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12.06.2018

18:15 Uhr

Positive Stimmung beim historischen Gipfeltreffen. Reuters

Kim Jong Un und Donald Trump

Positive Stimmung beim historischen Gipfeltreffen.

Diplomatie

Der Trump-Kim-Gipfel ist ein erster Schritt auf einem Weg voller Tücken

VonMartin Kölling, Mathias Peer, Christoph Kapalschinski, Sha Hua, Annett Meiritz

Die historische Show in Singapur ist für Trump und Kim vor allem ein politischer PR-Erfolg. Der Weg zur totalen nuklearen Abrüstung ist weit.

Singapur, Peking, WashingtonDonald Trump reicht Kim Jong Un ein iPad, das einen Blick in eine glorreiche Zukunft verspricht: „Investitionen aus aller Welt“, verheißt ein Sprecher zu dramatischer Musik. „Medizinische Durchbrüche, ein Überfluss an Ressourcen und neue Technologien.“ Im Stil eines Blockbuster-Trailers führt Trump dem nordkoreanischen Diktator Bilder von Hightech-Zügen, Robotern und Drohnen vor.

„Wird dieser Mann den Fortschritt wählen und zum Helden seines Volkes werden?“, fragt die Stimme aus dem Off, während Bilder Kims zu sehen sind. „Wird er sich für ein großartiges Leben entscheiden oder für mehr Isolation? Die Zukunft muss noch geschrieben werden.“

Die bombastische Präsentation, die der US-Präsident ein paar Stunden nach seinem Treffen mit Kim Jong Un auch Journalisten vorspielt, hätte auch gut ins Finale einer Reality-TV-Sendung Trumps gepasst.

Trump sieht die Show-Einlage aber als durchaus ernsthaftes Angebot: Nicht nur Nordkorea könnte seiner Meinung nach von einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern profitieren, sondern auch der erst 35 Jahre alte Alleinherrscher ganz persönlich. „Der Vorsitzende Kim hat eine einmalige Chance.“

Das historische Treffen könnte die geopolitischen Verhältnisse in Asien dramatisch verändern. Gelingt die Befriedung des seit 70 Jahren schwelenden Konflikts zwischen der Hightech-Nation Südkorea und dem Steinzeit-Kommunisten im Norden, könnten die USA ihre Kräfte in der Region ganz neu aufstellen – und auch ihre Beziehungen zu China neu ordnen. Doch dafür muss sich erst noch erweisen, ob das kurze Papier vom Dienstag überhaupt halten kann, was es verspricht.

Noch ist es allerdings nicht so weit, allein die Möglichkeit ist da. Kim Jong Un hat seine erste Chance bereits genutzt: Dass er sich als erster nordkoreanischer Diktator ein Treffen mit einem amtierenden US-Präsidenten sicherte, ist ein enormer Propagandaerfolg, den ihm niemand mehr nehmen kann.

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Trump trat Kim in Singapur betont auf Augenhöhe gegenüber: Im Tagungshotel Capella hingen die nordkoreanischen Flaggen direkt neben den amerikanischen. Auf dem Weg ins Besprechungszimmer ließ Trump seinem halb so alten Amtskollegen den Vortritt. Er sei ein „talentierter Mann, der sein Land liebe“, sagte Trump über den Diktator, den er noch vor wenigen Monaten als „Rocket Man“ veräppelte.

Jetzt könnte Kim den Weg zurück in die Staatengemeinschaft finden. Im Gegenzug für eine kontrollierbare, schnelle nukleare Abrüstung könnten die Wirtschaftssanktionen abgebaut werden, stellte der US-Präsident in Aussicht.

Was hat Trump im Gegenzug bekommen? Wenig, zumindest wenn es nach der gemeinsamen Abschlusserklärung der beiden geht. Als „Vereinbarung ohne Substanz“ kritisierte Beatrice Fihn, die Chefin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, die Erklärung. „Der Reality-TV-Star Trump hat den Fototermin seines Lebens veranstaltet.“

Eine komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel ist das erklärte Ziel der US-Regierung. Kim Jong Un ließ sich aber nur auf ein schwammiges Versprechen ein: Nordkorea bekräftige das Bekenntnis, auf eine komplette Denuklearisierung hinzuarbeiten. Ähnliches ist von Nordkorea schon seit Jahren zu hören – ohne dass es bisher Fortschritte gegeben hätte.

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Das liegt auch daran, dass es immer noch strittig ist, was eine Denuklearisierung der Halbinsel bedeutet: Während Trump damit den Abbau aller Atomanlagen im Norden meint, dürfte Kim auch Schritte im Süden der Halbinsel erwarten.

Doch ist weiterhin unklar, ob die USA und Südkorea dazu tatsächlich bereit sind. Daran könnte die Vereinbarung letztlich sogar scheitern, warnt die Korea-Expertin Anna Kireeva, Professorin am Moskauer Staatsinstitut für internationale Beziehungen. „Die Abrüstung im Norden muss schrittweise reziprok mit Abrüstung im Süden einhergehen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die USA dazu bereit sind.“

Am Dienstag kündigte Trump zwar an, künftig auf die umstrittenen Militärmanöver mit Südkorea verzichten zu wollen – auch wegen der hohen Kosten. Die Sanktionen gegen Nordkorea würden aber aufrechterhalten, ebenso die volle Militärpräsenz der Amerikaner.

Andere sind optimistischer: Zhao Chu, ein Militärexperte in Schanghai, sieht in der Vereinbarung von Singapur ein Entgegenkommen an China. Als Beispiel nennt er den Verzicht auf die westliche Formulierung, die Abrüstung müsse verifizierbar sein. Zudem komme der angekündigte Verzicht der USA auf große Militärmanöver China entgegen – ebenso wie die Aussicht, den lästigen Verbündeten Kim nicht länger gegen die Amerikaner unterstützen zu müssen.

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Somit ist die Erklärung von Singapur eher eine erste Grundlage, Vertrauen aufzubauen. „Es ist nur ein kleiner Schritt auf einer langen Reise, die vor uns liegt“, sagte der konservative Vordenker Ed Feulner, Ex-Chef der amerikanischen Heritage Foundation dem Handelsblatt. Trump habe bewiesen, dass „America first“ nicht dunklen Isolationismus bedeute, sondern mentale Grenzen sprenge.

Kim selbst bezeichnete den Vertrag als Beginn einer neuen Zeit. Bei einer Sightseeing-Tour durch Singapur beschrieb er den wohlhabenden Stadtstaat als Vorbild für die künftige Entwicklung. Es scheint, als habe Trumps Video den jungen Diktator nicht unbeeindruckt gelassen.

Bei der Pressekonferenz in Singapur wird Trump immer wieder gefragt, wie er denn sicherstellen wolle, dass sich Kim Jong Un tatsächlich an die vagen Versprechen halten werde. Trump antwortet mit seinem Bauchgefühl: „Ich denke, er wird all die Dinge tun“, sagt er. Möglicherweise werde er in sechs Monaten zugeben müssen, falsch gelegen zu sein. Scherzhaft fügt er hinzu: „Das werde ich natürlich nicht machen, ich denke mir dann eine Ausrede aus.“

Kurz darauf steigt er in seine Präsidentenlimousine „The Beast“ und verlässt das abgeriegelte Hotelgelände. Das erste Straßenschild, das er zu sehen bekommt: „Vorsicht, Hindernisse im Weg“.

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Kommentare (1)

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Herr Hans Henseler

12.06.2018, 18:30 Uhr

Die nukleare Abruestung sollte fuer beide Vertragspartner gelten - also auch fuer die USA!
So etwas hatte Obama versprochen, wird mit Trump natuerlich nicht passieren. Aber die
Zukunft kann immer Ueberraschungen bringen. Wie waere es wenn die beiden Koreas in
ein enges Verhaeltnis traeten ohne die USA aber unter dem Schutz Chinas und Russlands.

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