Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2007

10:12 Uhr

Die Erdölleitung Druschba

Deutschland hängt am Öl-Tropf

Russland versorgt West- und Mitteleuropa mit Öl via Weißrussland. Eine Lieferunterbrechung zeigt, wie groß die Abhängigkeit ist. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Wie abhängig ist Deutschland von russischem Öl?

Deutschland führt im Jahr gut 110 Millionen Tonnen Rohöl ein, 97 Prozent des Bedarfs. Hinzu kamen im vergangenen Jahr nach ersten Schätzungen 37 Millionen Tonnen Ölprodukte wie Benzin oder Heizöl. Von dem Rohöl kommt gut ein Drittel aus Russland. Zweitwichtigster Öllieferant ist Norwegen mit einem Anteil von knapp 16 Prozent. Es folgen Großbritannien mit 13 und Libyen mit knapp zwölf Prozent. Aus Kasachstan kommen noch einmal sieben Prozent. Insgesamt liefern knapp 30 Länder Rohöl nach Deutschland.

Wie wichtig ist die „Druschba“-Pipe-line für Deutsch- land?

Die Bundesrepublik bezieht etwa 500 000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag beziehungsweise 22 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr über die durch Weißrussland führende „Freundschafts“-Röhre – etwa ein Fünftel ihres Gesamtbedarfs.

Wer bekommt das Öl aus der Pipeline?

Die Mineralölverbundleitung GmbH betreibt in der deutsch-polnischen Grenzstadt Schwedt das deutsche Eingangstanklager für das Öl aus der „Druschba“-Pipeline und verteilt den Rohstoff zur Verarbeitung an die Raffinerien PCK Schwedt und Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH in Leuna (Foto). Jeder fünfte Liter Kraftstoff in Deutschland kommt aus diesen Werken. Insgesamt gibt es hier zu Lande 14 Raffinerien, die Rohöl verarbeiten.

Gibt es Alternativen zur Pipeline?

Die beiden von der Unterbrechung betroffenen Raffinerien können laut der Mineralölverbundleitung GmbH den Lieferausfall rund eine Woche lang durch Reserven in den Tanklagern ausgleichen. Zudem können beide Werke zu großen Teilen aber auch über die Pipeline Rostock-Schwedt vom Seehafen Rostock aus versorgt werden. Der Transport von Gas sei noch weitgehend an Pipelines gebunden, dagegen sei man beim Ölhandel – etwa durch den Einsatz von Tankern – flexibler, erklärt Rainer Wiek, Chefredakteur des Fachmagazins „Energie-Informationsdienst“.

Wann geht Deutschland bei einem Lieferstopp das Öl aus?

Deutschland ist per Gesetz verpflichtet, eine Ölreserve vorzuhalten. Der Erdölbevorratungsverband (EBV), eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit Sitz in Hamburg, verwaltet seit 1978 Rohöl und Ölprodukte, die einem Verbrauch von 90 Tagen entsprechen. Nach Angaben der EU-Kommission reichen die deutschen Vorräte derzeit aber sogar für mehr als 130 Tage. Laut Mineralölverband bestehen die Krisenbestände aus mehr als 29 Millionen Tonnen Rohöl und Fertigprodukten.

Kann Atomenergie helfen, Versorgungsengpässe auszugleichen?

Die Lieferunterbrechung hat die Debatte über Deutschlands Energiesicherheit neu belebt. Politiker fordern, den von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg zu überdenken. Bei der Stromerzeugung spielt Öl allerdings heute mit weniger als drei Prozent Anteil am Volumen nur eine untergeordnete Rolle.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×