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07.06.2012

15:36 Uhr

Die winzige Weltmacht

Katar macht mit seinem Reichtum große Politik

VonMathias Brüggmann

Seinen Reichtum münzt Katar immer mehr in politischen Einfluss um. Im Syrien-Konflikt spielt das Land an der Seite des Westens eine zentrale Rolle. Doch das kleine Inselemirat handelt nicht uneigennützig.

Außenminister Westerwelle mit Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani. Katars Emir ist bei westlichen Politikern ein gefragter Mann. dpa

Außenminister Westerwelle mit Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani. Katars Emir ist bei westlichen Politikern ein gefragter Mann.

Guido Westerwelle ist voll des Lobes: „Katar ist nicht nur eine große Wirtschaftsmacht, sondern wird mehr und mehr zu einem internationalen Kraftzentrum“, würdigte der deutsche Außenminister das kleine Inselemirat am Persischen Golf. Westerwelle beriet bei seinem Treffen mit dem Emir, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani, vor allem die katastrophale Lage in Syrien. In dem Konflikt spielt Katar eine Schlüsselrolle - wie schon zuvor an anderen Brandherden des Arabischen Frühlings. Dabei nutzt das, gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, inzwischen reichste Land der Erde nicht nur seine gewaltigen Einnahmen als weltgrößter Flüssiggasexporteur.

Der Satellitensender Al Dschasira, beheimatet in der Hauptstadt Doha, dient den Kataris als Sprachrohr und trieb mit seinen Live-Reportagen von den Schauplätzen der Rebellionen immer wieder die Umbrüche in den arabischen Ländern an. Der extrem populäre Sender wird seit vergangenem Jahr nicht mehr von einem relativ unabhängigen Generaldirektor geleitet, sondern von einem Verwandten des Emirs.

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Zudem ist das nur 240.000 Bürger und 1,6 Millionen Gastarbeiter zählende Land mit seinem Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) immer stärker in der globalen Wirtschaft verzahnt. QIA ist Großaktionär bei Porsche und Volkswagen, größter Anteilseigner der britischen Handelskette Sainsbury und am Baukonzern Hochtief ebenso beteiligt wie am französischen Umwelttechnikriesen Veolia Environnement.

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Kommentare (3)

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07.06.2012, 03:51 Uhr

Gefährlicher Zwerg
Katar ist ein reicher Zwerg, der die vom Westen hinterlassenen Lücken springt. Der Westen betrieb seit dem 19. Jh. seine Teile-und-Herrsche-Politik, ist nun aber nicht mehr in der Lage, seine Regeln durchzusetzen. Zu mehr als zur Zerstörung (Irak, Libyen) reicht es nicht mehr. Jeder dieser "Siege" schwächt den Westen aber weiter.
Natürlich ist Katar nicht demokratisch.
Die Fragen lauten, wann gibt es den "Puff", der Katar wieder zum Zwergen zurechtstutzt und wie viel Unheil richtet das Land, bzw. dessen Herrscher in der Zwischenzeit an.

Lavamat

07.06.2012, 14:54 Uhr

In Katar fragt niemand woher das Geld kommt - perfekte Geldwäsche. Damit lässt sich gut grosse Firmen in EU kaufen.
Journalisten könnten sich in das Thema vertiefen.

DongFangHong

07.06.2012, 16:32 Uhr

Qatar ist - um US Dialektik zu verbrauchen - ein Schurkenemirat: Es ist der "unbefleckte" Handlanger fürs Schmutzige von Saudi Arabien. Das sunnitische saudische Gerrscherhaus führt einen erbitterten Krieg gegen die Sunniten vor allem gegen den Iran. Und scheut - oder schämt - sich dabei nicht, sich in diesem Bestreben sogar mit Israel zu einer unheiligen Allianz zu verbünden. Eine Marionette der USA ist Qatar schon seit über 10 Jahren. Vor dort wurde der Krieg gegen Sadda Hussein geleitet. Die syprische Opposition wird von Qatar mit Geld und Waffen unterstützt. Auch im Libanon schürt das Schurkenemirat fleissig den Zwist zwischen den verfeindeten Volksgruppen. Israel ist der Gewinner: Denn wenn die Rechnung aufgeht haben die Palästinenser keine Unterstützung mehr und es wird nie einen palästinensischen Staat geben. Sunniten = Terror (Al Kaida etc.). Es gibt keinen einzigen relevanten schiitischen Terroristen. Auch in Aegypten werden die extremistischen Salafisten (No.3) von Saudis und Qatar gegen die moderate Moslembruderschaft unterstützt. Qatar ist klein - aber gar nicht fein.

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