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06.06.2014

18:26 Uhr

Diplomatie

Hollande gelingt sein eigener D-Day

VonThomas Hanke

Hollande bringt wider Erwarten am Rande der D-Day-Feiern die Diplomatie voran: Wladimir Putin sprach mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Barack Obama. Das „D“ steht heute für De-Eskalation.

Hollande ist es gelungen, Obama und Putin, die sich seit mehreren Monaten aus dem Weg gegangen waren, zu einem Treffen zusammen zu bringen. AFP

Hollande ist es gelungen, Obama und Putin, die sich seit mehreren Monaten aus dem Weg gegangen waren, zu einem Treffen zusammen zu bringen.

ParisFrankreichs Präsident François Hollande hat die Feiern in der Normandie aus Anlass der alliierten Landung vor 70 Jahren zu seinem persönlichen D-Day gemacht. „D“ steht in diesem Fall für De-Eskalation. Hollande ist es wider Erwarten gelungen, am Rande des Mittagessens der Staats- und Regierungschefs aus 19 Ländern im Schloss Bénouville Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zu bewegen.

Das bedeutet die politische Anerkennung des neuen Staatschefs der Ukraine durch Russlands Staatsoberhaupt. Nach dem Gespräch gab der Kreml bekannt, beide Präsidenten riefen zum Ende der Gewalt in der Ostukraine auf. Der Westen will erreichen, dass Putin das Einsickern bewaffneter Separatisten aus Russland beendet und die Grenze sichert.

Anschließend gelang es Hollande auch, Obama und Putin, die sich seit mehreren Monaten aus dem Weg gegangen waren, zu einem Treffen zusammen zu bringen. Das Weiße Haus bemühte sich in einer Stellungnahme, dessen Bedeutung zu relativieren: Es habe sich nicht um ein formelles bilaterales Treffen gehandelt, sondern lediglich um ein zehnminütiges Gespräch.

Doch das ändert nichts an den Fakten: Während Obama noch am Donnerstagabend alles getan hatte, um Putin in Paris aus dem Weg zu gehen und Hollande sogar zu zwei getrennten Abendessen zwang, hat er sich am Freitag direkt mit ihm unterhalten.

Das Gespräch der beiden dauerte noch an, als Hollande sich mit einer Dreiviertelstunde Verspätung an den Strand von Ouistreham begab, wo Dutzende von Veteranen in sengender Sonne auf den Beginn der Feier warteten. Die Ehrengäste hatten bereits auf überdachten Tribünen Platz genommen.

Eine Viertelstunde nach Hollande verließ auch Putin das Schloss, um zum Strand zu fahren, an dem vor 70 Jahren die britischen Einheiten gelandet waren. Obama nahm sich noch etwas mehr Zeit. Eine Überraschung gab es beim Eintreffen der Kanzlerin: Angela Merkel wurde mit starkem Applaus begrüßt. Auch wenn sie in den Medien oft kritisiert wird: Die Kanzlerin ist bei Frankreichs Bevölkerung beliebt.

Laut einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Umfrage sehen 82 Prozent der Franzosen die Bundesrepublik als ihren wichtigsten und verlässlichsten Bündnispartner an. Die Gräuel der Nazis sind nicht vergessen, aber vergeben. Putin und Merkel waren auf der Ehrentribüne nahe beieinander platziert und besprachen sich intensiv. Die Kanzlerin hatte Putin bereits am Morgen für eine einstündige Unterredung in Deauville getroffen, Doch offenbar gab es nach den Gesprächen Putins mit Poroschenko und Obama genügend neuen Gesprächsstoff.

Kommentare (3)

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06.06.2014, 18:57 Uhr

Ein erfreulich sachlicher, dem Ereignis vor 70 Jahren angemessener Artikel. Europa hat im Gegensatz zu anderen kein Interesse einen neuen kalten Krieg anzuzetteln.

Hollande ist hier einmal zu loben, wenn er seine Diplomatie darauf ausrichtet,den Ukraine-Konflikt zu deskalieren. Man kann nur hoffen, das die andren Staatschefs inc. Obama das ähnlich sehen.

Amerikanische Außenpolitik ist allerdings auch immer US-Innenpolitik und hier steht Obama unter erheblichem Druck von Seiten der republikanischen Hardliner etwa vom Schlag eines McCain. Die Entwicklung der nächsten Wochen dürfte entscheidender sein für die Zukunft Europasals so mancher Zeitgenosse vermutet.

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06.06.2014, 19:30 Uhr

Zitat : Hollande gelingt sein eigener D-Day

- gestern noch hat man Putin auf dem G7 Treffen gemobbt, hat sich überboten in Abneigeaktionen gegen Putin, in Drohungen und Sanktionsansätze.

Heute überbietet man sich heuchlerisch in Bemühungen, mit Putin gesehen zu werden, sich mit ihm zu unterhalten, mit dem noch gestern verstoßenen zu sprechen.

Wenn das die westliche Politik und Eintracht sein sollte, so haben wir ein Kasperle Theater, das Putin bestens moderiert.

Unfassbar, wie dämlich die Westpolitiker und ihre medialen Vasalengefolgschaften sind.

Dieser D-Day wird wohl als der (D)ämlichste - Day aller D-Days in die Geschichte eingehen !

.

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06.06.2014, 20:48 Uhr

Die dummen Deutschen feiern ihre Niederlage und glauben deshalb moralisch überlegen zu sein.
Man muss sich nicht wundern wenn so eine Regierung keine nationalen Interessen mehr verfolgt.
Die Deutschen werden einen hohen Preis zahlen für das Versagen der Demokraten.

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