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30.09.2014

16:55 Uhr

Die Folgen von Ebola

„Schlimmer als Terrorismus“

VonWolfgang Drechsler

Nicht nur die Menschen leiden unter den Folgen des tödlichen Virus Ebola – auch die Wirtschaft ist betroffen. Landwirtschaft und Bergbau in Westafrika liegen brach. Hilfsorganisationen warnen vor der nächsten Gefahr.

Sicherer Umgang mit Virus

Schutzanzüge gegen Ebola stark nachgefragt

Sicherer Umgang mit Virus: Schutzanzüge gegen Ebola stark nachgefragt

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Über den WolkenIn Sierra Leone, einem der beiden besonders hart von der Ebola-Epidemie betroffenen Länder, wird die Lage immer dramatischer. Nachdem seine Regierung bereits Anfang August zwei Distrikte im Osten des Landes militärisch abgeriegelt hatte, sind wegen der immer schlimmeren Auswüchse der Epidemie nun drei weitere Landesteile mit mehr als einer Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt worden. Damit sind inzwischen mehr als ein Drittel seiner rund sechs Millionen von den drastischen Maßnahmen betroffen.

Die Isolierung in drei weiteren Distrikten sei dringend geboten, um die Seuche erfolgreich bekämpfen zu können, erklärte Präsident Ernest Bai Koroma am Donnerstagabend in einer Radio- und Fernsehansprache an die Nation. Bislang sind allein in Sierra Leone mehr als 600 Menschen an dem Virus gestorben. Insgesamt sind es in der Region im Westen Afrikas seit dem Ausbruch im März fast 3000. Die Zahl der Erkrankten steigt inzwischen jedoch in solchem Tempo, das allein in den vergangenen vier Wochen fast so viele Menschen infiziert wurden wie in den gesamten sechs Monaten zuvor.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Sobald jemand im Verdacht steht, an Ebola zu leiden, erfolgt in den unter Quarantäne gestellten Distrikten eine strikte Isolation: So wird wird ein Polizist oder Soldat 21 Tage lang vor dem Haus der betroffenen Person stationiert - der Inkubationszeit der Krankheit. Die betroffenen Menschen werden in dieser Zeit zumeist von Hilfsorganisationen mit Nahrungsmitteln versorgt, die vor die Tür gestellt werden. Einen direkten Kontakt zu den Helfern gibt es somit quasi nicht.

Während einer ebenfalls in ganz Sierra Leone verhängten dreitägigen Ausgangssperre waren nach Angaben der Behörden am vergangenen Wochenende mehr als eine Millionen Haushalte überprüft und dabei 130 neue Ebolafälle entdeckt worden. Wer die unter Quarantäne gestellten Gebiete betreten oder verlassen will, braucht nach Angaben ausländischer Helfer einen speziellen Ausweis und darf sich selbst dann nur über strikt kontrollierte Straßenkorridore bewegen. Eine Genehmigung erhalten für gewöhnlich nur Personen, die „essentielle Aufgaben“ verrichten.

Bei einer Umfrage von Hilfsorganisationen und dem Agrarministerium von Sierra Leone unter Kleinbauern, lokalen Führern, Geschäftsleuten und Händler erklärten die Interviewten übereinstimmend, weniger als zuvor zu verdienen, ihre Felder kaum noch zu bestellen und selbst die ohnehin nur noch sehr geringen Ernteerträge kaum noch auf die Märkte der Region zu schaffen. Für das Frühjahr 2015 rechnen Hilfsorganisationen wie die deutsche Welthungerhilfe angesichts der in Westafrika betriebenen Subsistenzlandwirtschaft mit einer Hungersnot.

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