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11.09.2011

14:04 Uhr

Die 200-Milliarden-Lücke

Lagarde rudert im Banken-Streit zurück

Auf 200 Milliarden Euro hatte der IWF den Kapitalbedarf der europäischen Banken geschätzt - und heftigen Widerspruch geerntet. IWF-Chefin Lagarde versucht nun zu beschwichtigen: „Die Zahl ist vorläufig.“

IWF-Chefin Christine Lagarde versucht Politik und Märkte zu beruhigen. Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde versucht Politik und Märkte zu beruhigen.

MarseilleIm Streit über die Kapitallücke europäischer Banken versucht der Internationale Währungsfonds (IWF) die Branche und die Politik zu beruhigen. Die heftig kritisierte interne IWF-Schätzung eines Bedarfs von 200 Milliarden Euro sei noch kein endgültiges Ergebnis, stellte IWF-Chefin Christine Lagarde klar. „Die Zahl ist vorläufig“, sagte sie am Samstag.

Die IWF-Schätzung hatte in der Bankenbranche für erheblichen Wirbel gesorgt. Mittlerweile fürchtet der IWF selbst durch die Euro-Schuldenkrise in Bedrängnis zu geraten. Wie aus einem internen IWF-Dokument hervorgeht, rechnet der Fonds mit einer höheren Kreditnachfrage angeschlagener Staaten, sollten sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschlechtern. Die Zahl von 200 Milliarden Euro als geschätzter Kapitalbedarf der europäischen Banken stammt aus einem an die Öffentlichkeit gelangten Entwurf für einen IWF-Bericht.

Vertreter aus Europas Bankenbranche und der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichneten die Schätzung als übertrieben. Das Bekanntwerden der Zahl führte nach den Worten Lagardes zu falschen Interpretationen. „Es handelt sich weder um einen Stresstest, den der IWF durchführt, noch ist es der globale Kapitalbedarf der europäischen Banken - das ist es nicht“, betonte sie.

Der IWF befinde sich derzeit in Gesprächen mit den europäischen Partnern über die Methode der Schätzungen. Dann erst werde ein „vorläufiger Entwurf“ veröffentlicht. Dies solle noch vor dem Monatsende geschehen, sagte Lagarde nach Beratungen der sieben führenden Industrienationen (G7) sowie Russlands (G8) im französischen Marseille.

Durch die Euro-Schuldenkrise droht der IWF offenbar selbst an seine Grenzen zu stoßen. Der Fonds könnte nach neuesten Schätzungen lediglich 390 Milliarden Dollar an Darlehen vergeben, ohne seine Bilanz in Gefahr zu bringen, heißt es in dem internen Dokument weiter. Im schlimmsten Fall könnte der Kapitalbedarf von hoch verschuldeten Ländern aber bei rund 840 Milliarden Dollar liegen.

Der IWF gehe von einer deutlichen Zunahme von Risiken für die Finanzstabilität aus. Die europäische Schuldenkrise bedrohe die gesamte Weltwirtschaft. Es bestehe die Möglichkeit, dass mehr Länder vom IWF Unterstützung benötigten.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

11.09.2011, 16:32 Uhr

Es war doch von dieser Präsidentin, nichts anderes zu erwarten. Zuerst die Pferde scheumachen, um anschließend wie die Unschuld vom Lande sich zu geben.
Weg mit diesen Führungsfiguren.
Danke

Pendler

11.09.2011, 18:51 Uhr

500 Milliarden wäre die richtige Zahl

Hoffentlich trennen die Banken das Investmentbankung vom normalen Zahlungsverkehr

Wenn das Investmentbanking Pleite geht, wer wills wissen
Wenn das noramale Banking nicht mehr geht, steht die Wirtschaft

Blickensdoerfer

11.09.2011, 19:45 Uhr

Nun als Präsidentin des IWF muss sie die Interessen deren Eigentümer wahren. Noch auf dem G20 Gipfel im Februar 2011 hatte sie als Krisenursache Wirtschaftsungleichgewichte und das Fehlen eines neuen Weltwährungssystems erkannt, deren Auswirkunge mittels 5 Indikatoren frühzeitig festgestellt werden sollten. Davon übrig geblieben ist, sich auf Methoden der Schätzung einigen zu wollen. "Aus der Krise nichts gelernt"

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