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11.04.2014

10:12 Uhr

Dimitris Droutsas

Griechenlands Ex-Außenminister wirft Merkel Inszenierung vor

Griechenlands Ex-Außenminister Dimitris Droutsas kritisiert den Merkel-Besuch in Athen. Droutsas wirft der Kanzlerin politisches Kalkül vor. Die Euphorie über Griechenlands Zugang zu den Finanzmärkten sieht er kritisch.

Der frühere griechische Außenminister Dimitris Droutsas: „Ich glaube nicht, dass Griechenland ohne einen weiteren großzügigen Schuldenschnitt in der Zukunft wieder auf eigenen Füßen stehen kann.“ AFP

Der frühere griechische Außenminister Dimitris Droutsas: „Ich glaube nicht, dass Griechenland ohne einen weiteren großzügigen Schuldenschnitt in der Zukunft wieder auf eigenen Füßen stehen kann.“

BerlinDer ehemalige griechische Außenminister Dimitris Droutsas hält den Besuch der Kanzlerin Angela Merkel am Freitag in Athen für eine Inszenierung im Europa-Wahlkampf. „Dieser Besuch von Frau Merkel in Athen ist ein rein politisch motivierter Besuch und ist leider sehr weit entfernt von dem, was der Bürger in Griechenland benötigt“, sagte Droutsas, der heute für die in Griechenland mitregierenden Sozialisten im Europäischen Parlament sitzt, dem Südwestrundfunk (SWR).

Der konservative Ministerpräsident Antonio Samaras brauche diese Visite, um zu zeigen, dass er „von den Mächtigen Europas“ anerkannt werde. Merkel wolle der deutschen Öffentlichkeit beweisen, dass ihre Krisenpolitik richtig sei.

Wenn Massenproteste außer Kontrolle geraten

Türkei

Die gewaltsame Räumung eines Protestcamps in Istanbul, mit dem die Zerstörung eines Parks am Taksim-Platz verhindert werden sollte, löst im Mai 2013 eine landesweite Protestwelle aus. Mittlerweile richten sich die andauernden Proteste vor allem gegen den autoritären Regierungsstil des islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Mehrere Menschen kamen bisher ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Bulgarien

Nach Massenprotesten und schweren Ausschreitungen in der Hauptstadt Sofia tritt die bulgarische Regierung im Februar 2013 zurück. Die Proteste richteten sich zunächst gegen hohe Strompreise, wandten sich dann aber immer stärker gegen Ministerpräsident Boiko Borissow. Hintergrund war die Unzufriedenheit über geringe Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit und Korruption.

Griechenland

Bei Massendemonstrationen von Hunderttausender gegen das massive Sparprogramm der Regierung sterben in der griechischen Hauptstadt Athen im Mai 2010 drei Menschen. Vermummte Randalierer hatten mit Molotowcocktails eine Bank in Brand gesetzt.

Serbien

Rund 200.000 Menschen demonstrieren im Februar 2008 gegen die Unabhängigkeit des Kosovos in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Mehrere tausend Randalierer demolieren Botschaften, plündern Geschäfte, zünden Autos und Busse an. Mindestens ein Mensch kommt ums Leben, mehr als 150 Menschen werden verletzt.

Frankreich

Der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei nahe Paris tödlich verunglückten, löst im Herbst 2005 eine Welle der Gewalt in französischen Einwanderervorstädten aus. Sporthallen, Geschäfte und tausende Autos gehen in Flammen auf. Tausende Randalierer werden festgenommen. Nach drei Wochen erklärt die Polizei die Unruhen offiziell für beendet.

Italien

Das Gipfeltreffen der führenden Industrieländer in Genua wird im Juli 2001 von der schwersten Welle der Gewalt in seiner Geschichte überschattet. Ein 23-jähriger Italiener stirbt bei den Straßenschlachten durch eine Polizeikugel. Globalisierungsgegner demolieren Büros, Geschäfte und Bankautomaten. Hunderte Menschen werden verletzt. Kritiker werfen der Polizei übertriebene Härte vor.

Dazu passten auch die Meldungen, dass Griechenland sich zum ersten Mal wieder Geld auf den Finanzmärkten beschafft habe. Vor allzu viel Euphorie über diese Entscheidung müsse aber gewarnt werden, sagte Droutsas. „Ich glaube nicht, dass Griechenland ohne einen weiteren großzügigen Schuldenschnitt in der Zukunft wieder auf eigenen Füßen stehen kann.“ Die EU müsse dies „schleunigst“ einsehen, um die Krise in Griechenland und die Krise des Euro lösen zu können.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 10:31 Uhr

Wieso wird Fr. Merkel von den Griechen attackiert? Fr. Merkel hat doch alle Schulden, auch für die Zukunft übernommen. Hat Fr. Merkel jemals verlangt die Politiker müssen auch privat haften? Nein!!! Hat Sie verlangt auch Reiche müssen Steuern zahlen? Sie betonte immer Deutschland zahlt alles!

Account gelöscht!

11.04.2014, 11:16 Uhr

„Ich glaube nicht, dass Griechenland ohne einen weiteren großzügigen Schuldenschnitt in der Zukunft wieder auf eigenen Füßen stehen kann.“ Die EU müsse dies „schleunigst“ einsehen, um die Krise in Griechenland und die Krise des Euro lösen zu können.

Hier liegt man leider völlig falsch. GR ist nicht der einzige Patient der Eurozone auf Intensiv. Es gibt jede Menge Euro Länder, die nicht in der Lage sind ihre Schulden zurückzuzahlen, ja sogar für die zu zahlenden Zinsen neue Schulden aufnehmen müssen.
So wird die Schuldsumme immer größer. Eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit heißt sofortige Insolvenz. Da hilft auch eine Unendlichkeitserklärung von Draghi nur kurzfristig weiter.

Wir sind auf einem guten Weg?
Wenn ich mir die Zahlen und ihre Entwicklung ansehe, glaube ich eher nicht.

Schönen Tag noch.

Account gelöscht!

11.04.2014, 11:22 Uhr

Deutschlandwrd nicht nur die Schulden aller klamen Eurozoneländer übernehmen, - sondern künftig auch die Renten, Arbeitslosengelder, Sozialversorgen usw.

Deutschland wird alles zahlen - alles !

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