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06.01.2005

08:48 Uhr

Direkte humanitäre Hilfe effektiver

Australiens Premier rät von Schuldenerlass ab

Das von Bundeskanzler Gerhard Schröder angeregte Schuldenmoratorium oder gar ein Schuldenerlass für die von der Flutkatastrophe betroffenen Länder stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. „Es gibt keine Garantie, dass vergebene Schulden wirklich in Hilfe fließen“, sagte Australiens Premierminister John Howard.

HB NEU DELHI. Sein Land gehört dem Pariser Club westlicher Gläubigerländer an, die das Thema auf die Tagesordnung ihres Treffens am Mittwoch kommender Woche gesetzt haben. Über einen Schuldenerlass, der heute auch auf der Geberkonferenz in Jakarta diskutiert wird, kann nur einstimmig entschieden werden. Seine Regierung stelle den betroffenen Staaten lieber direkt Geld zur Verfügung, weil sie dann größeren Einfluss bei der Verwendung der Mittel nehmen könne, so Howard.

Indonesien und Sri Lanka, die beiden von der Flut am stärksten betroffenen Länder, sind arm und ächzen unter hohen Schulden. Deren Stundung würde die Haushalte entlasten und Spielraum für Wiederaufbauprojekte schaffen. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono begrüßt daher eine Umschuldung. Er verspricht, persönlich darüber zu wachen, dass Hilfsgelder nicht zweckentfremdet werden.

„Pauschale, indirekte Hilfe wie durch ein Schuldenmoratorium versickert leicht“, warnt dagegen Volkswirt Sanjeev Sanyal von der Deutschen Bank. Wie Howard sieht er direkte humanitäre Hilfe für genau definierte Projekte als effektiver an, weil sie sich besser überwachen lasse. Sowohl Indonesien als auch Sri Lanka zählen zu den korruptesten Ländern der Welt.

„Ein Erlass öffentlicher Schulden würde zurückliegende Sünden von Politikern belohnen“, gibt Sanyal zu bedenken. Angesichts der Not hält er eine Stundung im Fall von Indonesien und Sri Lanka allerdings für fair und hilfreich. Die finanzielle Hilfe dürfe aber nicht dazu führen, dass die Regierungen nötige Reformen verschleppten. Vor der Flut sahen Analysten Indonesiens größte kurzfristige wirtschaftspolitische Herausforderung darin, die exorbitanten Benzin- und Gassubventionen zu streichen. Sie fließen vor allem der Auto fahrenden Mittelschicht zu und beliefen sich im letzten Jahr auf fast sieben Mrd. Dollar. Damit fraßen sie einen Großteil der Investitionsmittel für Infrastruktur auf.

Indonesien hat sich aus den Folgen der Asienkrise vor sieben Jahren inzwischen herausgearbeitet. Zinsen, Inflation, Budgetdefizit und Schuldenlast sind Analysten zufolgen unter Kontrolle. In Sri Lanka ist die Lage kritischer: „Das Land wurde völlig aus der Bahn geworfen und hängt von internationaler Hilfe ab“, meint Sanyal. Einige Experten glauben sogar, es werde durch den Zufluss von Hilfsgeldern vor einer Zahlungskrise gerettet, die ihm sonst in diesem Jahr gedroht hätte. Denn vor der Flut hatten Geberländer milliardenschwere Hilfen auf Eis gelegt. Weil der Friedensprozess zwischen Regierung und Tamilenrebellen ins Stocken geriet, fürchteten sie, dass das Land in den Bürgerkrieg zurückfallen könnte.

Indien und Thailand verkraften die Auswirkungen der Flut Analysten zufolge besser. Beide Länder haben bislang nicht um ein Schuldenmoratorium gebeten. Indiens Währungsreserven übersteigen die 107 Mrd. Dollar an Auslandsschulden, die 21 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmachen. Thailands 57 Mrd. Dollar Schulden entsprechen 45 Prozent des BIP.

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