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02.07.2011

08:27 Uhr

Dominique Strauss-Kahn

Belastungszeugin soll kriminell sein

Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist frei. Der Grund: Die wichtigste Kronzeugin ist weitgehend unglaubwürdig. Sie soll sogar in kriminelle Machenschaften verwickelt sein.

Wende im Fall Strauss-Kahn

Video: Wende im Fall Strauss-Kahn

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New York/ParisDominique Strauss-Kahn ist ein freier Mann - und die Augen von Justiz und Öffentlichkeit richten sich jetzt auf sein angebliches Opfer. Die Frau, die ihn der versuchten Vergewaltigung und des erzwungenen Oralsex beschuldigt hat, soll selbst in kriminelle Machenschaften verwickelt sein, in Drogenhandel und Geldwäsche. Und sie soll versucht haben, Geld aus dem Fall zu schlagen.

Der frühere Direktor des Weltwährungsfonds war am Freitag knapp sieben Wochen nach seiner spektakulären und auf der ganzen Welt verfolgten Verhaftung aus seinem scharfen Hausarrest entlassen worden. Selbst die Staatsanwaltschaft hat erhebliche Zweifel an der Aussage der Frau. Dennoch werde weiterermittelt, der Fall ist noch nicht vorbei.

Nach Meinung der großen Zeitungen in den USA ist er es. „Der Fall ist einen Schritt näher an der Einstellung“, urteilt die „New York Times“ am Samstag, einen Tag, nachdem sie als erstes Medium von Zweifeln an der 32-Jährigen berichtet hatte. Es gebe zu viele Löcher in der Glaubwürdigkeit der Kronzeugin.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

„Der Fall ist vorbei. Oder er sollte zumindest vorbei sein“, schrieb auch das „Wall Street Journal“. Die Justiz sollte jetzt hinterfragen, wie 100.000 Dollar auf das Konto der alleinerziehenden Einwandererin kommen und welchen Kontakt sie zu einem in Haft sitzenden Drogenhändler habe. Und warum sie mit dem Mann telefoniert habe, um Geld aus dem Fall zu schlagen. „Da ist sogar noch mehr. Aber das genügt schon“, schreibt das New Yorker Blatt. „Der Fall wird sich noch lange als Beispiel in den Seminaren über Jura, Medien, Sexualverhalten und Politik finden.“

Strauss-Kahn will offensichtlich auch nach seiner Entlassung aus dem Hausarrest keine neue öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen ihn abgeben. „Er wird sich äußern, wenn jeglicher Verdacht beseitigt ist“, sagte sein französischer Anwalt Jean Veil am Freitagabend dem Fernsehsender BFM TV. Dies werde dann sein, wenn Strauss-Kahn zurück in Frankreich sei. Ein Zeitpunkt dafür ist allerdings noch völlig ungewiss.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

02.07.2011, 09:09 Uhr

Weil die Ermittler erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin haben, nicht beim Beschuldigten!!

Erst das getürkte Alibi, dann einvernehmlicher Sex und schließlich doch einvernehmlicher Sex gegen Bezahlung. Was für eine widerliche Show!

Aber er gibt jetzt ja zu, einvernehmlichen Sex mit dem Zimmermädchen gehabt zu haben - wie kann das sein,
wenn er um 12:28 auscheckt und um 13:00 Sex hatte mit ihr?

Und auch komisch, dass man vom angeblichen Alibi nichts mehr hört - da war wohl der Zeuge dafür nicht zum Meineid bereit??
Und jetzt soll der Belastungszeuge unglaubwürdig sein? Mehr als nur eine widerliche Show! Die kriminelle Energie der herrschenden Kreise – sie ist ungetrübt und unverschämt! Die weltweit besten Anwälte werden es schon richten, wo jeder Provinzanwalt scheitern würde!! Was hat dies mit Rechtsstaat zu tun? Freispruch für alle, die Millionen für Anwälte ausgeben können! Auch bei uns in DE.

Und dann wird ein ganzes Presseteam engagiert, die Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um die Meinung der Öffentlichkeit in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken.

Welch widerliche Show!

Die Justiz sollte jetzt hinterfragen, wie 100.000 Dollar auf das Konto der alleinerziehenden Einwanderin kommen ... Vielleicht eine Anzahlung für Schweigegeld von DSK?
Bei vorangegangenen Vorfällen, und davon gibt es mehr als genug, hatte er einer seiner Mitarbeiterinnen beim IWF ein gut bezahltes Pöstchen verschafft, als Schweigegeld sozusagen, damit sie auf eine Anzeige verzichtet!!

Welch eine widerliche Show!

PS: Problematisch wird es vor allem dann, wenn jemand im hohen Alter an Störungen der Sexualpräferenz leidet. Die stehen dann nur auf Sexualpraktiken, in der Lust an Schmerzen, bzw. mit Macht und Ohnmacht in Verbindung stehen.
Ohne sadomasochistische Praktiken wird die sexuelle Befriedigung erschwert, oder unmöglich und dadurch bei den Betroffenen, den Armen, ein entsprechender Leidensdruck entsteht.

Die armen Mädels

Europa

02.07.2011, 09:40 Uhr

Jetzt mal ganz im ernst: "Opfer" und "Täter" sind kriminelle, nur dass das "Opfer" weniger Intelligenz und Geld besitzt als der "Täter".

Und wie dieser Fall wahrscheinlich endet, hat Kachelmann uns ja gezeigt: Freispruch wegen Mangel an Beweisen.




Sie schreiben darüber:"Welch eine widerliche Show!"
und darunter: "Problematisch wird es vor allem dann, wenn jemand im hohen Alter an Störungen der Sexualpräferenz leidet. Die stehen dann nur auf Sexualpraktiken, in der Lust an Schmerzen, bzw. mit Macht und Ohnmacht in Verbindung stehen."

Das klingt ja nach Alice-Schwarzer-Nonsense. Hauptsache der Mann steht wieder als wiederlicher perverser Drecksack da.

Realist

02.07.2011, 09:51 Uhr

Es gibt nur folgende Punkte festzuhalten.

1. Unschuldsvermutung wurde mit Füßen getreten, ein Armutszeugnis in einem Rechtsstaat. Willkommen im Mittelalter.

2. Medien sollten sich fragen, ob sie mit jeder Headline noch Millionen verdienen wollen. Man sollte diese Mehreinnahmen einsammeln und richtigen Opfern zur Verfügung stellen.

3. Alle künftigen Opfer verlieren. Wer geht denn jetzt noch und zeigt das Verbrechen an?

Fakt ist: Für mich ist DSK und Kachelmann unschuldig, solange man die Schuld nicht beweisen kann. Frauen sind auch zu solchen Anschuldigungen in der Lage. Dies kommt nur selten an die Öffentlichkeit. Alle wirklichen Opfer von Vergewaltigungen verlieren durch die mediengetriebene Hetzjagt.

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