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19.08.2014

03:27 Uhr

Die Gewaltnächte von Ferguson

Obamas neuer Krisenherd

Die Kleinstadt Ferguson ist nach dem Tod eines schwarzen Teenagers im Ausnahmezustand. Die Nationalgarde muss zur Hilfe der Polizei anrücken. Zwei deutsche Journalisten werden während ihrer Arbeit festgenommen.

Eskalationen in Ferguson

Nationalgarde soll bei Rassenunruhen helfen

Eskalationen in Ferguson: Nationalgarde soll bei Rassenunruhen helfen

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WashingtonNach erneuten Unruhen wegen des Tods eines schwarzen Teenagers in Ferguson hat der Gouverneur des US-Staates Missouri die Nationalgarde zur Hilfe gerufen. Die Soldaten sollten der Polizei helfen, „Ruhe und Ordnung wiederherzustellen“, sagte Jay Nixon am frühen Montagmorgen in einer Mitteilung. „Wir haben gut trainierte und erfahrene Soldaten“, sagte General Greg Mason, nachdem die Nationalgarde in der Kleinstadt eintraf. Präsident Barack Obama kündigte zudem an, dass Justizminister Eric Holder Ferguson am Mittwoch besuchen werde, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Derzeit ermitteln das Justizministerium und das FBI ermitteln, wie es zum Tod Michael Browns kam, der von einem Polizisten erschossen wurde. Obama rief die Anwohner dazu auf, friedlich zu bleiben. Zur Polizei, die für ihr hartes Vorgehen kritisiert worden war, sagte Obama: „Es gibt keine Entschuldigung für unverhältnismäßige Härte der Polizei.“ Obama war am Sonntag von seinem Urlaubsort Martha's Vineyard für zwei Tage nach Washington gekommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief die Beteiligten zu Zurückhaltung auf und drängte darauf, die Rechte von Demonstranten und Journalisten zu respektieren. Die Behörden müssten sicherstellen, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung geschützt würden, teilte ein Sprecher Bans in New York mit. Die Polizei müsse sich im Umgang mit den Protestlern an amerikanische und internationale Standards halten.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Es ist mehr als eine Woche her, dass der unbewaffnete Teenager Michael Brown durch die Schüsse eines Polizisten starb. Doch längst geht es nicht mehr nur um den Tod des 18-Jährigen. Es scheint, als sei in der abgelegenen Kleinstadt Ferguson mit seinen 21.000 Einwohnern eine Wunde aufgerissen, die nie ganz verheilt war – es ist eine Wunde, an der ganz Amerika leidet.

Immer neue Enthüllungen heizen die Emotionen an. Eine unabhängige Obduktion ergibt, dass Brown von sechs Schüssen getroffen wurde. Zwei davon trafen ihn in den Kopf, die Schüsse wurden nicht aus nächster Nähe abgegeben. Die Lesart der Polizei, wonach Brown den Polizisten angegriffen und versucht habe, ihm die Pistole zu entreißen, wird damit immer unglaubwürdiger. Noch immer ist völlig unklar, warum der 18-Jährige sterben musste. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen.

Mittlerweile ist eine Petition zur Ausrüstung aller Polizisten mit Videokameras gestartet worden. Bis Montag gab es dafür mehr als 112.000 Unterschriften. Damit ist die Zahl von 100.000 Unterschriften überschritten, und das Weiße Haus muss sich laut einer Bestimmung von US-Präsident Barack Obama mit dem Text befassen und öffentlich darauf antworten.

Die Petition für das „Gesetz Mike Brown“ fordert, alle Polizisten mit am Körper zu tragenden Minikameras auszustatten. Damit solle in Zukunft Fehlverhalten der Polizei vermieden werden. Die Verwendung solcher Systeme hat Berichten zufolge in einigen Orten bereits zu einem deutlichen Rückgang der Polizeigewalt und der Bürgerbeschwerden über Polizisten geführt.

Kommentare (5)

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Herr Fred Meisenkaiser

18.08.2014, 19:46 Uhr

Interessant, im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten müssen die Begehrlichkeiten des Volkes, insbesondere wenn es farbig und arm ist, mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.

Das Motto: Wehret den Anfängen, sonst müssen die Reichen noch etwas hergeben!

Sergio Puntila

18.08.2014, 19:47 Uhr

Obama bekommt die Haue, die seine home made Rassisten ihm voll auf die Fresse adressiert hatten.

Unglaublich?

Matter of fact honeys!

Sergio Puntila

18.08.2014, 20:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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