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11.03.2013

15:10 Uhr

Die Wende von der Wende

Atomkraft? Ja, bitte!

In Deutschland läutete die Katastrophe von Fukushima die Energiewende ein. Der Atomausstieg war kurz danach beschlossene Sache. Dagegen kehrt Japan zur Atomkraft zurück – und steht mit dieser Politik nicht alleine da.

Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen. dpa

Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen.

Tokio/Berlin/ParisSeit dem Atomunfall in Japan 2011 gilt Fukushima als Reizwort. Bisher stand es vor allem dafür, dass die Zukunft der Energiegewinnung anders aussehen musste als eben durch Kernkraft. Ein Grund, weshalb Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat. Doch die Wirkung Fukushimas ist inzwischen bei vielen Politikern verpufft – selbst in Tokio.

Im September 2012 verkündete die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda (Demokratische Partei) einen Plan zum Atomausstieg bis 2040. Doch Ende 2012 stellte allerdings der wenige Tage zuvor gewählte neue Regierungschef Shinzo Abe von der Liberaldemokratischen Partei den Ausstiegsplan wieder auf den Prüfstand.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Und diese Tage ließ der Rechtskonservative die Öffentlichkeit wissen: Japan werde die derzeit heruntergefahrenen Atomkraftwerke im Lande wieder in Betrieb nehmen, sobald ihre Sicherheit bestätigt sei. Die Botschaft ist klar: Der von seinem Vorgänger beschlossene Atomausstieg bis 2040 wird rückgängig gemacht.

Fukushima in Zahlen

9,0

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 war das bisher schwerste in der Geschichte Japans.

260

Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

16.000

Beben und Flutwelle töteten rund 16.000 Menschen, 4000 gelten noch immer als vermisst.

130.000

Zehntausende mussten die Region verlassen. Zeitweise lebten 130.000 Menschen in Notquartieren. Zum Jahresende sollen immer noch Zehntausende auf eine Behelfsunterkunft angewiesen sein.

210 Milliarden

Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Milliarden US-Dollar (156 Milliarden Euro) handelt es sich nach Angaben des Rückversicherers Munich Re um die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.

2,1

Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal so stark, dass die Experten ein Minus von 2,1 Prozent für 2011 erwarteten.

5,8 Milliarden

Von April bis September verbuchte der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima einen Verlust von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro.

2 Millionen

Mindestens zwei Millionen Menschen sind von den gesundheitlichen Spätfolgen der Atomkatastrophe betroffen.

8,4 Milliarden

Mindestens 8,4 Milliarden Euro will die Regierung dem Betreiber zur Verfügung stellen, um Opfer zu entschädigen.

Doch Abe dürfe erst nach der Oberhauswahl im Juli grünes Licht zum Wiederanfahren der Reaktoren geben. Abes LDP hat im Oberhaus keine Mehrheit, braucht sie aber für eine stabile Regierung.

Von den 50 Reaktoren im Land sind derzeit nur zwei in Betrieb – im AKW Oi in der Provinz Fukui. Nach der Katastrophe im AKW Fukushima Daiichi am 11. März 2011 waren sämtliche Reaktoren im Lande wegen Sicherheitsüberprüfungen und Wartungsarbeiten Schritt für Schritt heruntergefahren worden. Für rund zwei Monate, zwischen Mai und Juli vergangenen Jahres, war die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt völlig frei von Atomstrom.

Kommentare (4)

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WILHER

11.03.2013, 19:16 Uhr


Mich hat bei den Abbschaltungsplänen unserer Regierung niemand gefragt.
Hätte man, ich wäre dagegen gewesen.
Ich wäre sogar für AKW-Neubauten.

Und die Castoren darf man 1000 m tief unter meinem Haus verbuddeln.
Bedingung, der Eingang muss 10 km entfernt liegen.
Ich möchte von den Atom-Gegnern nicht dauernd gestört werden.

Fro-Zen

11.03.2013, 21:16 Uhr

Das Problem ist nicht, dass Sie den Atommül in Ihrem Garten wolle, sondern das dieser Ort wohl nicht geeignet ist. Sie wird es bald nicht mehr geben, aber der Atommüll bleibt strahlt einige tausend Jahre. Wenn wir weiterhin Uran verbrennen, verschieben wir das Problem nur auf die nächsten Generationen. Sie haben wohl keine Kinder, sonst würden Sie nicht so egoistisch denke. Warum sollen wir Atommüll produzieren? Damit wir 200 euro weniger pro Jahr für Strom bezahlen? Würde sowieso nicht passieren, Strom wird auch so teurer...

HofmannM

12.03.2013, 10:16 Uhr

@Fro-Zen
So ein Schwachsinn. Atommüll der uns schädigt?!
Wir Menschen sind tag täglich der Strahlung (Sonnenstrahlung) ausgesetzt. Gegen Strahlungsschäden auf der menschlichen Haut durch die Sonne geht doch auch keiner auf die Straße.
Die Endlager unter der Erde sind so gut abgeschotte, dass da kein Mensch geschädigt wird! Wo ist ihr Problem bei den oberirdischen Zwischenlager?! Sie sagen, wir haben ein Problem mit dem Atommüll?! Ich sage wir haben bis dato noch kein Problem gehabt und werden dies in Zukunft auch nicht haben. Die oberirdischen Zwischenlager sind ein gutes Beispiel für das Nicht-Problem von Kernkraftbrennwertstoffen!

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