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25.06.2013

09:42 Uhr

„Die Zeit ist gekommen“

Emir von Katar tritt ab

Scheich Hamad ben Chalifa al-Thani, der 1995 nach einer Palastrevolution an die Macht gekommen war, hat sein Amt an seinen Sohn abgegeben. Erstmals in der arabischen Welt zieht sich ein Herrscher freiwillig zurückzieht.

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al-Thani, verdrängte damals seinen Vater. dpa

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al-Thani, verdrängte damals seinen Vater.

DohaKatars Emir Scheich Hamad ben Chalifa al-Thani hat die Übergabe der Macht an Kronprinz Scheich Tamim ben Hamad al-Chalifa verkündet. „Die Zeit ist gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagte der 61-jährige Monarch des einflussreichen Golfstaats am Dienstag in einer Fernsehansprache. Er wolle „die Verantwortung an die neue Generation übergeben“. Sein Sohn ist 33 Jahre alt.

Der scheidende Emir hatte im Jahr 1995 in einer Palastrevolution seinen eigenen Vater von der Staatsspitze verdrängt und modernisierte Katar seither.

„Gott weiß, dass ich die Macht nicht um ihrer selbst willen und für mich wollte“, sagte der scheidende Emir. Er hatte seinen Vater in einem unblutigen Putsch 1995 abgelöst. Diplomaten zufolge plante der 61-Jährige schon seit längerem, zugunsten des Kronprinzen abzudanken. „Ich bin absolut sicher, dass er qualifiziert ist, die Verantwortung zu übernehmen, und dass er Vertrauen verdient“, sagte Scheich Hamad in seiner Fernsehansprache. Wann genau er die Macht an seinen 33-jährigen Nachfolger übergeben wird, ließ der Emir offen.

Er hatte bereits per Dekret die Amtszeit des Schura-Rates verlängert und damit de facto die Wahl verschoben, die für die zweite Jahreshälfte erwartet worden war. Es wäre das erste Mal gewesen, dass 30 der 45 Mitglieder des Schura-Rates gewählt worden wären, wie es die Verfassung von 2003 vorsieht. Die derzeitigen Mitglieder des Beratungsgremiums wurden alle vom Emir ernannt.

Experten erwarteten keine großen Änderungen in der Politik des Landes, zumal Scheich Tamim bereits unter der Ägide seines Vaters an der Führung des Staates mitgewirkt hat. Katar ist ein kleines Land, in dem nur zwei Millionen Menschen leben. Doch Scheich Hamad hat es nicht nur zum Gastgeber wichtiger internationaler Konferenzen in der Hauptstadt Doha gemacht, auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 hat er nach Katar geholt. Vor allem aber ist Katar der weltweit größte Exporteur von Erdgas. Das Emirat hat die Revolutionen im Zuge des Arabischen Frühlings finanziell unterstützt und ist ein wichtiger Finanzinvestor.

So ist Katar über seine Investmentgesellschaft direkt an Volkswagen beteiligt und nach der Porsche-Holding und dem Land Niedersachsen der drittgrößte Anteilseigner. Vor einer Woche hatte Katars Staatsfonds vier Jahre nach seinem Einstieg bei der Porsche-Holding alle Stammaktien wieder an die Erbenfamilien Porsche und Piech zurückgegeben. Der Staatsfonds war Porsche 2009 nach der gescheiterten VW-Übernahme finanziell beigesprungen und hatte zehn Prozent der Porsche-Stammaktien von den Familien gekauft.

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