Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2015

11:39 Uhr

DIW-Vorschläge gegen die Schuldenkrise

Fünf-Punkte-Plan zur Rettung Griechenlands

VonMarcel Fratzscher und Alexander Kritikos

ExklusivSelbst wenn sich Athen und die EU einigen, bleiben die eigentlichen Probleme ungelöst. Wie Griechenland dauerhaft gerettet werden kann, skizzieren die DIW-Ökonomen Fratzscher und Kritikos in einem Gastbeitrag.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: „Die Höhe der griechischen Schuldenlast ist nicht das einzige Problem Griechenlands.“ dpa

DIW-Chef Fratzscher

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: „Die Höhe der griechischen Schuldenlast ist nicht das einzige Problem Griechenlands.“

BerlinDie neue griechische Regierung hat einen Antrag auf Verlängerung der Kredithilfen in Brüssel gestellt – offen ist allerdings immer noch, welche Verpflichtungen aus dem zweiten „Rettungspaket“, das am 28. Februar endet, in diese Übergangsvereinbarung einfließen werden. Am Freitag geht der Verhandlungsmarathon zwischen Griechenland und seinen Gläubigern über die weiteren Rahmenbedingungen in die nächste Runde - und mit Sicherheit nicht in die letzte.

Inzwischen dürfte vor allem eins klar sein: Die Höhe der Schuldenlast ist nicht das einzige Problem Griechenlands. Vielmehr steht die griechische Regierung vor der Aufgabe, eine koordinierte Strategie zu entwickeln, die zum einen die bestehenden Schulden vollständig tragfähig macht, aber vor allem die Modernisierung der Wirtschaft und seiner staatlichen Institutionen fortsetzt und beschleunigt.

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

Denn bis zum heutigen Tag macht Griechenland von seinen hochproduktiven Ressourcen zu wenig Gebrauch. Nur wenn dies gelingt, wird das Land die Krise beenden und seinen Bürgern eine bessere Zukunft bieten können.

Um dieses komplexe Ziel zu erreichen, sehen wir die Umsetzung der folgenden Punkte einer Strategie als Schlüssel für das Land:

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hartmut Dr. Schoenell

19.02.2015, 12:05 Uhr

Vertrauen ist im Fall Griechenland in den letzten Jahren fahrlässig verspielt worden. Es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Fünf-Punkteplan überhaupt in Erwägung gezogen wird. Vertrauen erreicht man im Fall Griechenland nicht durch neue Versprechungen für die Zukunft. Daher ist es notwendig, diese Versprechen zeitgleich mit entsprechenden Maßnahmen zu unterlegen. Solange dies ausbleibt und durch Polemik, unhaltbare Versprechungen sowie ansatzweise durch doppeldeutige "Tricks" (Kredithilfe ja, Hilfsfond nein) unterlaufen wird, sehe ich keine Grundlage für einen Fünf-Punkteplan. Griechenland ist sozusagen Schuldner auf Bewährung und da bedarf es dringend eines Bewährungshelfers, der mit stringenter Kontrolle beiseite steht. Solange Griechenland das ablehnt, muss es gegenwärtigen, dass es aus dem System hinaus komplementiert wird - selbstverständlich mit der nötigen Unterstützung des Restes der übrigen Euro-Staaten.

Herr Thomas Behrends

19.02.2015, 12:19 Uhr

Der Zug ist längst abgefahren und das müsste dem letzten Optimisten lange klar sein.

Ich sehe persönlich nicht ein, dass unsere erwirtschafteten Steuergelder für ein marodes EU-Land (Griechenland) verschwendet werden und plädiere deshalb für einen Schuldenschnitt. Lieber eine faule Forderung abschreiben, als schlechtem Geld gutes hinter her zu werfen.

Wie gesagt, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende ...

Man muss den sog. Wirtschaftswissenschaftlern (Wirtschaft = Pseudowissenschaft) vorwerfen im Interesse von Banken, Versicherungen sowie Wohlhabenden in Europa Falschmeldungen zu verbreiten. Das Märchen von der "Rettung Griechenlands" ist ein billiges Ablenkungsmanöver, um deren Pfründe zu sichern.

Account gelöscht!

19.02.2015, 12:35 Uhr

Fratschzer der Quatscher. Ein ganz schlimmer, redet von Sachen, von denen er NULL Ahnung hat. Die Griechen hatten 15 Jahre Zeit sich im EUR-Raum zu positionieren, ds einzige, was dort in der Zeit gewachsen ist: Selbstbedienung und Korruption. Und nicht mal nach dem ersten Schuldenschnitt vor 5 Jahren hat sich etwas zum Besseren verändert, im Gegenteil, die Steuermoral ist auf dem niedrigsten Stand angekommen. Ordnungspolitik hat schon seinen Grund, aber stattdessen wird nur noch Sozialismus propagiert und Finanzsozialismus. Europa zerlegt sich gerade selbst!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×