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22.08.2011

15:51 Uhr

Dominique Strauss-Kahn

Aus dem Hausarrest in den Pariser Wahlkampf

Wahrscheinlich wird der New Yorker Staatsanwalt das Vergewaltigungsverfahren gegen den Ex-IWF-Chef einstellen. Damit könnte er schon bald in den französischen Wahlkampf eingreifen - doch ihm drohen zwei weitere Klagen.

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Nafissatou Diallo auf dem Weg ins Gericht. Quelle: dapd

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Nafissatou Diallo auf dem Weg ins Gericht.

New YorkIm Mai saß er in Untersuchungshaft, nun wird er wahrscheinlich bald wieder ein freier Mann sein: Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, werden vermutlich fallen gelassen. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu zunächst nicht. Strauss-Kahn wurde im Mai in New York festgenommen, weil er dort eine Hotelangestellte sexuell angegriffen haben soll und daraufhin als IWF-Chef zurückgetreten. Er saß knapp eine Woche in Haft, ehe er in einem New Yorker Stadthaus unter Hausarrest gestellt wurde.

Das Büro des zuständigen New Yorker Staatsanwalts Cyrus Vance hat das mutmaßliche Opfer Nafissatou Diallo laut ihren Anwälten für Montagnachmittag (Ortszeit) vorgeladen, um ihr den Status des Verfahrens mitzuteilen - einen Tag vor einer neuen Anhörung in dem Prozess. Die New Yorker Staatsanwaltschaft werde der Beschuldigerin am (heutigen) Montag wahrscheinlich erklären, dass sie den Fall wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau und aus Mangel an Beweisen nicht weiter verfolge, teilte eine informierte Quelle der Nachrichtenagentur AP mit.

Thompson will zwar in einem außergewöhnlichen Schritt die förmliche Ernennung eines Sonderstaatsanwalts beantragen, weil seiner Auffassung nach das Büro der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance den Fall schlecht gehandhabt habe. Thompson warf Vance und  seinem Büro darüberhinaus vor, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo wie eine Angeklagte und nicht wie ein Opfer behandelt zu haben.

Rechtsexperten sagten der New York Times, Thompsons Schritt werde aller Voraussicht nach scheitern, da seine Mandantin zu einer derartigen Forderung gar nicht berechtigt sei. „Wir nennen das ADV: Ein Akt der Verzweiflung“, sagte Stephen Gillers von der New York University dem Blatt.

Doch auch wenn der Strafprozess gegen Strauss-Kahn am Montag ein Ende finden sollte, ist er damit juristisch und politisch noch lange nicht aus dem Schneider. Denn das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer hat Strauss-Kahn auch vor einem Zivilgericht in der Bronx auf Schadensersatz verklagt - dort könnte er auch in Abwesenheit zu einer heftigen Geldstrafe verurteilt werden.

Denn in dem Verfahren gelten grundsätzlich andere Beweisstandards. In einem US-Strafverfahren müssen die Ankläger die Jury über berechtigte Zweifel hinaus von der Schuld des Angeklagten überzeugen. In einem Zivilverfahren müssen die Beweise lediglich überwiegen.

Zudem kann eine Verweigerung der Aussage in einem Zivilverfahren als Eingeständnis gewertet werden, dass der Angeklagte etwas zu verbergen hat. Die Jurys in der Bronx seien zudem berüchtigt dafür, hohe Schadensersatzsummen zuzusprechen, besonders wenn das mutmaßliche Opfer Mitglied einer Minderheit und der vermeintliche Täter jemand mit Macht und Einfluss sei, sagte Paul Callan, Ex-Anwalt von O.J. Simpsons ermordeter Ex-Frau Nicole Brown, der Nachrichtenagentur Bloomberg. 

Kommentare (1)

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thomvsee

22.08.2011, 19:37 Uhr

Alternative a: einen reichen Prominenten abzukassieren. Ofper abwarten.
Alternative b: eine stattgefundene Vergewaltigung, für sich zu nutzen um daraus Kaptial zu schlagen. Vielleicht aufgrund der Hektik der sich überschlagenden Ereignisse nicht eben durch gewiefte Beratern begeleitet.
Alterantive c: war gegen Geld einvernehmlich bis zu einem Punkt der Gewalt.
Alternative a: das überstürzte und einem für das ja vorsehbare nachfolgende Szenario im voraus abgestimmtes Verhalten und Telefonate Stillhalten
..passt nicht oder der/die Organisatoren waren selbst überrascht. keine weiteren Überlegungen dazu
Alternative b: verwerflich ja, Gewalt aber auch ja
Alternative c: gekaufter Sex rechtfertigt auf keinen Fall Gewalt
Warum eine eingeschränkte Glaubwürdigkeit der Anklägerin (mir ist nicht bekannt, dass die Anklägerin nachweislich zun den Hauptanklagepunkten gelogen hat oder Beweise durch ihre Person gefälscht wurden) oder die Befürchtung der Staatsanwaltschaft den angestrengten Prozess zu einem Gewaltdelikt verlieren zu können, eine Verhandlung gar nicht erst aufleben lässt mus ich verstehen oder nicht.
Wozu dient dann ein Gerichtsvefahren wenn nicht hier und eben exklusiv hier versucht wird der Wahrheit näher zu kommen. Für mein Geschmack mit mehr Ausschluss der Öffentlichkeit im Interesse von Beschuldtigtem und Anlklägerin. Auch wenn eine Ausgang vielleicht ungewiss erscheint.

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