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25.11.2014

06:24 Uhr

Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 3

Dicke Luft

VonAxel Postinett

Es sieht schwarz aus für die Modernisierung der US-Luftfahrt. Wenn es 2015 zur nächsten Haushaltssperre kommt, wird sie wieder um Jahre zurückgeworfen. Die Luftfahrt wäre nicht zum ersten Mal Spielball der Politik.

Warteschleife an den US-Airports: Die Flughäfen verfallen. Getty Images

Warteschleife an den US-Airports: Die Flughäfen verfallen.

San FranciscoAmerikanische Flughäfen platzen aus allen Nähten, der Luftraum ist überfüllt. Die Flugaufsichtsbehörde FAA schätzt für 2012 die Kosten durch Verspätungen und Flugausfälle auf alleine 22 Milliarden Dollar und, unveränderte Finanzierungshöhe unterstellt, sieht das bis 2020 auf 34 Milliarden Dollar ansteigen. Bis 2040 bei einem gleichzeitigen Anstieg der Passagierzahlen um 121 Prozent summiert sich das Minus dann auf 63 Milliarden Dollar.

Von den 3300 als wichtig für die Wirtschaft eingestuften Flughäfen der USA müssen 35 rund 80 Prozent des gesamten Passagieraufkommens schultern.  Beim Frachtaufkommen ist die Konzentration noch höher: 92 Prozent des Luftfracht Im- und Exports geht über 15 Flughäfen.

„Jeder Pilot und jeder Passagier, der mal wieder in der Warteschleife festhängt wird unschwer erkennen, dass unser System deutlich besser sein könnte“, räumt der Kongressabgeordnete Bill Shuster ein, Chef des Infrastruktur-Ausschusses des Kongresses.

Wird nicht mehr ausgegeben, sondern auf dem bisherigen Level von zehn Milliarden Dollar pro Jahr weiterinvestiert, rechnet die Vereinigung der Bauingenieure in den USA, die ASCE, einen kumulierten Verlust an Bruttosozialprodukt von 313 Milliarden Dollar bis 2020 vor und 1,5 Billionen bis 20140.

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

Doch von „mehr“ kann ohnehin keine Rede sein. Seit 2014 greifen jedes Jahr pauschale Kürzungen in allen öffentlichen Haushalten. Bau und Unterhaltung von Flughäfen und Lauftaufsicht nicht ausgeschlossen.

Die Probleme wachsen in den Himmel: Zu den großen und kleinen Flugzeugen gesellen sich jetzt noch unzählige Drohnen, unkontrolliert und brandgefährlich. „Da fliegt etwas über uns“, meldete vorige Woche ein Delta-Pilot im Landeanflug auf New York. Es war eine Drohne, die aus dem Nichts auftauchte und wieder verschwand. Wenn ein solches Fluggerät in ein Triebwerk eingesaugt wird, können die Folgen katastrophal sein.

Bis Jahresende will die FAA den Gebrauch von Drohnen stark regulieren. Aber das ist nur eine Übergangslösung. Es müssen klare Regeln her für den kommerziellen Einsatz von Drohnen. Firmen wie Amazon heuern schon per Inserat „Drohnen-Piloten“ an.

Die Flugüberwachung ist aber im Prinzip auf dem technologischen Stand der 70er Jahre stehengeblieben. Ein ehrgeiziges Modernisierungsprogramm ist 2004 angeschoben worden, aber es gibt noch keine Ergebnisse. Bei zusätzlichen 40 Milliarden Dollar Kosten auf 20 Jahre bekommen Politiker in Washington mal wieder Flugzeuge im Bauch.

Kommentare (5)

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Herr Thomas Ungläubig

25.11.2014, 09:48 Uhr

Wenn man glaubt überall auf der Welt nach dem Rechten sehen zu müssen, verliert man gerne mal das Wesentliche aus dem Auge.

Herr Andreas Glöckner

25.11.2014, 10:36 Uhr

Warum werden die Flughäfen nicht mit privaten Geldern saniert? Die Flughäfen, die am schönsten sind, sind begehrter als die herunter gekommenen. Da lässt sich doch sicher Geld mit verdienen.

Überhaupt erinnern diese amerikanischen Flughäfen, will man streng an den Darstellungen im Artikel bleiben, an ein Versagen des Marktes. Auf Hochglanz poliert sind die wenigen Hollywood- Villen, ansonsten werden sie nicht verkauft. Man sieht den Unsinn, er schreit einen ja förmlich an, den der fehlgesteuerte Kapitalismus verursacht.

Was ist mit Baden- Württemberg, Bayern, Nordrhein- Westfalen? Das sind die Geberländer, die das Geld zur Sanierung ihrer öffentlichen Infrastruktur haben, wenn da nich die östlichen Bundesländer wären, die wir heute ja gerarezu in die Unabhängigkeit schubsen müssen. Freiheit ist nicht die Freiheit, wenn sie auf Kosten anderer Leute geht.

Aus den Erzählungen älterer Zeitgenossen weiß ich, dass es im Westen nie gut genug sein konnte. Das war der programatische Ansporn, um sich gegenseitg dazu zu animieren, noch bessere Leistungen zu erbringen, noch schönere Ideen zu entwicklen. Der Wettbewerb hat hier seinen Ursprung. Ursprünglich dagegen wirkt die Infrastruktur: Autobahnen, Stadtteile, Flughäfen, Staatsbahnen. Ohne die Energiewende gäbe es auch in Deutschland keine Sanierung der Infrastruktur in der Energieversorgung. Sie würde zerfallen.

Habe ich Schulen erwähnt? Wie undankbar muss jemand sein, der sich auf Kosten anderer zu bereichern gelernt hat, und die Schule vergessen hat, der er dieses Wissen erdankt. Der Kapitalismus ist ein kranker Mann. Es ist wirklich an der Zeit, das diejenigen, die an ihn glauben auch mit ihm in Rente gehen. Der Kapitalismus vermag nichts mehr zu leisten.


Der Westen braucht einen post- industriellen Monetarismus. Und keinen aus der Moderne.

Herr Johann Brädt

25.11.2014, 12:37 Uhr

Was hat das alles was Sie da schreiben mit Kapitalismus zu tun? Wenn Sie wenn vom Kapitalismus im allgmeinen reden, dann bezieht das hunderte von verschiedenen Ausprägungen von Marktwirtschaften mitein. Die werden alle von unterschiedlichen Regierungen regelmentiert und manipuliert um gewünschte Ergebnisse zu erhalten. Wenn Sie vernachlässigte Autobahnen kritisieren, die in Deutschland alleiniges Thema des Staates sind, was hat die Marktwirtschaft dann damit zu schaffen?

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