Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2015

15:05 Uhr

Dieudonné

Komiker nach „Charlie“-Eklat in Haft

Die französische Polizei hat den umstrittenen Komiker Dieudonné wegen Verherrlichung des Terrorismus festgenommen. Er war bereits zuvor durch antisemitische Entgleisungen aufgefallen.

Der umstrittenen französische Komiker Dieudonné Mbala Mbala ist festgenommen worden. AFP

Der umstrittenen französische Komiker Dieudonné Mbala Mbala ist festgenommen worden.

ParisWegen einer Äußerung zu den islamistischen Anschlägen in Paris ist der umstrittene französische Komiker Dieudonné am Mittwoch in Paris in Polizeigewahrsam genommen worden. Wie ein Justizsprecher mitteilte, hatte die Pariser Staatsanwaltschaft bereits am Montag Ermittlungen wegen Verherrlichung des Terrorismus gegen den 48-jährigen Komiker eingeleitet. Grund ist ein Eintrag Dieudonnés auf seiner Facebook-Seite vom Sonntag zu den Anschlägen.

Der Komiker hatte die Solidaritätsbekundung „Ich bin Charlie“ für die bei einem Attentat getöteten Mitarbeiter des Satireblatts „Charlie Hebdo“ mit dem Namen eines der Terroristen vermischt. In Anspielung auf den Islamisten Amédy Coulibaly, der am Freitag in einem jüdischen Supermarkt in Paris vier Geiseln erschossen hatte, schrieb der für antisemitische Entgleisungen bekannte Komiker: „Ich fühle mich wie Charlie Coulibaly.“

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

Zugleich machte er sich über die Massenkundgebungen in Frankreich lustig, bei denen an die vier Millionen Franzosen am Sonntag ihre Solidarität mit den 17 Opfern der Anschläge bekundet hatten. Unter den Toten sind acht Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“.

Mitarbeiter des Komikers veröffentlichten auf seiner Facebook-Seite Fotos von Polizisten, die den 48-Jährigen am Montag von seiner Wohnung abholten. Einer seiner Anwälte bezeichnete die Festnahme als „regelrecht skandalös“. Zahlreiche Fans reagierten empört. Einer sprach von einer „selektiven Meinungsfreiheit“, die nur für bestimmte Leute gelte.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr peter Spirat

14.01.2015, 10:02 Uhr

Letzendlich geht es doch darum, ob wir uns wirtschaftlich ruinieren wollen, so wie es durch Khomeni im IRAN passiert ist, oder ob wir uns unseren Wohlstand erhalten wollen.

Je mehr Islam um so sicherer versinken wir in Armut und sacken ins Mittelalter ab:

- Scheich Ali Türki wird mit seinem Harem (2000 blonde Frauen im Harem) uns regieren.

- Frauen steckt man in einen dreckigen Kartoffelsack mit Sehschlitz

- Demokratie wird durch den Koran ersetzt

- Hexen und andere werden verbrannt

Herr Ro Stu

14.01.2015, 10:46 Uhr

Da gehen Leute wegen der Meinungsfreiheit auf die Straße und der wird wg eines solchen Spruchs festgenommen? Die Attentäter waren maskiert. Wurde denn auch der Polizist festgenommen, der da den Verdächtigen erschossen hat?

Frau Ich Kritisch

14.01.2015, 11:29 Uhr

WUW
Die Meinungsfreiheit hat dort ihre Grenzen wo der Staat es will!

ich bin nicht Charlie - ich bin frei!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×