Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.08.2013

14:23 Uhr

DIW-Chef Fratzscher

„Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt“

Ein neuer Schuldenschnitt für Griechenland – mitsamt einer zweistelligen Milliardenbelastung für den deutschen Steuerzahler: Dieses Szenario hält DIW-Marcel Fratzscher für wahrscheinlich.

Kommt ein neuer Schuldenschnitt: DIW-Präsident Fratzscher glaubt das. dapd

Kommt ein neuer Schuldenschnitt: DIW-Präsident Fratzscher glaubt das.

Frankfurt/MainDIW-Präsident Marcel Fratzscher rechnet fest mit einem weiteren Schuldenerlass für das krisengeplagte Griechenland. „Es ist klar, dass Griechenland früher oder später einen weiteren Schuldenschnitt brauchen wird“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin).

Es sei deutlich, dass die griechische Regierung immer noch nicht in der Lage ist, viele der wichtigen Reformen durchzuführen. Das gelte etwa für die Themen Privatisierung und Steuereinnahmen: „Man wird einige der gesetzten Ziele nicht erreichen.“ Das Thema komme spätestens zum Jahresende mit der nächsten Finanzierungslücke auf den Tisch.

Anders als beim ersten Schuldenschnitt im März 2012 dürften nach Fratzschers Überzeugung dieses Mal auch öffentliche Kreditgeber Geld verlieren: „Denn private Gläubiger gibt es kaum mehr.“

Was der Schuldenschnitt für wen bedeutet

Der Schuldenschnitt kommt

Das Votum der privaten Gläubiger für einen drastischen Forderungsverzicht sollte den Weg freimachen für eine Teilentschuldung des Landes und damit auch für ein neues Milliarden-Hilfspaket der Euro-Länder und des IWF. Was bedeutet das für die Beteiligten?

Für Griechenland

Wenn nun die Banken, Versicherungen, Fonds und andere private Gläubiger bis Ende des Jahrzehnts auf rund 107 Milliarden Euro aktueller und künftiger Forderungen verzichten, dann könnte der Schuldenberg des Landes und damit die Zins- und Tilgungslasten erstmals seit langem sinken. Mit all den Hilfen soll die Schuldenquote Griechenlands bis 2020 auf knapp über 120 Prozent gedrückt werden.
Zugleich ist der Forderungsverzicht der privaten Anleihegläubiger die zentrale Voraussetzung für die Freigabe eines neuen Hilfspakets.

Für die Banken-Gläubiger

Weil die privaten Gläubiger bei dem Schuldentausch erheblich länger laufende Anleihen mit relativ niedrigen Zinsen erhalten, verzichten sie auch auf künftige Zinserträge. Nominal verzichten sie auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. Sollten weitere Rettungsaktionen für Griechenland oder andere europäische Problemländer nötig werden, sollen die Banken nicht mehr gesondert behelligt werden. Der Grund ist: Der den Instituten abverlangte Verzicht hat den lange Zeit als sicherer Hafen geltenden Markt für Staatsanleihen der Euro-Länder massiv belastet.

Für Europa und die Euro-Länder

Mit dem Schuldenschnitt für Griechenland haben sich Europa und speziell die Euro-Länder zumindest eine Atempause verschafft. Das sollte Problemländer wie Italien und Spanien entlasten, die an den Märkten neue Kredite aufnehmen wollen. Zudem hofft die Euro-Zone darauf, damit Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und -bereitschaft der Europäer zurückzugewinnen.

Für die Weltwirtschaft

Die wichtigen Industrie- und Schwellenländer in Übersee, allen voran die USA und China, sowie der Internationale Währungsfonds drängen die Europäer seit Monaten, alles zu tun, die Schuldenprobleme zu lösen und damit einen großen Unsicherheitsfaktor zu beseitigen. Dabei spielt Griechenland bislang die Rolle eines Entzündungsherdes, der andere Länder der Euro-Zone zu infizieren droht. Wird der Herd erfolgreich bekämpft, so die Logik, verringern sich auch die Ansteckungsgefahren.

Für Deutschland

Größter deutscher Griechenland-Gläubiger ist die Münchner FMS Wertpapiermanagement, in der Risiken der verstaatlichten HRE gebündelt sind. Sie hält Anleihen des südeuropäischen Euro-Landes von über acht Milliarden Euro. Die darauf fälligen Abschreibungen belasten letztlich den deutschen Steuerzahler.
Wirtschaftlich könnte Deutschland davon profitieren, wenn Griechenland kein Unruheherd für Wachstum und Stabilität mehr ist. Sollte es gelingen, Griechenlands Wirtschaft dauerhaft zu stabilisieren, würden sich auch die Risiken aus Milliarden-Krediten und Garantien aus Hilfsprogrammen nicht zu echten Verlusten ausweiten.

Fratzscher schätzt, dass bis zur Hälfte der griechischen Staatsschulden früher oder später in einer oder der anderen Form abgeschrieben werden müssen. In welcher Größenordnung das Deutschland und damit die Steuerzahler treffen wird, sei schwer zu sagen. Aber Deutschland stehe mit 27 Prozent der Eurozonen-Kredite in der Schuld. Im Frankfurter Wirtschaftspresseclub ICFW sagte Fratzscher am Montagabend: „Es ist ein zweistelliger Milliardenbetrag über die nächsten Jahre, der auf Deutschland zukommen wird.“

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte von Mai 2010 an Hellas-Staatsanleihen. Ob die Notenbank anders als beim ersten Mal an einem zweiten Schuldenschnitt beteiligt werde, sei eine schwierige Frage, sagte Fratzscher: „Die EZB hat vorrangigen Gläubiger-Status. Aber das kann man sicher lösen, zum Beispiel indem die EZB die Anleihen an den (europäischen Rettungsfonds) ESM weitergibt.“

Klamme Hellenen: Helfen deutsche Urlauber den Griechen aus der Krise?

Klamme Hellenen

Helfen deutsche Urlauber den Griechen aus der Krise?

Viele Touristen wollen dem Land mit ihrem Reisebudget unter die Arme greifen. Doch dabei gilt es einiges zu beachten.

Um Begehrlichkeiten bei anderen Euro-Krisenländern wie Portugal oder Irland zu vermeiden, müsse der Schuldenschnitt allmählich ablaufen. So könnten Laufzeiten verlängert oder Zinsen gesenkt werden, statt von Schuldenschnitt werde man von Umschuldung sprechen. Zudem seien strenge Bedingungen notwendig, um den Reformdruck aufrecht zu halten: „Ich glaube nicht, dass es einen großen Appetit dafür gibt, diesen Schuldenschnitt schnell zu machen.“

Von

dpa

Kommentare (56)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

sindertal

06.08.2013, 14:35 Uhr

Merkel und Schäuble belügen uns. Nach der Wahl ist der Schuldenschnitt für Griechenland Realität. Wählt diese Altparteien endlich ab, diese Rechtsbrecher und Affärenaussitzer. Wir müssen die AfD stark machen, damit der Euro- und EU-Irrsinn endlich abgeblockt wird. Die AfD braucht dafür viele Stimmen, liebe Mitbürger! Die Blockparteien haben seit 4 Jahren alle enttäuscht!

Account gelöscht!

06.08.2013, 14:38 Uhr

PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist, ähnlich wie beim Solidaritätszuschlag, von unserem Finanzminister momentan die Diskussion verboten worden. Man hat sich also bitte damit zu gedulden, bis die Bundestagswahl stattgefunden hat.
Erst danach wird uns dann das Schäuble-Orakel sagen, wie es weitergeht.

Persönlich meine ich natürlich sagen zu müssen, dass ich am 22. September d.J definitiv und unwiderruflich die

ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND WÄHLE!

Account gelöscht!

06.08.2013, 14:41 Uhr

Griechenland braucht einen erneuten Schuldenschnitt.
So, so!
Und Portugal? Und Spanien? Und Italien?
Und was ist jetzt eigentlich mit Frankreich?
Da dreht sich doch in Kürze kein Rad mehr.

Mit wieviel % steht Deutschland für diese Schuldenberge der "Brüder- und Schwesterstaaten der EUdSSR" gerade?
Und wie war das mit den selbst anghäuften Schulden?

Wie blöd sind wir eigentlich, hier Tag für Tag, und immer dummdreister belogen, dabei mit zu machen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×