Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2012

14:54 Uhr

Diplomatie

EU-Staaten ringen um Frist für Iran-Ölembargo

Großbritannien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande wollten dem Markt maximal drei Monate geben. Griechenland, das stark von iranischen Ölimporten abhängig ist, plädiere für einen Zeitraum von zwölf Monaten.

Petrochemischer Komplex im Südwesten des Iran. dpa

Petrochemischer Komplex im Südwesten des Iran.

BrüsselDer Zeitpunkt des Inkrafttretens eines Ölembargos gegen den Iran ist Diplomaten zufolge in der EU nach wie vor umstritten. „Es gibt einen ganzen Strauß von Ideen - von einem Monat bis zu einem Jahr“, sagte ein EU-Diplomat am Freitag in Brüssel.

Ein weiterer mit den Bratungen Vertrauter bestätigte die Bandbreite der Optionen, die bei den Beratungen der Mitgliedstaaten am Donnerstag zur Diskussion gestanden habe. Griechenland, das stark von iranischen Ölimporten abhängig ist, plädiere für einen Zeitraum von zwölf Monaten. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande wollten dem Markt maximal drei Monate zur Abwicklung laufender Lieferverträge Zeit geben, ergänzte er.

Atomstreit : Die Türkei ist Mittler zwischen Iran und dem Westen

Atomstreit

Die Türkei ist Mittler zwischen Iran und dem Westen

Der Iran steht im Verdacht, heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten. Ein Ölembargo soll Druck ausüben. Bisher hat das Land Gespräche abgelehnt. Der türkische Außenminister Davutoglu startet einen Vermittlungsversuch.

Die EU-Staaten sind sich prinzipiell einig, ein Einfuhrverbot zu verhängen. Der formelle Beschluss soll spätestens beim nächsten EU-Außenministertreffen am 30. Januar fallen. Die EU will so wie die USA mit dem Importverbot im Streit über das Atomprogramm des Landes den Druck verstärken, um die Regierung in Teheran vom Bau von Atomwaffen abzubringen. Der Iran streitet ab, die Kernkraft zu militärischen Zwecken nutzen zu wollen.

Der Exportanteil des zweitgrößte Ölproduzenten in der OPEC liegt bei 75 Prozent seiner Rohölgewinnung von 3,5 Millionen Barrel täglich. Die EU-Staaten sind nach China zweitgrößter Abnehmer. Durch die Sanktionen würde der iranische Ölexport nach Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur um fast ein Viertel einbrechen.

In der EU ist vor allem das am schwersten von der Schuldenkrise geplagte Griechenland von iranischen Ölimporten abhängig. Nach neuesten Daten bezieht es 22,6 Prozent seiner Öleinfuhren von dort. In Italien liegt der Anteil bei 13,3 Prozent. Außerdem hat der Iran nach Worten des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti Schulden beim italienischen Ölkonzern ENI in Milliardenhöhe, die mit Öllieferungen beglichen werden.

Die iranische Ölindustrie hatte erklärt, der Lieferausfall nach Europa sei zu verkraften. Doch die iranische Regierung drohte als Vergeltung für ein Ölembargo, die Meerenge von Hormus zum Persischen Golf und damit eine der weltweit wichtigsten Ölhandelsrouten zu schließen. Die iranischen Revolutionsgarden kündigten an, in Wasserstraße im Februar erneut Manöver abzuhalten. Der Konflikt ließ den für Europa maßgeblichen Brent-Ölpreis über 113 Dollar je Barrel verharren, obwohl die weltweite Konjunkturschwäche für Abwärtsdruck sorgt.

Von

rtr

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.01.2012, 15:25 Uhr

Empfehlenswert ist auch folgender Artikel auf Iranicum.com

http://iranicum.com/2012/01/iran-wirtschaft-eu-sanktionen-erdol/2250.html

WFriedrich

06.01.2012, 16:10 Uhr

Zitat: "Die EU-Staaten sind nach China zweitgrößter Abnehmer".
Iran wird das Embargo als Aufkündigung der bestehenden Verträge interpretieren. China, Indien und weitere Schwellenländer werden profitieren, weil der Preis für iranisches Öl fallen wird. Der Ausgleich für preisbedingte Verluste wird sicherlich durch höhere Fördermengen angestrebt. Was dann? Sanktionen gegen jene, die sich dem Embargo nicht anschließen, sind unwahrscheinlich, weil der eigentliche Konflikt dann zum Schaden der exportabhängigen Länder internationalisiert würde. Inzwischen haben sich die Beziehungen des Westens zum (vormaligen) extremen Schurkenstaat Birma entspannt. Diesem Beispiel gibt die vage Hoffnung, dass die Türkei erfolgreich im Iran-Konflikt vermitteln wird. Iran sollte die Vermittlung als Chance und als Weg aus der Sackgasse nutzen. Andere Ölproduzenten sollten die Verknappung des Ölangebotes nicht zu Preiserhöhungen ausnutzen, sondern die fehlende Menge durch Erhöhung der Fördermengen kompensieren. Dies gilt insbesondere für die ölfördernden EU-Staaten. Sie stehen in der Pflicht zu solidarischem Gemeinnutz gegenüber jenen EU-Ländern, die keine Selbstversorger sind. Die EU kann nun zeigen, dass sie ein weiteres Problem (neben der Euro-Krise) bewältigen kann.

Thomas-Melber-Stuttgart

06.01.2012, 17:20 Uhr

Griechenland soll seinen Ölbedarf zu 1/3 aus dem Iran decken - wer würde denn den Ausfall kompensieren? Griechenland soll froh sein, daß es dort noch anschreiben lassen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×