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20.10.2011

16:17 Uhr

Dombret-Rede

Rettungsfonds muss kein Musterschüler sein

Verzweifelt suchen Europas Politiker nach Wegen, um die Schlagkraft des Rettungsfonds zu erhöhen. Dabei spielt die Sorge um Frankreichs Bonität eine große Rolle. Ein neuer Vorschlag soll dagegen vorbeugen.

Eine Frau steht mit einem blauen EU-Schirm. dpa

Eine Frau steht mit einem blauen EU-Schirm.

Frankfurt/BerlinBundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret schlägt zur Lösung des Streits um eine höhere Schlagkraft des Euro-Rettungsschirms EFSF einen Verzicht des Fonds auf eine Top-Bewertung der Ratingagenturen vor. Dadurch könnten mehr Mittel als die aktuell verfügbaren 440 Milliarden Euro freiwerden, sagte Dombret am Donnerstag laut Redetext in Berlin. Die bisher diskutierten Vorschläge, etwa eine Hebelung des Fonds, seien problematisch. „Mit dem Verzicht auf das AAA-Rating steht dagegen ein Weg bereit, der das Ausleihvolumen der EFSF ebenfalls erhöhen würde.“

Bislang liegt das Garantievolumen des Rettungsfonds bei 780 Milliarden Euro. Davon kommen jedoch nur 440 Milliarden Euro von Ländern mit der Top-Bonität AAA. Da EFSF- Chef Regling bei der Einrichtung des Fonds darauf bestanden hatte, das sich dieser zur Top-Note refinanzieren muss, kann nur dieses Volumen ausgeschöpft werden. Bislang trägt auch Frankreich mit seiner Top-Bonität zur Garantie der 440 Milliarden Euro bei.

Viele Experten fürchten jedoch, dass auch Frankreich seine Top-Bonität verlieren könnte. Dombret ist deshalb wohl auch von dieser Angst getrieben. Denn wenn Frankreich sein Top-Rating verliert, würde das Garantievolumen des Rettungsfonds weiter sinken. Sollte sich der Fonds dagegen auch mit einer eine schlechteren Bonitätsnote zufrieden geben, wäre dies kein Problem.

Dombret stellt die Top-Bonität für den Fonds in Frage: „Im Gegensatz zu einer Hebelung wären bei einem Verzicht auf die Bestbewertung die Risiken für den Steuerzahler geringer. Die etwas niedrigere Bonitätseinstufung der EFSF-Anleihen würde zwar die Refinanzierungskosten des EFSF etwas erhöhen. Diese Kosten wären aber von den Hilfe empfangenden Ländern zu tragen.“ Somit würden zugleich die Anreize für eine schnelle Rückkehr an den Kapitalmarkt dieser Länder erhöht.

Die Teilkasko-Lösung für den Rettungsschirm

Verlustabsicherung

Im Streit über eine Hebelung der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF favorisiert Deutschland ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen. Nach dem Konzept würden 20 bis 30 Prozent des Emissionsvolumens neuer Anleihen von Ländern, denen hohe Finanzierungskosten am Markt drohen, vom EFSF gegen Verluste abgesichert.

Alternativen abgelehnt

Ein Insider bestätigte, Alternativen wie die einer Banklizenz für den EFSF seien verworfen, weil dies die Mitwirkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erfordere, die das aber ablehne.

Restrisiko beim Investor

Der Fonds könnte mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro etwa für Spanien oder Italien sicherstellen. Der EFSF würde jedoch nur für die 20 Milliarden Euro haften, das Restrisiko liegt beim Investor.

Zinsrückgang erwünscht

Als Nebenwirkung erhoffen sich die Politiker einen Rückgang der stark gestiegenen Zinsen auf schon umlaufende Staatspapiere.

Entscheidung erst im Bedarfsfall

Beim Euro-Gipfel werde eine Größenordnung für die geplanten Garantien aber nicht festgelegt, sondern darüber im Einzelfall entschieden, sagte Sony Kapoor von der Beratungsfirma Re-Define. Der Experte hatte das Garantiemodell vorgeschlagen und berät unter anderem die Bundesregierung. Der EFSF müsse sich Flexibilität bewahren. Der abgesicherte Verlust werde vom jeweiligen Land, der Anleihelaufzeit und der aktuellen Marktlage bei der Ausgabe der Anleihe abhängen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.10.2011, 16:38 Uhr

Das alles wird immer absurder.Diese Menschen sind keine Experten.Ich habe bis jetzt von keinem gehört, wie man die Bombe entschärfen kann.Meine Hoffnung ist, dass China,Russland und Co. uns mächtig Druck machen-anders wird es nicht gehen.Europa hat die zweite Reservewährung der Welt geschaffen und jetzt riskiert sie deren Kollaps.Die Inkompetenz unserer Politiker droht 30% der Kapitalbasis der Welt zu sprengen und die Zentralbanken von Länder auf dem ganzen Globus zu destabilisieren-50% der Reserven Russlands sind in euros angelegt,30% bei China-das sind Größenordungen die zwischen 10-20% des BIPs liegen.Merkel und Sarkozy und all die anderen Clowns haben eine Verantwortung nicht nur gegenüber ihre eigenen Bevölkerung-mit doesen Schwachsinn werden wir Wirtschaften auf den ganzen Welt entkapitalisieren.

sporty_BN

20.10.2011, 16:42 Uhr

Wenn die "Eier in den Hosen" hätten, würde die endlich mit dem Reset beginnen. Leute, wir sind überschuldet, wir leben nur noch von Krediten!

Die Politiker haben uns verkauft!

Startet endlich das System neu!!

Account gelöscht!

20.10.2011, 16:57 Uhr

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Wenn's wenigstens Papier wäre, könnte man sich noch den Arsch damit abputzen. Es sind nur Bits und Bytes.

In der Weimarer Republik hatte man wenigstens noch das Hindernis viel Papier aufbringen und drucken zu müssen, aber heute ?
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