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26.05.2012

13:35 Uhr

Diktatoren und Megaevents

Das Ende von Brot und Spiele

VonOliver Bilger

Megaveranstaltungen wie die EM oder der Eurovision Song Contest sind die moderne Form von Gladiatorenkämpfen, mit denen Autokraten ihr Volk ruhig halten. Doch Kiew und Baku zeigen, dass diese Rechnung nicht mehr aufgeht.

Früher sollten Gladiatoren das unterwürfige Volk beschäftigen, heute sind es Sportmeisterschaften und andere Megaevents. Reuters

Früher sollten Gladiatoren das unterwürfige Volk beschäftigen, heute sind es Sportmeisterschaften und andere Megaevents.

Kiew/BakuVielleicht muss Ilham Alijew Julia Timoschenko am Ende sogar ein wenig dankbar sein. Dafür, dass die Oppositionsführerin aus der Ukraine für einige Zeit den öffentlichen Druck vom Präsidenten Aserbaidschans nahm. Auf den ersten Blick mögen die zwei Politiker wenig gemein haben, Baku und Kiew liegen 2000 Kilometer auseinander. Doch beide Länder ziehen in diesen Tagen die internationale Aufmerksamkeit auf sich. Beide wollen sich der Welt als offenen, modernes Land präsentieren. Doch die Bemühungen drohen zu scheitern: wegen Julia Timoschenko und wegen Ilham Alijew. Die Diskussion um sie beschädigt das Image ihrer Länder.

Es gibt doch noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern: die ehemaligen Sowjetrepubliken richten gerade wichtige Großereignisse aus. In Baku ist die Endrunde des Eurovision Song Contest (ESC) gestartet, Samstagabend wird der Sieger ermittelt. In der Ukraine wird in kürze die Fußball-Europameisterschaft angepfiffen. Außerdem liegen beide Staaten für gewöhnlich abseits der großen Wahrnehmung, am Rande Europas, der für viele Menschen im Westen vor allem aus weißen Flecken besteht.

Mit Fußball und Gesang sollte sich das ändern. Die prestigeträchtigen Veranstaltungen sollten die Ausrichter aus dem Schatten Osteuropas ins Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit rücken – und dabei von ihrer besten Seite erstrahlen.

Dafür investierten die Regierungen sehr viel Geld: Für Stadien und Flughäfen, Straßen, Häuserfassaden und vieles mehr. Wie viel am Ende ausgegeben wurde, weiß niemand genau. Von mehr als einer halben Milliarde für alle Maßnahmen im Umfeld des ESC sprechen Experten in Baku. Präsident Alijew beschäftigt zusätzlich PR-Profis, die sein Land ins rechte Licht rücken sollen. Die Fußball-EM soll Kiew mit mehr als zehn Milliarden Euro das dreifache gekostet haben von dem, was ursprünglich angesetzt war. Überall dürfte Geld auch in dunklen Kanälen verschwunden sein.

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Baku und Kiew hoffen auf größere Aufmerksamkeit und auf damit verbundene Impulse für die Wirtschaft. Zehntausende Gäste sollen nach Aserbaidschan und in die Ukraine reisen, nicht nur zu den aktuellen Veranstaltungen, der Tourismus soll nachhaltig profitieren. Die neue Bekanntheit soll außerdem dazu beitragen, den Handel anzukurbeln und Investoren ins Land locken, welche bei der Modernisierung der Industrie und der Diversifizierung der Volkswirtschaft helfen können.

Kommentare (14)

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25.05.2012, 07:36 Uhr

So sehen eben die konkreten "Ergebnisse" aus, wenn verschiedene, von Korruption, Raffsucht, Lüge und Menschenverachtung Systeme (Politik der westlichen/BRD-Oligarchie, postsowjetische Clanmachthaber, selbsternannte Neureichen-Eliten, allen und allem anderen, als der Wahrheit verpflichtete Medienwirtschaften und das inzwischen gleichermaßen anrüchige Geschäft des "Sports") begegnen sich und produzieren eben ganau solche Ergebnisse.

omegalicht

25.05.2012, 08:19 Uhr

Geld regiert die Welt, ich werde mir diesem Mist nicht anschauen.
Im Garten bei einer Flasche Bier und Familie ist es sowieso am schönsten.

Ben

25.05.2012, 08:27 Uhr

Das Ende von Brot und Spiele ???
Tagtäglich hocken die meisten Menschen vor der Glotze und schauen sich jeden Mist an......
Wenn der verlogene Euro kollabiert gibt es Essensmarken - sind schon gedruckt
So ist der Pöbel zufrieden und randaliert nicht auf der Straße....

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