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04.12.2014

06:23 Uhr

Die verfallenden Staaten von Amerika - Teil 4

Zeitbombe unter dem Asphalt

VonAxel Postinett

Die flüssige Gefahr schlummert unter den Straßen: Die Wasserversorgung ist das am meisten unterschätzte Problem der amerikanischen Infrastruktur. Die Herausforderungen sind riesig und die Folgen schon jetzt dramatisch.

Meterhohe Fontänen auf den Straßen: ein weiterer Wasserrohrbruch im September in Encino, einem Stadtteil im Norden L.As. Screenshot ABC

Meterhohe Fontänen auf den Straßen: ein weiterer Wasserrohrbruch im September in Encino, einem Stadtteil im Norden L.As.

Los AngelesDas Problem ist über 400.000 Meilen lang und erst dann zu sehen, wenn es zu spät ist: Das ist die Länge der unterirdischen Wasserleitungen, die irgendwo in den USA im Boden oder in Hauswänden und Kellern still vor sich hin rotten, bis sie mit einem lauten Knall auf sich aufmerksam machen.

Doch dann ist der Schaden schon angerichtet. Die Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) schätzt die Zahl der jährlichen Brüche von Hauptwasserleitungen in den USA auf rund 250.000. Das führt zur Verschwendung von Milliarden Litern von Trinkwasser. Sie unterspülen Straßen, setzen Häuser unter Wasser, ruinieren Fundamente und lassen Autos in Tiefgaragen volllaufen. Die Erneuerung des völlig überalterten Wassersystems ist eine Herkulesaufgabe.

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

Die gemeinnützige Forschungsorganisation und weltgrößte Berufsverband für Wasser- und Abwasserfachleute American Water Works Association (AWWA) schätzt die Kosten für Kompletterneuerung und Ausbau der US-Wasser-Infrastruktur auf eine Billion Dollar. Und niemand weiß, wo das Geld herkommen soll. Wahrscheinlich werden die Verbraucher mit dramatischen Preiserhöhungen rechnen müssen.

Sommer 2014 in Los Angeles: Ein Knall wie bei einer Bombenexplosion. Asphaltbrocken werden durch die Luft geschleudert. Unter enormem Druck spritzten unter ohrenbetäubendem Lärm 100.000 Liter pro Minute in einer mehrere Meter hohen Fontäne aus zwei Rohren unter dem berühmten Sunset Boulevard. Insgesamt waren es geschätzte 100 Millionen Liter. Der Schaden geht in die Millionen Dollar.

Vergangene Woche, ausgerechnet an Thanksgiving, dem größten Reisetag in den USA, erzwang ein Wasserleitungsbruch die Sperrung des Pacific Coast Highway nahe Malibu. Erst Stunden später waren der Wasserfluss gestoppt und ein Loch in der Fahrbahn abgesichert, das sich nach Unterspülung aufgetan hatte. Zwei Tage zuvor traf es das noble Beverly Hills. Die Beverly Hills Road ertrank in Wassermassen aus einer Hauptleitung.

Eine aktuelle Studie der Los Angeles Times auf Basis offizieller Statistiken beziffert die Zahl der akut gefährdeten Rohrleitungen auf sechs Prozent oder rund 400 Meilen Gesamtlänge im Stadtgebiet. Laut LAWD, dem städtischen Water Departement, gab es seit 2010 rund 5200 Zwischenfälle alleine in der Stadt der Engel. Das durchschnittliche Alter des Systems ist 58 Jahre, auch die 93 und 58 Jahre alten Leitungen nahe der Universität gehörten zu den bekannten Problemstellen.

Los Angeles ist nur ein Beispiel. Syracuse im Bundesstaat New York beklagt mit 365 Zwischenfällen seit 1. Januar bereits mehr als einen Hauptleitungsbruch pro Tag. Laut lokaler Webseite localsyr.com wären 725 Millionen Dollar nötig, um das über 100 Jahre alte Wassersystem der Kleinstadt zu erneuern. Das geht nur, wenn der Staat finanziell hilft.

Kommentare (12)

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Herr Fred Meisenkaiser

04.12.2014, 08:28 Uhr

Das wird bei uns auch bald so kommen. Wenn das Geheimabkommen TTIP kommt, die Konzerne dann über Schiedsgerichte die Privatisierung der Wasserversorgung einklagen - dann ist bei uns auch alles marode.
Schließlich wollen die US-Investoren verdienen - nichts ausgeben. Und wenn die Netze dann tot sind, nimmt der Staat die Netze zurück, der Steuerzahler baut sie wieder auf , es wird wieder privatisiert - und das Spiel beginnt von vorn!

Siehe Englands Wasserversorgung:
http://www.theeuropean.de/asit-biswas/7483-negative-folgen-der-wasserprivatisierung

Herr Siegfried Gendries

04.12.2014, 08:56 Uhr

Bevor TTIP wieder als Drohszenario bemüht wird: die US Wasserversorgung befindet sich in kommunaler Hand. Der größte private Investor, American Water, versorgt mal gerade 20 Mio. Einwohner. Wo sind die US Investoren für den deutschen Markt? Zudem: Das US Problem ist etwas anders als in Deutschland. Hier gibt es mit Stadtwerken Querverbunde, die ihre Investitionen in Wasser gegen finanzieren und Synergien generieren können, in den USA ist das wegen eines Gesetzes aus den 30er Jahren, dem Public Utility Holding Act nicht erlaubt. Abgesehen davon sind die Wasserversorgungen auf Staatenebene einem Preisregulierungssystem unterworfen. Also besser nicht Apfel mit Birnen vergleichen. Siehe auch WWW.lebensraumwasser.com

Herr Franz Giegl

04.12.2014, 09:07 Uhr

Wäre halt klasse wenn die sich einfach mal um Ihre internen Probleme kümmern und den Rest der Welt einfach mal in Ruhe lassen. Die sollen dort bleiben wo Sie sind und nur das Land verlassen zum Urlaub. Ich denke dafür sollte jeder Mensch auf der Erde beten, egal ob er an Gott glaubt oder nicht...

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