Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2013

13:35 Uhr

Diplomatische Spannungen

Israel und USA planen gemeinsames Manöver

Seit die Außenminister der UN-Vetomächte mit dem Iran erneut über ein Atomprogramm verhandeln, hat Israel protestiert. Jetzt will Israel mit einem gemeinsamen Manöver mit den USA eine Botschaft nach Teheran senden.

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr: Die Außenminister der fünf UN-Vetomächte hatten sich in der Nacht zum Sonntag mit dem Iran auf eine Übergangslösung geeinigt. dpa

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr: Die Außenminister der fünf UN-Vetomächte hatten sich in der Nacht zum Sonntag mit dem Iran auf eine Übergangslösung geeinigt.

Tel AvivIsrael und die USA planen nach einem „Time“-Bericht im kommenden Jahr ein großes gemeinsames Manöver. Israel sehe das im Mai vorgesehene Training als Botschaft an Teheran, berichtete das US-Magazin unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Repräsentanten. Das Manöver ist dem Bericht zufolge zum Ende der sechsmonatigen Verhandlungen der internationalen Gemeinschaft mit Teheran über ein umfassendes Atomabkommen geplant. Das israelische Verteidigungsministerium wollte am Donnerstag nicht unmittelbar auf den Bericht reagieren.

Die Außenminister der fünf UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschlands hatten sich in der Nacht zum Sonntag mit dem Iran auf eine Übergangslösung geeinigt. Teheran legt demnach sein umstrittenes Atomprogramm zunächst für sechs Monate auf Eis. Dafür werden internationale Sanktionen gegen das Land gelockert. Israel hat gegen die Übergangsvereinbarung auf das Schärfste protestiert und sie als „schlechten Handel“ kritisiert.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Israel wolle auch während der Verhandlungen „weiter Lärm machen“, sagte der israelische Repräsentant dem US-Magazin weiter. Die USA wollten Israel mit dem gemeinsamen Training wiederum vermitteln, dass sie weiter die Fähigkeit besitzen, militärisch gegen den Iran vorzugehen, sollte die Vereinbarung scheitern. Es sei eine „große Show der Fähigkeiten und der Zusammenarbeit“ geplant. Zwischen Israel und den USA war es angesichts des Streits um das Atomabkommen zu erheblichen diplomatischen Spannungen gekommen.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

spieler

28.11.2013, 18:18 Uhr

Israel und die USA sind unvertrauenswürdige Staaten

CBaerb

28.11.2013, 19:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

r-tiroch@t-online.de

29.11.2013, 11:03 Uhr

und bei dem Manöver wollen sie als Abschreckung und Warnung in der Wüste eine A-Bombe zünden, gell?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×