Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2017

17:12 Uhr

Ditib-Förderungen

Opposition übt scharfe Kritik an Ministerium

Der türkische Islamverband Ditib steht in Deutschland in der Kritik. Nicht nur wegen des Spitzelverdachts gegen Ditib-Imame. Das Familienministerium will Ditib wieder fördern - für die Opposition „schon fast ein Witz“.

Ditib ist mit etwa 900 Moscheen und rund 800.000 muslimische Mitgliedern der größte Islam-Dachverband in Deutschland. dpa

Ditib in Deutschland

Ditib ist mit etwa 900 Moscheen und rund 800.000 muslimische Mitgliedern der größte Islam-Dachverband in Deutschland.

BerlinDas Familienministerium hat die wegen einer Spitzelaffäre eingestellte Förderung des türkisch-islamischen Dachverbandes Ditib wieder aufgenommen - und erntete dafür heftige Kritik aus der Opposition.

Eine Ministeriumssprecherin begründete am Dienstag die Wiederaufnahme der Zahlungen von fast einer Million Euro bis zum Jahresende damit, „dass nach allen vorliegenden Erkenntnissen keine Verbindungen zwischen den geförderten Projekten und den vom Ermittlungsverfahren betroffenen Imamen besteht“. Damit bestehe kein Grund mehr und auch keine weitere rechtliche Grundlage, um die Fördergelder zurückzuhalten.

Die Zahlungen waren unterbrochen worden, nachdem der Verdacht aufgekommen war, Ditib-Imame hätten im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet in deutschen Moscheegemeinden Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt. Die türkische Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Der Generalbundesanwalt beantragte im Januar Haftbefehle gegen sechs Imame.

Spitzelvorwürfe gegen Ditib: Sechs Imame aus Deutschland abgezogen

Spitzelvorwürfe gegen Ditib

Sechs Imame aus Deutschland abgezogen

Die türkische Religionsbehörde Diyanet soll sechs Imame aus Deutschland abgezogen haben. Grund seien die Spitzel-Vorwürfe gegen den Moscheeverband Ditib. Sie sollen Anhänger der Gülen-Bewegung denunziert haben.

Ditib ist der größte Islam-Dachverband in Deutschland, er ist wegen seiner Nähe zur türkischen Führung aber politisch umstritten. Zu dem Dachverband zählen etwa 900 Moscheen und rund 800.000 muslimische Mitglieder.

Der Grünen-Politiker Volker Beck kritisierte: „Es kann nicht sein, dass man einem Verband, der in eine Spionage-Affäre verstrickt ist, weiterhin öffentliche Gelder zukommen lässt.“ Ditib habe in der Spionageaffäre gezeigt, wo ihre Loyalitäten seien. Dass man sich mit der Ditib-Zusicherung einer strikten Trennung zwischen den geförderten Modellprojekten sowie den vom Ermittlungsverfahren Betroffenen zufrieden gebe, „ist schon fast ein Witz“.

Die Linke-Politikerin Sevim Dagdelen hielt der Regierung vor, sie fördere „das Erdogan-Netzwerk in Deutschland, wenn sie ausgerechnet den von Ankara aus gesteuerten Moscheeverband Ditib mit Steuergeldern in Millionenhöhe unterstützt. Es ist absurd, vor der Burka zu warnen und gleichzeitig Erdogans Propagandisten für Diktatur und Islamismus unter die Arme zu greifen“.

Ditib und seine Bindung an die Türkei

Dachverband der Islam-Vereine

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. Er wurde 1984 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Köln. Nach eigenen Angaben vertritt Ditib rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime.

Aus- und Weiterbildung von Imamen

Der Verband begreift sich als eine überparteiliche Organisation, die sich zum Grundgesetz bekennt. Er engagiert sich unter anderem in der Integrationsarbeit sowie der Aus- und Weiterbildung von Imamen. Diese werden aus der Türkei entsandt und von Ankara bezahlt.

Aufgaben des Vorsitzenden

An der Spitze des Vereins steht der Theologe Nevzat Yasar Asikoglu. Der Vorstandsvorsitzende ist traditionell der Religionsattaché der türkischen Botschaft in Berlin. Zugleich vertritt er das staatliche Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) in Deutschland, das dem türkischen Ministerpräsidenten unterstellt ist.

Kritik

Kritiker bemängeln die enge Bindung von Ditib an die politischen Interessen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Bei den drei nun wieder geförderten Ditib-Projekten handelt es sich laut Ministerium um zwei Initiativen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und ein Projekt in der Flüchtlingshilfe.

Die Ministeriumssprecherin sagte, die Zusammenarbeit mit den Moscheen und muslimischen Akteuren sei notwendig, um Jugendliche zu erreichen und Präventionsarbeit zu leisten. „Diese Projekte sind für die Stärkung demokratischer Haltungen von elementarer Bedeutung.“ Im übrigen habe ihr Haus als einziges Ministerium der Bundesregierung die Fördergelder für Ditib eingefroren, als zu Beginn des Jahres Ermittlungen gegen Imame eingeleitet worden seien.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Heinz Keizer

02.05.2017, 17:42 Uhr

„schon fast ein Witz“
Wohl kaum! Das läßt sich an Dummheit doch wohl kaum noch überbieten. Die türkische Regierung betreibt in D einen Verein, der D unterwandern soll, und wir finanzieren den auch noch! Die zuständige Ministerin muß von der Kanzlerin sofort entlassen werden, wenn sie nicht zurück tritt. Es hätte nie eine Förderung geben dürfen. Wenn man anschaut, was Ministerin und Behörden in D (sich) zur Zeit leisten, wir werden international zur Lachnummer. Und diese Leute möchten im Herbst wieder gewählt werden?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×