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08.01.2009

15:44 Uhr

Digitale Fanclubs sorgen für Aufmerksamkeit

Mafia: Die Netzjünger des Paten

VonKatharina Kort

Im Internet finden dubiose Fanclubs von Mafia-Bossen immer mehr Anhänger. Ihre Mitglieder bekennen sich ungewöhnlich offen zu kriminellen Idolen wie Bernardo Provenzano und Toto Riina. Experten vermuten, dass dahinter die Mafia selbst steckt.

Bernardo Provenzano, berüchtigter Mafiaboss, findet seine Anhänger im Netz. Foto: dpa dpa

Bernardo Provenzano, berüchtigter Mafiaboss, findet seine Anhänger im Netz. Foto: dpa

MAILAND. Es wird nicht lange drumherum geredet, die Mafia-Anhänger im Internet kommen direkt zur Sache: "Befreien wir Toto Riina", heißt es auf einer Seite in dem sozialen Netz Facebook. Auf dem Foto ist der Mafia-Boss Salvatore Riina hinter Gittern zu sehen. Mehr als 400 Freunde hat der seit 1993 in Haft sitzende Pate auf dieser Seite. Und das sind längst nicht alle. "Zio Toto" - Onkel Toto - zählt mehr als 2000 Freunde im "Riina Fans Club". Die Seite "Fans von Toto Riina . . . ein unverstandener Mann" kommt immerhin auf mehr als 300 virtuelle Anhänger. Nicht ganz so viele Internet-Freunde, aber ebenfalls eine große Gefolgschaft hat der vor zwei Jahren gefasste Mafia Boss Bernardo Provanzano.

Dabei haben viele Internet-Jünger des organisierten Verbrechens kaum Scheu, ihr eigenes Foto als bekennende Fans ins Netz zu stellen Giuseppe Squalo zeigt sich männlich auf dem Motorrad, Riccardo Campilongo vor dem türkisblauen Meer. Paolo Camillò versteckt sich dagegen hinter einer Comic-Figur. Bei den Einträgen kann es einem kalt den Rücken hinunterlaufen: "Die Welt könnte besser sein, wenn alle dem Kodex der Omertà (Schweigen; d. Red.) folgten", schreibt ein Fan. "Die Welt fürchtet und respektiert uns dank ihm", heißt es im Credo der Seite "Befreien wir Toto".

Makabre Scherze von Halbstarken oder ernstzunehmende Gefahr im Netz? Mafiajäger schließen nicht aus, dass hinter den Einträgen im Netz die organisierte Kriminalität selbst steht, die im Internet ihr Image aufpolieren will. Eine moderne PR-Kampagne der Mafia.

"Warum sollten die Mafiosi nicht heute medientechnisch alle Möglichkeiten nutzen?", fragt Pietro Grasso, Italiens Mafia-Jäger Nummer Eins. "Die Mafiosi bewegen sich in der globalen Welt mit hoher Geschwindigkeit. Sie sind immer schneller darin, sich den Neuigkeiten anzupassen." Hätten die Vertreter der organisierten Kriminalität früher versucht, Journalisten zu kaufen, um die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu beeinflussen, so könnten sie heute das Netz nutzen. Voraussichtlich wird die Staatsanwaltschaft schon bald Ermittlungen einleiten, um zu sehen, wer wirklich hinter den Einträgen steckt.

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