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02.07.2016

22:09 Uhr

Die Welt trauert

Elie Wiesel und Michel Rocard sind tot

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der frühere französische Premierminister Michel Rocard sind tot. Der Sozialist Rochard starb am Samstag in Frankreich im Alter von 85 Jahren. Wiesel wurde 87 Jahre alt.

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger wurde 87 Jahre alt. Reuters

Elie Wiesel

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger wurde 87 Jahre alt.

ParisDer Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und Frankreichs ehemaliger Premierminister Michel Rocard sind tot. Wiesel sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, berichteten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend.

Das Internationale Auschwitz-Komitee reagierte bestürzt und würdigte Wiesel als „Lehrer der Menschheit“. „Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren“, sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, am Samstag in Oswiecim.

Wiesel sei die Stimme der in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Frauen, Kinder und Männer gewesen, „die immer wieder die Vergesslichkeit, den Antisemitismus und den Hass übertönte.“ Er werde gerade in „diesen Tagen des Hasses und des Fundamentalismus schmerzlich vermisst“ werden, sagte Heubner.

Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel hatte das Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Seitdem engagiert sich der in New York lebende Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger für das Wachhalten der Erinnerung an die Opfer des Holocaust.

Der Publizist und Hochschullehrer hatte 1986 den Friedensnobelpreis bekommen. Im Juni 2009 besuchte er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Vor zwei Jahren wurde er in New York mit einem der höchsten deutschen Orden, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, geehrt.

Michel Rocard wurde 85 Jahre alt. Frankreichs Präsident François Hollande würdigte den Sozialisten als „große Figur der Republik und der Linken“. „Er inspiriert uns noch heute“, erklärte der Staatschef. Rocard starb am Samstagnachmittag in einem Pariser Krankenhaus, wie sein Sohn Francis der französischen Nachrichtenagentur AFP mitteilte.

Er wurde dem reformorientierten Lager der französischen Sozialisten zugeordnet. Die Zeitung „Libération“ bezeichnete ihn als „Pionier einer Sozialdemokratie à la française“, wie sie auch Hollande vertritt. „Er hat die Modernisierung der Linken verkörpert und die Notwendigkeit, die Wahrheit zu sagen“, sagte Premierminister Manuel Valls.

Unter Francois Mitterand war Rocard von 1988 bis 1991 französischer Premierminister. dpa

Michel Rocard

Unter Francois Mitterand war Rocard von 1988 bis 1991 französischer Premierminister.

Ausgerechnet sein parteiinterner Intimfeind François Mitterrand machte Rocard zu Beginn seiner zweiten Amtszeit als Präsident 1988 zum Premierminister – oft wird vermutet, dass er so von Rocards Popularität profitieren wollte. Drei Jahre lang führte Rocard zur Zeit des Mauerfalls die Pariser Regierung, schuf unter anderem eine neue Form der Sozialhilfe. Der Weg in den Élyséepalast aber blieb ihm versperrt.

Rocard wurde 1930 in eine bürgerliche Familie im Pariser Vorort Courbevoie geboren. In seiner jahrzehntelangen Polit-Karriere war er Parteichef, hoher Beamter, Senator und Europaabgeordneter.

Erst vor einigen Monaten hatte Präsident Hollande Rocard mit dem Großkreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Landes. „Sie haben danach gestrebt, die Gesellschaft zu befrieden und Frankreich zu reformieren“, sagte Hollande damals - eine Aussage, die auch mit Blick auf den regelmäßig aufflammenden Streit um Reformen in Frankreich zu verstehen ist.

In einem seiner letzten Interviews hatte Rocard sich im Juni für einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU ausgesprochen – weil die Briten Europa nicht als politische Einheit verstünden. „Also wünsche ich den Brexit“, sagte er. „Aber es ist nicht sicher, dass wir es hinkriegen werden, davon zu profitieren.“

Von

dpa

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