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29.08.2016

11:39 Uhr

Diktator in Berlin

Was will Merkel von Gurbanguly Berdimuhamedow?

Die Kanzlerin empfängt am Mittag den turkmenischen Präsidenten. Die Ex-Sowjetrepublik hat eines der schlimmsten Regimes weltweit. Der Staatschef kümmert sich wenig um Menschenrechte – und schreibt lieber Bücher über Tee.

Bei einem Ranking zur Pressefreiheit liegt Turkmenistan auf dem drittletzten Platz. dpa - picture-alliance

Gurbanguly Berdimuhamedow, Präsident von Turkmenistan

Bei einem Ranking zur Pressefreiheit liegt Turkmenistan auf dem drittletzten Platz.

BerlinWenn Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow sein neues Buch verschenkt, dann stehen Minister in Turkmenistan stramm. Sie nehmen das Werk mit beiden Händen und küssen es andächtig. In islamischer Tradition gebührt solche Ehrfurcht eigentlich nur dem Koran. Doch der Präsident der Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien legt Wert darauf, dass auch seine Worte geschätzt werden. Zu beobachten war das zuletzt im März, als der studierte Zahnarzt über „Tee - Heilmittel und Inspiration“ geschrieben hatte. Es war sein 35. Buch.

Der bizarre Kult um Berdimuhamedow ist Ausdruck eines Regimes, das Menschenrechtler zu den repressivsten weltweit zählen – vergleichbar mit Nordkorea. Am Montagmittag empfängt Kanzlerin Angela Merkel den „Arkadag“ (Beschützer) von Turkmenistan in Berlin. Dessen Wüstenstaat grenzt politisch sensibel an den Iran und an Afghanistan. Außerdem verfügt er über die viertgrößten Gasreserven der Welt.

Turkmenistan - Wüstenstaat in Zentralasien

Fläche

Die ehemalige Sowjetrepublik Turkmenistan ist der südlichste der zentralasiatischen Staaten. Das Wüstenland ist mit einer Fläche von 488 100 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie Großbritannien.

Einwohner

Die schätzungsweise 5,4 Millionen Einwohner sind überwiegend muslimisch. Turkmenistan ist einer der größten Gasproduzenten der Welt.

Menschenrechtslage

Der Präsident hat umfassende Kompetenzen. Internationale Organisationen sehen die Lage der Menschenrechte kritisch. Das Land ist fast so abgeschottet wie Nordkorea. Auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen zur Pressefreiheit in 180 Ländern rangiert Turkmenistan auf dem

Wirtschaft

Turkmenistan ist einer der größten Gasproduzenten der Welt.

Im Vorfeld des Besuchs rief die Organisation Human Rights Watch (HRW) die Kanzlerin auf, sich bei ihrem Gespräch für die Einhaltung von Menschenrechten einzusetzen. Merkel sollte das Treffen mit Berdimuhamedow nutzen, um Unterdrückung in der früheren Sowjetrepublik anzusprechen, sagte der Leiter der HRW-Abteilung Europa und Zentralasien, Hugh Williamson, der Deutschen Presse-Agentur.

Williamson prangert insbesondere drei Missstände in dem zentralasiatischen Land an: Das Verschwinden Dutzender Menschen in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren, Einschränkungen der Pressefreiheit sowie willkürliche Ausreiseverbote. Das Land mit seinen 5,2 Millionen Einwohnern gilt als fast so abgeschottet und diktatorisch wie Nordkorea. Auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen zur Pressefreiheit in 180 Ländern rangiert Turkmenistan auf dem drittletzten Platz.

Lange Zeit war Russland der größte Kunde der gewaltigen turkmenischen Gasreserven. Doch nach Streitigkeiten stellte der staatliche russische Konzern Gazprom den Kauf zu Jahresbeginn ganz ein, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete. Berdimuhamedow setze nun auf andere Länder wie China und Indien und neue Pipelines, darunter eine Leitung durch das Kaspische Meer Aserbaidschan und die Türkei gen Westen.

Kommentare (28)

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Herr Michael Müller

29.08.2016, 11:52 Uhr

Ein Thema könnte der Transport von politischen Gegnern = Flüchtlinge aus diesem Staat nach Deutschland sein. Um sich den langen Weg durch Afghanistan zu ersparen, könnte man diese doch gleich direkt mit dem Flugzeug abholen wie die Flüchtlinge aus der Türkei.

Herr Holger Narrog

29.08.2016, 12:03 Uhr

Recht, Menschenrechte und Menschenleben interessieren das Merkel System auch nur falls passend.

Man denke an die seltsame Immigrationsprozedur für Einwanderer (Flüchtlinge alias Schutzsuchende alias Asylanten) aus ärmeren Ländern. So müssen sich diese mit dem Schlauchboot ins Mittelmeer begeben. Die Überlebenden werden von der Marine gerettet und in Europa an Land gebracht von wo sich diese nach D durchschlagen müssen. Wenn man diese Mitmenschen nicht zurückschicken sondern in Sozialhilfe integrieren mag, böte es sich sachlich gesehen an diesen Mitmenschen VISA zu geben dass per Flugzeug

Herr Franz Paul

29.08.2016, 12:04 Uhr

Merkel könnte auch mal nach den vielen Autos im Fuhrpark der Präsidentenfamilie fragen.
Einige davon sollen aus Deutschland kommen. Und nicht unbedingt gekauft worden sein.....

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