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04.02.2015

21:59 Uhr

Diplomaten in Sorge

Nato berät über russische Atomwaffen-Strategie

Stärkung der Atomstreitkräfte: Die Diplomaten bei der Nato sind über die russische Atomwaffen-Strategie besorgt. Am Donnerstag sollen die Verteidigungsminister der Allianz zusammenkommen und darüber beraten.

Das Symbolbild zeigt ein russisches Nuklear-U-Boot: Diplomaten bei der Nato sind über die russische Atomwaffen-Strategie besorgt. ap

Russisches U-Boot

Das Symbolbild zeigt ein russisches Nuklear-U-Boot: Diplomaten bei der Nato sind über die russische Atomwaffen-Strategie besorgt.

BrüsselInmitten der Ukraine-Krise wachsen in der Nato die Sorgen über den Umgang Russlands mit seinen Atomwaffen. Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister soll am Donnerstag über eine Analyse zu dem Thema diskutiert werden, die von Experten des Militärbündnisses erstellt wurde.

Innerhalb der Allianz wächst Diplomaten zufolge die Sorge, dass das russische Militär die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen herabsetzen könnte. „Was uns am meisten an dieser Strategie beunruhigt, ist die Modernisierung der russischen Atomstreitkräfte, die verstärkten Manöver dieser Einheiten sowie die mögliche Kombination konventioneller Maßnahmen mit diesen Kräften“, sagte einer der Diplomaten. Eine solche Kombination schließe womöglich auch einen Einsatz von Atomwaffen in der sogenannten hybriden Kriegsführung ein.

Die Nato wirft Russland eine hybride Kriegsführung in der Ostukraine vor, wozu der Einsatz von Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, die Verbreitung von Falschinformationen sowie Hackerangriffe im Internet gehören. Die Militärführung der Nato überprüft deshalb ihre Strategie gegenüber Russland.

Die russische Strategie soll Diplomaten zufolge am Donnerstag beim turnusmäßigen Treffen der Nuklearen Planungsgruppe erörtert werden, zu dem alle Nato-Staaten außer Frankreich gehören. Auch beim gemeinsamen Mittagessen der Verteidigungsminister soll das Thema angeschnitten werden. Diplomaten zufolge dürften die Ressortchefs die möglichen Folgen der neuen russischen Haltung zunächst weiter erörtern, bevor eine Änderung der Nato-Atomstrategie erwogen werden könnte.

Der russische Stabschef Waleri Gerassimow hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass sein Land in diesem Jahr 50 neue atomare Interkontinentalraketen beschaffe. Die Stärkung der Atomstreitkräfte und der konventionellen Truppenteile garantierten, dass die USA und die Nato keine militärische Übermacht gewännen.

Der US-Beratungsgruppe ACA zufolge besitzt Russland rund 4500 Atomsprengköpfe für verschiedene Waffengattungen. Die USA kamen 2013 demnach auf 4800 Sprengköpfe. Von den anderen Nato-Staaten besitzt Frankreich weniger als 300 Atomsprengköpfe und Großbritannien weniger als 160.

Die Verteidigungsminister wollen am Donnerstag in Brüssel zudem die Beschlüsse des Nato-Gipfels von Wales vorantreiben. Dazu gehört der Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe für Osteuropa, um schneller auf Bedrohungen reagieren zu können.

Das Verhältnis zwischen Nato und Russland ist wegen der Ukraine-Krise so angespannt wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Im vergangenen Jahr stiegen nach Nato-Angaben Jäger des Militärbündnisses rund 400-mal auf, um russische Flugzeuge abzufangen. Die Vorfälle ereigneten sich weitgehend im internationalen Luftraum.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Herr Otto Pankrath

05.02.2015, 10:03 Uhr

Was haben wir aus den Konflikten der letzten Jahre gelernt?

Herr Joly Joker

05.02.2015, 10:05 Uhr

Also wenn die ATO meint, dass eine neue Nuklearstrategie nötig ist - dann lasst Deutschland 1000 Nukes mit entsprechenden Trägersysteme entwickeln. Da wir eh nicht in der Lage sind eisatzfähiges Kriegsmaterial zu entwickeln, bauen und einsatzfähig zu halten, braucht sich niemand gefährdet zu sehen und rein rechnerisch bleibt alles beim PATT,

Herr Otto Pankrath

05.02.2015, 10:05 Uhr

Das einzige was die USA vor dem Einrücken in fremde Länder hindert ist das Drohen mit Atomwaffen.
Was also sonst bleibt Russland weiter übrig als die Nato darauf hinzuweisen, dass Russland atomare Macht ist.

Dabei sollten wir aber auch beachten, dass die die am lautesten schreien diejenigen sind die bisher als einzige Nation Atomwaffen tatsächlich eingesetzt haben.

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