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25.08.2015

03:59 Uhr

Die dunkle Seite des Kyoto-Protokolls

Riesiger Betrug mit Umweltzertifikaten?

Das Kyoto-Protokoll sollte helfen, dass die Industrienationen den Ausstoß von klimaschädigenden Treibhausgasen verringern. Nun scheint es, dass genau das Gegenteil eingetreten ist. Eine Studie deckt Tricksereien auf.

Schmelzende Gletscher, immer heißere Sommer und stärkere Wetterphänomene. Eigentlich sollte das Kyoto-Protokoll dazu beitragen, den Ausstoß von klimaschädigenden Treibhausgasen zu verringern. Doch es wird getrickst. dpa

Gletscher schmelzen

Schmelzende Gletscher, immer heißere Sommer und stärkere Wetterphänomene. Eigentlich sollte das Kyoto-Protokoll dazu beitragen, den Ausstoß von klimaschädigenden Treibhausgasen zu verringern. Doch es wird getrickst.

San FranciscoGut gedacht, schlecht gemacht. Der Handel mit Umweltschutzzertifikaten sollte eigentlich mit urkapitalistischen Methoden ein ökologisches Weltproblem lösen. Der Gedanke: Wer die Produktion von Treibhausgasen reduziert, soll die ersparten Umweltgifte an andere verkaufen können, die noch nicht so weit sind, oder deren Anlagen so alt sind, dass sie sich nicht umrüsten lassen. Doch wenn es darum geht, den Profit zu maximieren, dann sind die Kapitalisten den Bürokraten halt doch immer einen Schritt voraus. Vor allem in Russland und der Ukraine. Eine Studie des Stockholm Environment Institute kommt zu verheerenden Ergebnissen: Eigentlich waren 75 Prozent dieser Geschäfte zwischen Industrieländern schlicht kontraproduktiv und haben das Problem noch verschärft.

Vor allem in Russland und der Ukraine sind nach den Erkenntnissen einer neuen Studie (http://www.sei-international.org/mediamanager/documents/Publications/Climate/SEI-WP-2015-07-JI-lessons-for-carbon-mechs.pdf) offenbar Treibhausgase zunächst im Übermaß produziert worden, um sie dann später medienwirksam und vor allem profitabel wieder „einzusparen“.

Es geht um „Joint Implementation“, eine Vereinbarung aus dem Kyoto-Protokoll. Betroffen ist der Verkauf von Verschmutzungszertifikaten zwischen Industrienationen. Durch die Ausnutzung diverser Schlupflöcher und kreativer Umsetzung ist es Marktteilnehmern laut der Studie gelungen viel Geld zu verdienen und gleichzeitig der Umwelt zu schaden. Die Forscher schätzen, dass durch den länderübergreifenden Zertifikate-Handel 600 Millionen Tonnen CO2 mehr in die Luft gelangt ist, als es der Fall gewesen wäre, wenn jedes Land gezwungen worden wäre seine Umweltziele alleine zu erreichen. Von den sechs größten Projekten, die man untersucht habe, hätte nur eines signifikant zur Verbesserung der Umwelt beigetragen.

Besonders die Ukraine und Russland waren nach den Berechnungen des schwedischen Instituts kreativ bei der Schaffung von Zertifikaten von denen viele „fragwürdig in ihrem Nutzen für die Umwelt seien“. Das Webportal Süddeutsche.de nennt das Beispiel des Kunststoffherstellers Halo Polymer im russischen Perm. Im September 2012 berichtete das Unternehmen demnach, im Vorjahr seien die Umsätze um 73 Prozent gewachsen, auch wegen der „Umsetzung von Vorgaben des Kyoto-Protokolls“. Tatsächlich seien 40 Prozent des Umsatzes aber nicht aus der Herstellung von Kunststoffen gekommen, sondern von den klimaschädlichen Gasen SF6 und HFC 23, Abfallprodukte der Kunststoffherstellung. Der Zertifikate-Handel habe Halo Polymer 2011 fast 200 Millionen Dollar eingebracht.

Auch andere russische Kunststoffwerke hätten im Jahr 2011 die Produktion der klimaschädlichen Gase hochgeschraubt, schreibt süddeutsche.de. „Wir gehen davon aus, dass die Anlagen bewusst ineffizient betrieben wurden, damit viele Treibhausgase entstehen“, sagte Studien-Autor Lambert Schneider vom Stockholm Environment Institute gegenüber der Süddeutschen.

Die „eingesparten“ Emissionen wurden dann vor allem in der EU mit Gewinn verkauft – und zum Beispiel in deutschen Kraftwerken verfeuert. „Es ging darum, Profite zu machen, und das auf Kosten des Klimas", kritisierte Schneider. Im Grunde sei das „wie Gelddrucken“.

Höchste politische Kreise deckten die schmutzigen Geschäfte offenbar, schreibt sueddeutsche.de. Ein Dekret von Präsident Wladimir Putin betraute demnach die Sberbank, Russlands größtes Bankinstitut, mit Vorauswahl und Abwicklung der Klimaprojekte. Offiziell habe das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel entschieden - doch dessen Chef, der Putin-Vertraute German Gref, habe 2007 an die Spitze der halbstaatlichen Sberbank gewechselt. Die Sberbank selbst wollte sich laut Süddeutscher zu den Vorwürfen nicht äußern.

Russland stieg 2013 aus dem Kyoto-Protokoll aus. Die Ukraine nutze das Schlupfloch im Kyoto-Protokoll aber weiterhin beim Abraum ostukrainischer Kohleminen. Studienautor Schneider mahnte daher, bei dem neuen internationalen Klimaschutzabkommen, das Ende des Jahres bei der UN-Klimakonferenz in Paris beschlossen werden soll, müssten solche Tricksereien ausgeschlossen werden. Als Schlussfolgerung der Studie halten die Forscher fest, dass dringend internationale Kontrollen eingerichtet werden müssten, um weitere Betrügereien zu verhindern. Gleichzeitig räumen sei ein, dass solche Kontrollen nur begrenzte Wirkungen hätten und extrem schwierig sein. Der „freie Markt“ wird sich halt seine Wege suchen, wenn es darum geht, auf einfache Art und Weise viel Geld zu verdienen.

Von

pos

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

25.08.2015, 07:54 Uhr

Im Grunde könnte die Überschrift lauten "Betrüger unter Ihresgleichen".

Im Zuge des Kyoto Protokolls hatten die Initiatoren des "Klimawandels" den CDM Zertifikatehandel ins Leben gerufen. Dieser erlaubte es aus dieser ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophe im Gegensatz zu den vorangegangenen Weltuntergangskatastrophen, "Endliche Rohstoffe", Waldsterben und Ozonloch ein profitables Geschäftsmodell zu machen. Der Klimanobelpreisträger Al Gore wurde gem. Medienberichte damit fast zum Milliardär.

Wind- und Solarstrom fällt entsprechend den Launen der Natur an. In bedarfsgesteuerten Stromnetzen ist dieser nahezu wertlos. In China werden die Wind- und Solarprojekte über CDM Zertifikate subventioniert. Bekannten die in China gearbeitet haben aufgefallen, dass zahlreiche der installierten Windmühlen nicht an das Netz angeschlossen sind. In Berichten der EIA findet man vorsichtige Anmerkungen dass die Windstromerzeugung aufgrund des Nichtanschlusses dieser ökoreligiösen Monumente nicht die Werte erreicht wie zu erwarten wäre. Annahme die Arbeiten werden an diesen Monumenten eingestellt sobald diese CDM zertifiziert sind und die Subventionen fliessen.

So gibt es sicherlich noch viel zu entdecken wenn Betrüger unter sich sind.

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