Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2014

17:41 Uhr

Die Waffenruhe hält

Zurück im Trümmerberg von Gaza

Viele Palästinenser sind nach dem blutigen Krieg mit Israel erstmals wieder in ihre Häuser zurückgekehrt. Viele fanden nur noch Trümmer vor. Bislang hält die Waffenruhe, doch beide Seiten ziehen eine eigene Kriegsbilanz.

Die zurückgekehrten Palästinenser müssen sich nun um ihre zerstörten Häuser kümmern. ap

Die zurückgekehrten Palästinenser müssen sich nun um ihre zerstörten Häuser kümmern.

Gaza/JerusalemDie Waffenruhe in Nahost hält. Im Gazastreifen strömten Palästinenser am Mittwoch in Geschäfte und Banken, um nach 50 Tagen Krieg mit Israel einzukaufen und Geld abzuheben. Tausende, die vor den wochenlangen Bombardements und Häuserkämpfen flohen und Unterschlupf in Schulen oder bei Verwandten suchten, kehrten zu ihre Häuser zurück. Viele fanden nur noch Trümmerberge vor.

In Israel blieben die Sirenen, die die Bevölkerung nahezu täglich vor Raketenangriffen radikaler Hamas-Kämpfer warnten, stumm. Regierungschef Benjamin Netanjahu sah sich allerdings mit Kritik konfrontiert, nachdem am Dienstagabend die unter ägyptischer Vermittlung zustande gekommene Waffenruhe in Kraft getreten war.

Die Vereinbarung sieht neben der Einstellung der Feindseligkeiten auch die Öffnung von Grenzübergängen zwischen dem Gazastreifen und Ägypten vor. Außerdem dürfen palästinensische Fischer künftig weiter auf das Mittelmeer hinausfahren.

In einem Monat sollen beide Seiten Gespräche über den Bau eines Hafens im Gazastreifen und die Freilassung palästinensischer Gefangener aufnehmen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen teilte mit, dass erstmals seit 2007 ein Hilfskonvoi den Gazastreifen über Ägypten erreichte.

„Wir hätten viel mehr erwarten können als die Verkündung einer Waffenruhe“, hieß es in einem Beitrag der auflagenstärksten israelischen Zeitung „Yedioth Ahronoth“. „Wir hätten erwarten können, dass der Ministerpräsident zur Residenz des Präsidenten geht und ihn über seine Entscheidung informiert, von seinem Posten zurückzutreten.“

In der Tagezeitung „Maariv“ hieß es, man könne nicht von einem Sieg Israels sprechen. Der Konflikt habe dazu geführt, dass die Tourismusindustrie zusammengebrochen sei und sich die Wirtschaft in Richtung Rezession bewege.

Netanjahus Sicherheitsberater Jossi Cohen sagte, der militärische Flügel der Hamas sei erheblich geschwächt worden. Die Hamas sprach ihrerseits dagegen von einem „absoluten Sieg gegen den zionistischen Feind“.

Nach palästinensischen Angaben wurden in dem Konflikt 2139 Menschen im Gazastreifen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten, darunter mehr als 490 Kinder. 540.000 Menschen flohen demnach vor der Gewalt. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und sechs Zivilisten. Israel hatte seine Offensive am 08. Juli mit dem Ziel begonnen, den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu beenden.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×