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06.08.2014

20:27 Uhr

Die USA suchen neuen Verräter

Ein Snowden kommt selten allein

VonAxel Postinett

Gibt es einen neuen Whistleblower in den Reihen der NSA? Alles deutet daraufhin. Die USA haben eine lange Tradition von Geheimnisverrätern, die ihre Regierungen in Bedrängnis bringen.

Der berühmteste Whistleblower der Welt: Edward Snowden. Nun soll es in den USA einen weiteren geben. Getty Images

Der berühmteste Whistleblower der Welt: Edward Snowden. Nun soll es in den USA einen weiteren geben.

San FranciscoDie Suche nach der undichten Stelle läuft auch Hochtouren. Eine geheime Liste von Terrorverdächtigen mit über 600.000 Namen ist an die Öffentlichkeit gelangt. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung zu dem neuen Fall von Geheimnisverrat gibt es derzeit nicht. Aber die Regierung erwägt nach Informationen von CNN einen offiziellen Ermittlungsantrag beim Justizministerium einzureichen.

Das würde diesmal einen gigantischen Apparat in Bewegung setzen. Laut CNN stammen die Dokumente aus dem Pentagon und rund 3,2 Millionen Personen könnten berechtigt sein, darauf zuzugreifen. Sie sind nicht als „Top Secret“ klassifiziert, sondern nur als „Secret“ und „nicht für den Gebrauch außerhalb der USA“.

Aber viele Außenstehende in den USA können die Informationen einsehen. Zum Beispiel Subunternehmer im Regierungsauftrag, die so wichtige Informationen erhalten, bevor sie neue Mitarbeiter anstellen. Wobei hier eben auch ein Problem liegt. Von den 680.000 Personen auf der Liste der Terrorverdächtigen TSDB, Terrorist Screening Database, hätten 40 Prozent keinerlei erkennbare Verbindungen zu „einer der bekannten Terrororganisationen“, räumt der Dienst in den Dokumenten selbst ein.

Es bedarf keinerlei handfester Beweise oder Indizien, um auf diese Liste zu gelangen. Jeden Tag, so die Veröffentlichung des Journalisten und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald, kommen 240 Kandidaten hinzu. Er selbst will die Existenz eines neuen Informanten in Geheimdienstkreisen weder bestätigen noch dementieren.

Der Informationsstand der Dokumente, die „The Intercept“ zugespielt wurden, liegt aber nach dem Zeitpunkt zu dem Edward Snowden die USA verlassen hatte. Er hatte Millionen streng geheimer Dateien kopiert und der Presse zugänglich gemacht und lebt jetzt im Asyl in Russland. Greenwald selbst hatte aber bei der Ankündigung seiner News-Plattform im Februar unter anderem von einer „neuen, gut platzierten Quelle“ gesprochen.

Diese US-Geheimdienste sind in Deutschland aktiv

CIA

Die Central Intelligence Agency ist der Auslandsgeheimdienst. Er versorgt die US-Regierung mit Informationen, die sie für ihre Entscheidungen etwa im Kampf gegen den internationalen Terrorismus benötigt. Das Budget lag 2013 nach Recherchen der „Washington Post“ bei etwa 14,7 Milliarden US-Dollar (etwa 11 Mrd Euro).

NSA

Hauptaufgabe des militärischen Geheimdienstes National Security Agency ist die Erfassung und Auswertung elektronischer Daten weltweit und die Arbeit mit Verschlüsselungstechnik (Kryptologie). Das Budget soll sich auf etwa 10,8 Milliarden Dollar belaufen.

NRO

Das National Reconnaissance Office (Nationales Aufklärungsamt) ist das Auge und Ohr der USA im Weltraum. Es betreibt das Satellitenaufklärungsprogramm. Das Budget soll etwa 10,3 Milliarden Dollar betragen.

FBI

Die Bundesermittlungsbehörde Federal Bureau of Investigation hat neben der Verbrechensbekämpfung auch die Aufgaben eines Inlandsgeheimdienstes. Sie hat unter anderem terroristische Organisationen und ausländische Geheimdienste im Visier. Das Budget soll etwa 8,2 Milliarden Dollar betragen.

NGA

Die National Geospatial Intelligence Agency (Nationale Agentur für geografische Aufklärung) sammelt und erstellt Informationen über die Erde, die unter anderem für die nationale Sicherheit, militärische Operationen und humanitäre Hilfsanstrengungen genutzt werden. Das Budget soll bei etwa 4,9 Milliarden Dollar liegen.

DIA

Die Defense Intelligence Agency (DIA) koordiniert die Geheimdienste des US-Militärs. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 16 500 Mitarbeiter. Das Budget soll etwa 4,4 Milliarden Dollar betragen.

Unwahrscheinlich ist das nicht. In einem Land wie den USA, wo die Obrigkeitshörigkeit weniger stark ausgeprägt ist als in vielen anderen Staaten der Welt, mangelt es nicht an Freigeistern, die die Verbreitung der wirklichen oder angeblichen Wahrheit in die eigene Hand nehmen. Kritiker sehen sie als Verbrecher, sie selbst sehen sich selbst oft als die letzte Bastion zur Rettung der Demokratie und Information der Öffentlichkeit.

Kommentare (3)

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Herr M. Gandhi

06.08.2014, 20:58 Uhr

"... Ein Snowden kommt selten allein! ... hoffentlich ist das so !!! Und Herrn Snowden muß Asyl in D angeboten werden ohne zeitliche Begrenzung UND das Bundesverdienstkreuz!!

Herr Teito Klein

07.08.2014, 09:04 Uhr

Edward Snowden reloaded
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Die USA haben Angst, Angst vor mutmaßlichen Terroristen.
Alle sind verdächtig. Es gibt nur lockere Kriterien, geprüft wird nicht.
Aber jetzt soll es einen neuen Whistleblower geben, welcher wieder "Staatsgeheimnisse" verraten hat.

Konkret gewährt der Artikel Einblicke in verschiedene Datenbanken, die die USA im Rahmen ihres Anti-Terror-Kampfes geschaffen haben. Demnach gehören mittlerweile mehr als 700 000 Personen einer «Terrorist Screening Database» an, also einer von Behörden und Militär genutzten Beobachtungsliste, auf der Personen nach sehr lockeren Kriterien des Terrorismus verdächtigt würden.

Lässt Warlord Obama diesen "Verräter" jetzt auch weltweit jagen? Gemäß seiner Doktrin: "Wanted dead or alive"!

Herr peter Spirat

07.08.2014, 12:08 Uhr

Wow man kann nur hoffen, dass es doch noch ein paar Amis mit einem Gewissen gibt.

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