Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

17:21 Uhr

Digitale Kommunikation

Ägypten und die Macht des Internets

VonMatthias Eberle, Mathias Brüggmann

Wer die Medien beherrscht, konnte lange auch die Informationen einen Landes steuern. Doch nun können sich Regierungsgegner leicht über das Internet oder die mobile Kommunikation mobilisieren. Auch bei den Protesten in Ägypten bleibt den Herrschenden keine Alternative als ihr Land vom Netz zu nehmen.

Die mobilen Medien erleichtern weltweit die Organisation von Protesten. DAPD

Die mobilen Medien erleichtern weltweit die Organisation von Protesten.

DÜSSELDORF/BERLIN. Die ägyptische Regierung schneidet ihrer Bevölkerung die wichtigsten Kommunikationswege ab. Wenige Tage nachdem fast alle Internet-Provider zum gleichen Zeitpunkt ihre Zugänge sperrten und auch Mobilfunker wie Vodafone offline gingen, hat die Zensur am Nil gestern eine neue Dimension erreicht. Behörden schlossen auch das Büro des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira und ließen die Verbindung zu dem Übertragungssatelliten Nilesat kappen.

Damit muss der 1996 im Golfemirat Katar gegründete TV-Sender, der sich als "Stimme der arabischen Straße" definiert, seine Live-Berichterstattung von Protesten gegen das Mubarak-Regime einstellen. "Mit dem Abschalten von Al Dschasira deutet viel darauf hin, dass das ägyptische Regime blutig durchgreift und Zuschauer ausschließen will", ist sich Cilja Harders sicher, Leiterin der Arbeitsstelle "Politik des Vorderen Orients" an der Freien Universität Berlin. Al Dschasira hatte so umfangreich wie kein anderer Kanal über die Aufstände in Nordafrika berichtet. Vor allem durch die Berichte über die erfolgreiche Revolution in Tunesien, darin sind sich Medienwissenschaftler einig, hätten die Proteste in Ägypten erheblich an Zulauf gewonnen.

Zwar haben Fernsehzensur und Internet-Zugangssperren auch in Ländern wie China oder Iran traurige Tradition. Doch während dort bislang in der Regel Filter eingesetzt wurden, um bestimmte Inhalte zu blockieren oder den Datenfluss zu drosseln, lässt Mubarak im Jahr des erwarteten Facebook-Börsengangs gleich ganze Netze kappen. "Die Aktion der ägyptischen Regierung hat ihr Land essenziell von der globalen Landkarte gelöscht", schreibt James Cowie von der US-Firma Renesys, die sich auf Internet-Analysen spezialisiert hat. In einem Blogbeitrag warnt er vor einer Ausweitung von Störungen des Internetbetriebs auf andere Länder. Ein Großteil der Internetverbindungen zwischen Europa und Asien laufe durch Ägypten.

Das Internet und die mobile Kommunikation spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation von Regierungsgegnern bei Protesten, wie etwa in Iran oder zuletzt in Tunesien zu sehen war. Die IT-Industrie am Nil floriert, schon jeder vierte Ägypter verfügt über einen Netzanschluss. Die ägyptische Jugendbewegung "6. April" gehört zu den eisernen Fans von Facebook. Schon vor drei Jahren, als Facebook noch eine kleine Nummer unter den sozialen Netzwerken war, nutzten die Aktivisten die US-Firma zu politischen Zwecken. So rief der Mitinitiator der Jugendbewegung, Ahmad Maher, Facebook-Mitglieder am 6. April 2008 zu Streiks und Systemwandel auf. Er fand 70 000 Unterstützer, ohne das Regime Mubarak damals in Gefahr bringen zu können. Um Anstiftern wie Maher das Handwerk zu legen, will Mubarak nun das Rad zurückdrehen.

Experten bezweifeln allerdings, dass ihm das gelingt. Eine Internetplattform namens Telecomix hat bereits damit begonnen, Ägyptern per Fax Anweisungen zu schicken, wie sie ihre Funkgeräte modifizieren und nutzen können. Und nach Angaben der US-Onlinezeitung "Huffington Post" werde jetzt in Ägypten auch über Funk mit Morsezeichen kommuniziert.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.04.2011, 08:33 Uhr

Das zeigt, wie wichtig das Internet für die Menschheit geworden ist!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×