Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2011

12:30 Uhr

Dokumentation

„Der Euro benötigt eine europäische Lösung“

Rund 100 Politiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute aus Europa und den USA fordern im Kampf gegen die Schuldenkrise radikalere Lösungen. Wir dokumentieren ihren Offenen Brief im Wortlaut.

Ex-Außenminister Joschka Fischer. dpa

Ex-Außenminister Joschka Fischer.

Die Eurokrise muss sofort gelöst werden. Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus. Der Euro ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Dies hat die derzeitige Krise gezeigt.

Als Reaktion darauf muss man jedoch die Konstruktionsfehler beheben statt zuzulassen, dass durch die Krise das globale Finanzsystem untergraben oder womöglich zerstört wird.

Als besorgte Europäer rufen wir die Regierungen der Eurozone dazu auf, prinzipiell die Notwendigkeit eines rechtlich bindenden Abkommens anzuerkennen, das die folgenden Punkte enthält: erstens, die Errichtung eines gemeinsamen Finanzinstituts, das dazu in der Lage ist, finanzielle Mittel für die Eurozone als Ganzes zu beschaffen und sicherzustellen, dass die Mitgliedsstaaten die Haushaltsdisziplin respektieren; zweitens, die

Verstärkung der gemeinsamen Überwachung und Regulierung (des Finanzsystems) und der Einlagensicherung innerhalb der Eurozone; und drittens die Entwicklung einer Strategie, die sowohl wirtschaftliche Konvergenz als auch Wirtschaftswachstum erzeugt, da das Schuldenproblem nicht ohne Wachstum gelöst werden kann.

Bis ein rechtlich verbindliches Abkommen ausgehandelt und ratifiziert ist,  müssen die Regierungen der Eurozone die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer verstärkten Zusammenarbeit ermächtigen, damit die Krise unter Kontrolle gebracht werden kann. Diese Institutionen wären  dadurch in der Lage, die Stabilität des Bankensystems in der Interimszeit zu garantieren und ihm  schließlich Kapital zuzuführen. Außerdem würden sie es in dieser Zeit in Bedrängnis geratenen  Ländern ermöglichen, innerhalb vereinbarter Obergrenzen ihre Schulden fast kostenfrei zu refinanzieren, indem diese kurzlaufende Schuldverschreibungen begeben die bei der EZB rediskontiert werden können.

Offener Brief: Soros bringt die Elite gegen Finanzkrise in Stellung

Offener Brief

exklusivSoros mobilisiert gegen Finanzkrise

George Soros mobilisiert etwa 100 Unterstützer im Kampf gegen die Finanzkrise. In einem offenen Brief fordern Politiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute radikalere Lösungen. Dazu bekennen sich auch einige Deutsche.

Wir rufen die Parlamente der Euroländer dazu auf, anzuerkennen, dass der Euro eine europäische Lösung benötigt. Das Streben nach nationalen Lösungen führt unweigerlich zum Zusammenbruch .

Die Unterzeichner:

Asger Aamund (Denmark)

 Martti Ahtisaari (Finland)

Anders Aslund (Sweden)

Gordon Bajnai (Hungary)

Peter Bofinger (Germany)

Svetoslav Bojilov (Bulgaria)

Emma Bonino (Italy)

Maria Cattaui (Greece/Switzerland)

Daniel Cohn-Bendit (Germany)

Bertrand Collomb (France)

Massimo D’Alema (Italy)

Daniel Daianu (Romania)

George David (Cyprus/Greece)

Jean-Luc Dehaene (Belgium)

Pavol Demes (Slovakia)

Tibor Dessewffy (Hungary)

Andrew Duff (UK)

Hans Eichel (Germany)

Joschka Fischer (Germany)

Timothy Garton Ash (UK)

Anthony Giddens (UK)

Heather Grabbe (UK)

Jean-Marie Guéhenno (France)

Alfred Gusenbauer (Austria)

Charles Goodhart (United Kingdom)

Chris Haskins (UK/Ireland)

Pierre Hassner (France)

Steven Heinz (Austria)

Francois Heisbourg (France)

Diego Hidalgo (Spain)

Michiel van Hulten (The Netherlands)

Jaakko Iloniemi (Finland)

Wolfgang Ischinger (Germany)

Minna Jarvenpaa (Finland/US)

Mary Kaldor (UK)

Glenys Kinnock (UK)

Gerald Knaus (Austria)

Fiorella Kostoris (Italian)

Bernard Kouchner (France)

Ivan Krastev (Bulgaria)

Mark Leonard (UK)

Gerard Lyons (UK)

George Magnus (UK)

Tadeusz Mazowiecki (Poland)

Dominique Moisi (France)

Kalypso Nicolaidis (Greece/France)

Christine Ockrent (Belgium)

Dick Oosting (The Netherlands)

Mabel van Oranje (The Netherlands)

Ana Palacio (Spain)

Julian Priestly (UK)

Andrew Puddephatt (UK)

Hélène Rey (France)

George Robertson (UK)

Albert Rohan (Austria)

Dariusz Rosati (Poland)

Olivier Roy (France)

Daniel Sachs (Sweden)

Giuseppe Scognamiglio (Italy)

Narcís Serra (Spain)

David Simon (UK)

Aleksander Smolar (Poland)

Javier Solana (Spain)

Pedro Solbes (Spain)

George Soros (Hungary/US)

Ion Sturza (Romania)

Paweł Swieboda (Poland)

Loukas Tsoukalis (Greece)

Guy Verhofstadt (Belgium)

Vaira Vike-Freiberga (Latvia)

David Vines (UK)

Antonio Vitorino (Portugal)

Norbert Walter (Germany)

Stephen Wall (UK)

Carlos Alonso Zaldívar (Spain)

Stelios Zavvos (Greece)

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Radek

12.10.2011, 15:59 Uhr

Ich vermisse auf der Liste Dominique Strass-Kahn. "Eine Krise ist auch eine Chance". Na, im Herzen wird er dabei sein. Und "Elite" ist er auch, wenn auch eine der besonderen Art.

Radek

12.10.2011, 16:22 Uhr

Auf der Liste vermissse ich Dominique Strauss-Kahn. "Jede Krise ist auch eine Chance". Er passt sehr gut in diesen Kreis. Na, im Herzen wird er dabei sein gehörte oder gehört er doch auch zur "Elite", wenn auch einer der besonderen Art.

Rainer_Zufall

12.10.2011, 21:57 Uhr

Die Finanz- und Wirtschaftselite will der Bevölkerung eine zentrale EUR-Diktatur aufdiktieren. Wir haben keine Euro-Krise, sondern ein Kreditproblem der finanzierenden Banken, die sich über Jahre schwindlig verdient haben, ohne ausreichend Vorsorge zu treffen.
DAS muss gelöst werden.
Wir haben immerhin 10 der 27 EURO-Staaten, die ihre eigene Währung behalten haben und gut damit gefahren sind. Sind das die schlechteren Europäer? Warum wird das Schuldenproblem der Banken als EURO-Problem umdeklariert und eine europäische Zentralgewalt zur "EUR-Rettung" (Bankenrettung) zur Frage nach Krieg und Frieden hochstilisiert. Es gibt immer Alternativen.
Hier wird eine Krise inszeniert, um das große Ziel eines europäischen Zentralstaates mit Wucht und "alternativlos" durchzubringen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×