlands Präsident Wladimir Putin: 43 Prozent der Deutschen halten die Sanktionen gegen sein Land für ausreichend. dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin: 43 Prozent der Deutschen halten die Sanktionen gegen sein Land für ausreichend.

KölnTrotz des anhaltenden Konflikts mit Russland in der Ukraine-Krise wollen die Deutschen mehrheitlich keine schärferen Sanktionen gegen Moskau. Dem am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“ veröffentlichten „Deutschlandtrend“ zufolge ist nur eine Minderheit von 19 Prozent dafür, die Strafmaßnahmen auszuweiten. 43 Prozent halten die derzeitigen Sanktionen der USA und der EU für angemessen. Rund ein Viertel (27 Prozent) plädiert sogar für ihre Aufhebung.

Die EU-Außenminister hatten erst am Montag auf neue Sanktionen gegen Russland verzichtet und lediglich beschlossen, weitere Separatisten in der Ukraine mit Einreise- und Kontensperren zu belegen. Wegen des Ukraine-Konflikts hatten die EU und die USA zuvor aber mehrfach Sanktionen gegen Russland verhängt. Kiew und der Westen werfen Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine mit Soldaten und Waffen zu unterstützen. Russland dementiert dies.

Wen die Russland-Sanktionen treffen

Ukraine

Das politisch wie wirtschaftlich größte Problem bei Russland-Sanktionen ist, dass auch die Ukraine unter den Folgen leiden wird. In einer Umfragen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nannten im Juni 21 Prozent der befragten Unternehmen die Ukraine als das Land, das nach Russland (37 Prozent) und Deutschland (33 Prozent) am stärksten unter Sanktionen zu leiden haben wird. Der Grund ist zum einen die enge wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Sowjetrepublik mit Russland, die jeden Konjunktureinbruch dort auch für das Nachbarland zum Problem macht. Zum anderen bestraft Russland den Westkurs der Ukraine wie auch den Moldawiens mit Gegensanktionen wie einem Embargo gegen Milch und Fleisch. Bei einer Eskalation könnte auch der Gashahn zugedreht werden.

Balkan

„Auch die ganze Balkan-Region wird unter einem neuen Wirtschaftskrieg leiden“, meint der Balkan-Experte Duan Reljic von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Verantwortlich macht er hierfür die traditionell engen Beziehungen von Ländern wie Serbien mit Russland, vor allem aber das starke Interesse der ganzen Region an russischem Gas. Interessiert ist man auch am Bau der von Russland vorangetriebenen South-Stream-Pipeline durch die Region, die die EU-Kommission nun im Zuge der Abkühlung der EU-Russland-Beziehungen rechtlich überprüfen lässt. „Fast jedes Land der Region hat sich Hoffnung auf einen dreistelligen Millionenbetrag an Durchleitungsgebühren pro Jahr gemacht - die drohen nun wegzufallen“, meint Reljic. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass öffentliche EU-Banken auch mit Töchtern russischer Institute in der Region keine Geschäfte mehr machen können, wenn deren Chefs auf einer Sanktionsliste der USA und der EU stehen - die ständig ausgeweitet werden.

EU-Mitglieder Bulgarien und Zypern

Innerhalb der EU gelten die Länder als anfällig, die teilweise zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig sind und einen Lieferboykott befürchten müssen. Besonders betroffen sind zudem die stark nach Russland ausgerichteten EU-Staaten Zypern und Bulgarien. Am Finanzplatz Zypern etwa ist so viel russisches Geld angelegt, dass der Inselstaat von einem Abzug des Kapitals in Folge von EU-Finanzsanktionen stark getroffen werden könnte.

Zentralasien

Mit sehr gemischten Gefühlen schauen die Länder in Zentralasien auf die Entwicklung in der Ukraine. „Die kasachischen Banken würden wegen der engen Beziehungen sofort in Schieflage geraten, wenn ihre russischen Partner wackeln“, meint Beate Eschment, Redakteurin bei den Zentralasien-Analysen in Berlin. „In der Hauptstadt Astana ist man derzeit zudem ausgesprochen nervös, weil die Ukraine zeigt, was passieren kann, wenn man sich russischen Wünschen widersetzt.“ Eschment verweist darauf, dass auch im Norden der öl- und gasreichen ehemaligen sowjetischen Republik viele Russen leben und Russland nach wie vor Militärbasen in dem Land unterhält. Seit 2010 ist Kasachstan Mitglied in der Zollunion mit Russland. Anfang 2015 soll das bereits unterzeichnete Abkommen für eine eurasische Union in Kraft treten, das beide Länder noch enger aneinander schweißt - für gute wie schlechte Zeiten.

Allerdings hält man in der deutschen Wirtschaft durchaus auch einen umgekehrten Effekt für möglich: Als Mitglied der Zollunion könnte das Land sogar von harten Sanktionen gegen Russland profitieren - weil dann Geschäfte für den russischen Markt über Kasachstan abgewickelt werden müssten.

Afghanistan

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Wochenende drohend, die EU demonstriere mit Sanktionen, dass sie offenbar kein Interesse mehr an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland habe. Diese beinhaltet aber etwa die Versorgung der Nato-Soldaten in Afghanistan über den russischen Luftraum und die russische Eisenbahn. Auch der geplante schrittweise Abzug der Truppen läuft über Russland und nicht das wesentlich gefährlichere Pakistan. Das könnte sich ändern - mit unklaren Auswirkungen auf das ohnehin instabile Krisenland Afghanistan.

China

China, darin sind sich alle Experten einig, gehört dagegen zu den Gewinnern einer Eskalation zwischen dem Westen und Russland. Die deutsche Industrie warnt, dass ihnen nun chinesische Konkurrenten in Russland die Aufträge wegschnappen. Und Russlands mühsame Suche nach neuen Partnern beschert China günstige Preise für die kommenden Gaslieferungen vom Nachbarn. „China profitiert von der Isolation Russlands und kann gegen ein geschwächtes Russland die eigenen Interessen besser durchsetzen“, meint der China-Experte des Mercators Institutes for China Studies (Merics), Moritz Rudolph.

In der Debatte um die Sterbehilfe sprachen sich im „Deutschlandtrend“ 46 Prozent dafür aus, die Beihilfe zur Selbsttötung zu erlauben. 37 Prozent würden darüber hinaus auch die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe begrüßen. Demgegenüber lehnen zwölf Prozent die Sterbehilfe grundsätzlich ab.

Der Bundestag hatte vergangene Woche ausführlich über mögliche Gesetzesänderungen bei der Sterbehilfe diskutiert. Eine Entscheidung soll im kommenden Jahr fallen.

In der aktuellen Sonntagsfrage kommt die Union auf 41 Prozent. 26 Prozent der Befragten würden der SPD ihre Stimme geben. Die Grünen kommen auf elf Prozent, die Linken auf acht Prozent. Der AfD würden sechs Prozent der Befragten ihre Stimme geben, der FDP drei Prozent.

Für den „Deutschlandtrend“ befragte das Institut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch 1023 Bundesbürger.

Von

afp

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

21.11.2014, 11:39 Uhr

Der deutsche Bürger ist halt etwas realitätsnaher und nicht so naiv wie unsere Einheitsbundestagsparteien Muppetshow. Gegenseitig Sanktionen zwischen Russland und EU-Deutschland nutzen nur einen...der USA.
Für Europa sind Sanktionen für Europa (und dazu zählt auch Russland), die zum Schluss Europa auch immer selbst betreffen ein Schaden zum Wohle Dritter (in diesem Fall der USA).

Account gelöscht!

21.11.2014, 12:15 Uhr

Das passt der verkommenen Feudalelite natürlich nicht und fassungslos begreifen sie nicht warum die seit Monaten extrem teure Propaganda nur unzureichend Früchte trägt.
Teuer ist vor allem der massenhaft wegbrechende Kundenstamm bei den Systemmedien, überall betteln diese zur Zeit um die Annahme von Frei-Abos. Nur die “planwirtschaftlich“ abgesicherten GEZ Medienanstalten interessiert das alles nicht, dort überlegt man sogar die eigenen Kommentarforen noch stärker zu moderieren bzw. zensieren oder bei gewissen Themen ganz abzuschalten. Diese medialen Vollpfosten behaupten allen ernstes immer noch wir wären immer noch eine Demokratie mit freier Meinungsäußerung.
Fakt ist, in der Frage Krieg oder Frieden hört wohl die Bereitschaft der Deutschen auf sich willfährig von ihren politischen Vorturnern verarschen und benutzen zu lassen. Ein kranker oder bildungsferner Bodensatz sorgt allerdings auch in Zukunft für mindestens ein Drittel Zustimmung für die verbrecherischen Aktivitäten unserer Feudalkruste, selbst wenn denen der Himmel atomar auf den Kopf fiele könnten die gar nicht anders!

Frau Margrit Steer

21.11.2014, 12:16 Uhr

Es gibt Gott sei Dank, immer noch etliche Deutsche, die noch nicht verblödet sind

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