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23.08.2011

17:24 Uhr

Dominique Strauss-Kahn

Riesenblamage für die US-Justiz

VonMarkus Ziener

In diesem Fall gibt es beim besten Willen keine Sieger. Nicht nur DSK, auch der IWF hat einen Imageschaden erlitten. Der größte Verlierer allerdings ist das US-Justizsystem. Ein Kommentar.

Dominique Strauss-Kahn. AFP

Dominique Strauss-Kahn.

Denn dass Dominique Strauss-Kahn nun als freier Mann die USA verlassen kann ist für den 62-Jährigen kein wirklicher Sieg. DSK, wie der Franzose meist nur knapp genannt wird, konnte lediglich Schlimmeres abwenden. Verloren hat er hingegen seinen Job beim IWF, sehr wahrscheinlich seine Chancen in der französischen Politik und ganz erheblich seine Reputation. Dafür allerdings hat der notorische Frauenheld, der seinen Testosteronhaushalt nicht im Griff hat, auch selbst gesorgt.

Ein weiterer großer Verlierer ist indes auch der Währungsfonds. Denn dass nun deren früherer Chef nicht verurteilt wird, ändert nichts am Imageschaden, den die Institution durch die Ereignisse in New York davon getragen hat. Der Fonds musste sich Berichte gefallen lassen, nach denen es an der Tagesordnung sei, dass in den Hallen an der Washingtoner H-Street den Frauen nachgestellt würde. Er musste nach den vorzeitigen Abgängen von Horst Köhler und Rodrigo Rato nun bereits den dritten Ausfall eines Chefs verdauen. Und vor allem: Der IWF verlor einen Managing Director, der dem Fonds während er Finanzkrise gekonnt und klug eine neue Stimme gab. Eine Stimme, die DSK’s Nachfolgerin Christine Lagarde erst noch finden muss.

Der aber vielleicht größte Verlierer ist das amerikanische Justizsystem, das gravierende Schwächen offenbarte. Es bleibt unverständlich, wie ein Staatsanwalt ohne gründliche Prüfung der Aussagen der Hauptbelastungszeugin einen solchen Fall derart sensationslüsternd ausschlachten konnte. Schon zu Beginn des Verfahrens warnten Skeptiker, dass die Beweise gegen DSK wasserdicht sein müssten, damit der Fall nicht in sich zusammenfällt. Doch genau das waren sie mitnichten.

Markus Ziener ist US-Korrespondent des Handelsblatt. Stephen Voss

Markus Ziener ist US-Korrespondent des Handelsblatt.

Die Staatsanwaltschaft der Metropole New York machte ihre Hausaufgaben nicht, weil sie nach früheren Fehlschlägen dringend ein Erfolgserlebnis brauchte – und schlampte. Hätte sie das Zimmermädchen aus Guinea sofort einem Kreuzverhör unterzogen, wären die Widersprüche schnell offenbar geworden. Und das Hilfsargument, dass man DSK wegen angeblicher Fluchtgefahr noch aus dem Flugzeug heraus festnehmen musste, war angesichts von Strauss-Kahns Position an der Spitze des IWF von Anfang nur eben das: Ein Hilfsargument.

Strauss-Kahn ist eben kein Filmregisseur wie Roman Polanski, der in den 70er Jahren die USA verlassen konnte ohne sie je wieder betreten zu müssen. Strauss-Kahn hätte sich so oder so einem Verfahren gestellt, wollte er seine Aufgaben als IWF-Direktor noch weiter erfüllen oder sogar französischer Präsident werden.

Dass der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. jetzt die Anklage gegen DSK fallen lässt ist dabei ein schwacher Trost. Nur blinde Amerikaliebhaber preisen dies nun als Beweis eines funktionierenden Rechtssystems. Umgekehrt wird es richtig: Hätte Strauss-Kahn nicht ein Bollwerk aus Anwälten und eigenen Ermittlern um sich errichtet, dann wäre dieser Ausgang des Verfahrens beleibe nicht sicher gewesen. Doch wer kann sich diesen Luxus schon leisten?

Kommentare (2)

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Auslandsdeutscher

23.08.2011, 18:39 Uhr

Die amerikanische Justiz ist leider tatsächlich inzwischen unbrauchbar und nur für Superreiche, die sich einen Anwalt für $400/Stunde leisten können. Man lebt hier in einem quasi rechtsfreiem Raum und hofft, nicht selber eines Tages das Opfer dieser Justiz wird.
Ändern wird sich leider nichts, da die Gesetze von eben den Menschen gemacht werden (Juristen), die von diesem Zustand profitieren.
Ein auswegsloser, skandalöser Zustand!

Pendler

23.08.2011, 19:49 Uhr

So ein Quatsch.

Strauss Kahn hat sich mit einer Liberalisierung des IWF NICHT durchsetzen können.

Das war sein Ziel
Und so haben seine Gegener ihn diese Sache an den Hals gehängt
Und weg war er!!!

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