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11.09.2011

10:44 Uhr

Dokumentation

„Dies ist ein zweites Pearl Harbour“

VonTorsten Riecke, Gertrud Hussla , Michael Backfisch

Vor zehn Jahren wurde die USA von den Anschlägen des 11. Septembers erschüttert. Am 12.9.2001 erschien im Handelsblatt dieser Text der drei damaligen US-Korrespondenten - ein Zeitzeugnis aus dem Zentrum der Katastrophe.

Der United-Airlines-Flug 175 trifft den Südturm des World Trade Centers in New York. Reuters

Der United-Airlines-Flug 175 trifft den Südturm des World Trade Centers in New York.

New YorkFür Vito Sacchieri beginnt jener unvergessliche Tag des 11. September mit einer Routinefahrt zum World Trade Center. Seine weiße Limo bewegt sich wie ein Schlachtschiff durch die Straßen Manhattans, in seinem Fond zwei Manager der Investment-Bank UBS Warburg. Es ist 8.46 Uhr, als Vito die beiden Banker in einen der beiden 414 Meter hohen Türme hineingehen sieht. Ein kurzer Blick, ein Knall. „Die beiden Männer waren gerade im Hochhaus verschwunden, als brennende Trümmer auf mein Auto stürzten.“

Vito hat überlebt, die beiden Banker hat er nicht mehr gesehen. Jetzt heulen die Sirenen der Feuerwehrwagen und Polizeiautos ums World Trade Center, an dem, wie an jedem Werktag, fast 50 000 Menschen arbeiten. Und während die Menschen aus den umliegenden Büros des Finanzdistrikts laufen und ungläubig nach oben starren, versteht Vito langsam, was passiert ist. Ein Flugzeug, es war, wie man später weiß, eine Boeing der American Airlines, hat einen Turm des World Trade Centers gerammt. Wenig später werden weitere drei Flugzeuge auf die USA gestürzt sein, und das stolze Land erlebt einen Angriff wie seit Pearl Harbour nicht mehr. An einem schönen Septembermorgen, dessen blauer Himmel sich über der Südspitze Manhattans hässlich grau färbt wie nach einem Sandsturm in der Wüste.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

08.38 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

08.46 Uhr

Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

09.03 Uhr

Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

09.30 Uhr

US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

09.37 Uhr

Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

09.45 Uhr

Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

09.59 Uhr

Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

10.03 Uhr

Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

10.28 Uhr

Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

12.39 Uhr

Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

13.50 Uhr

Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

15.35 Uhr

Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

17.20 Uhr

Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

20.30 Uhr

Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

Es ist Krieg in Manhattan. Der Albtraum aller Amerikaner ist Wirklichkeit geworden: Internationale Terroristen haben die USA angegriffen. In New York, in Washington und sogar in Pennsylvania, 150 Kilometer südöstlich von Pittsburgh, wo eine entführte 757 der United Airlines auf dem Flug zwischen Newark und San Francisco in Rauch aufgegangen ist.

Jane, eine etwa 30 Jahre alte schwarze Frau aus New York, hat sich in ein Schnell-Restaurant in der Liberty Street geflüchtet. Es ist überfüllt, Menschen schauen ungläubig auf das World Trade Center. Draußen regnet es weiter Asche, Teile des Hochhauses fallen vom Himmel wie glühende Briketts. „Ich habe so viele Kollegen da oben“, sagt Jane weinend und zeigt auf den Turm vor ihren Augen. An Janes Hals hängt noch ihr Sicherheitsausweis; das World Trade Center galt als bestgesichertes Bürogebäude der Welt. Der Koch des Restaurants läuft aus der Küche. „Das waren Terroristen“, schreit er.

Es ist 9.04 Uhr. Seine Stimme wird übertönt von einer neuerlichen Explosion. Scheiben des Restaurants zerspringen. Immer mehr Menschen drängen in den Schnell-Imbiss. „Ein zweites Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen“, schreit ein Mexikaner.

Kommentare (3)

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Pendler

11.09.2011, 11:31 Uhr

Schrecklich
einfach schrecklich

bisher haben nur die Amis den anderen den Tod gebracht
nun kam der Tod aus der Luft auch zu ihnen

PeterM

11.09.2011, 11:48 Uhr

Es ist schwierig Feinde, die aus den eigenen Reihen kommen, zu bekämpfen. Der erste Schritt muss jedoch sein diese zu erkennen: http://www.youtube.com/watch?v=JtbBd35G-u8

Pendler

11.09.2011, 19:18 Uhr

Die dt. Zivilisten hatten auch keine Chance, es war zu schwierig.

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